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Sugar Baby

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Dieses Bild: Leicht nach vorne geduckt, mit erhobener Hand, kommt sie über die Strasse auf den Kinderspielplatz zu. Ein dünnes Stäbchen hält sie in der Hand, darauf wippt eine riesige, rosa Zuckerwatte. Das kegelförmige, federleichte Ding ist so gross, dass sie ihr Gesicht dahinter verstecken kann, und so schleicht sie sich lachend an das spielende Kind heran, bis dieses bemerkt, dass es gemeint ist. Ein Freudenschrei und ein Griff nach der süssen Herrlichkeit. Die kleine Geschichte des Zupfens, des Klebens und Schleckens beginnt. Andere Kinder ringsum schauen zu und wollen auch. An der Strasse steht das Zauberding von Zuckermaschine. Bloss ein Häufchen Zucker mit einem Tropfen Lebensmittelfarbe lassen sich mit etwas Hitze zu einem wattigen Kegel spinnen. Seit mehr als hundert Jahren ist für Tausende Kinder und Erwachsene diese knallig farbige Watte ein Moment der Wonne.

 

Auch du bist natürlich ein Sugar Baby! Nicht, weil du eventuell Zuckerwatte auch magst, ich sage das auch nicht, weil dich vielleicht jemand «Schatz», «Honey» oder ähnlich nennt, was als Name sicher in die Zuckervariante fallen würde. Ich behaupte es einfach, weil wir alle den Liebes­tätern ausgeliefert sind, mehr und mehr. Lebensmittelhersteller bestimmen längst unseren Zuckerkonsum. Es gibt den Ausdruck «drug food», da Zucker auch Abhängigkeit schaffen kann und wir Zucker in Mengen zu uns nehmen können, ohne jegliche Beschaffungsprobleme. Keine Spritze, kein Rauchen oder Sniffen.

Zucker macht glücklich. Dich, mich, das Kind. Für eine Weile. Über ein quengelndes Kind wird irgendeine Süssigkeit gestülpt, und es gibt Ruhe. Für eine Weile. Eine neuere Untersuchung behauptet, dass Babys mit Zucker zufriedener und ruhiger würden als mit Muttermilch. Die Aussicht auf ein Stück Patisserie oder bloss Schokolade aus dem Schrank zu Hause erfüllt viele mit Freude, davor und danach. Für eine Weile. Manchmal kommt es mir vor, als sei überall Zucker beigemischt. Die Lebensmittelhersteller als Geschmacksdespoten am Werk. In Getränken, Glacen, Suppen, Schinken, Broten, Joghurts, Saucen, gerösteten Nüssen, Hot Dogs … zudem natürlich in Zigaretten, um auch Tabak milder und feiner zu machen.

Ein zu hoher Zuckerlevel, der unsere Geschmacksnerven vom charakteristischen Gout eines Nahrungsmittels ablenkt. Ich muss das alles nicht kaufen, aber auch mit «nature» Angeschriebenes ist einfach süss bis sehr süss. Anstelle einer geschmacklichen Aufwertung.

 

Zucker ist zauberhaft und vom Teufel und erzählt Geschichte. Aufgrund des kleinen Watte-Erlebnisses habe ich mich umgesehen, wie das so kam mit dem Zucker. Von der vorchristlichen Wildpflanze bis zum heute bekannten raffinierten, weissen Zucker. Und später dann auch bis zu unserer Runkelrübe. Das Zuckerrohr hat eine globale Bedeutung bekommen, als sich herumsprach, dass sein süsser Saft Heil bringt. Die Pflanze blüht nicht mehr, da die Vermehrung mit Stecklingen sehr einfach ist und sich mit den Jahren Blüten und Samenentwicklung zurückgebildet haben. Auch Bienen braucht das Zuckerrohr nicht. Ich las, dass mit ausgedehnterem Handel der Zucker bei uns zuerst als Heilmittel in die Apotheken kam, bevor die Konditoreien ihn auch verwendeten. So gesehen hat eine Schwarzwäldertorte vielleicht auch etwas Heilendes?

 

Ein Freund, Maschinenentwickler und -bauer, erzählte mir von einem Auftrag, den er Ende des letzten Jahrhunderts von den Briten erhielt. Als grösste Kolonialmacht waren sie auch gross im Zuckerhandel und hatten plötzlich einen Überschuss an Zucker. Die Maschine produzierte dann eine Zeit lang aus Zucker Waschmittel. Und momentan führen wir einen Kampf gegen Übergewicht und Diabetes. Und der Wunsch nach einer Zuckersteuer für Softdrinks wird laut. Werden wir die Melancholie des Ungesüssten aushalten?

Sus Heiniger ist Kunstmalerin und lebt in Murten. Als FN-Gastkolumnistin schreibt sie regelmässig über selbst gewählte Themen.

 

«Zucker macht glücklich. Dich, mich, das Kind.»

 

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