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«Syrien ist eine universelle Tragödie»

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Mindestens 220 000 Tote hat der Bürgerkrieg in Syrien seit Frühling 2011 gefordert. Rund 2,6 Millionen Syrer sind aus dem Land geflohen, über neun Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Der Konflikt zwischen Präsident Baschar al-Assad und seiner Baath-Partei, den verschiedenen Oppositionsgruppen und den islamistischen Fundamentalisten scheint hoffnungslos verfahren. Und das Leiden der Menschen zwischen zerstörten Städten und Flüchtlingslagern geht unvermindert weiter.

Selbstporträt Syriens

Das Internationale Filmfestival Freiburg (Fiff) widmet Syrien dieses Jahr einen Themenschwerpunkt. Dieser will einen anderen Blick auf die Realität Syriens ermöglichen, als dies die täglichen Nachrichtenmeldungen tun: den Blick von syrischen Filmemacherinnen und Filmemachern, direkt und unverfälscht, oft so schonungslos brutal, dass es kaum auszuhalten ist, und dann wieder erfüllt von Kraft und Hoffnung, von denen man nicht weiss, woher die Menschen sie nehmen. Zehn Dokumentarfilme und eine Reihe von Kurzfilmen umfasst die Sektion «Hommage an Syrien». Zusammengestellt hat sie der syrische Filmemacher Ossama Mohammed, der seit 2011 im Pariser Exil lebt.

In der Auswahl befindet sich auch Mohammeds Film «Silvered Water, Syria Self-Portrait», der 2014 am Filmfestival von Cannes uraufgeführt wurde: eine Collage aus Videos von Syrerinnen und Syrern, grossenteils aufgenommen mit Smartphones und via Internet verbreitet. Sie zeigen Bilder von Demonstrationen, die mit Waffengewalt aufgelöst werden; von Menschen, die in ihrem Blut auf der Strasse liegen; von Inhaftierten, die misshandelt werden; von zerstörten Häusern, verzweifelten Flüchtlingen, toten Kindern.

Als er alle diese Videos im Internet entdeckt habe, sei in seinem Kopf ein Film entstanden, sagte Ossama Mohammed, der diese Woche im Rahmen des Filmfestivals in Freiburg weilte, gegenüber den FN. «Ich habe einen sehr grossen Respekt vor diesen starken Bildern. Ihre Qualität ist unabhängig von ihren technischen Mängeln. Solche Bilder hat es nie zuvor in der Geschichte gegeben. Es ist eine neue Art des Kinos.»

«Schuldig und feige»

Nachdenklich wiederholt der 61-Jährige, was er auch im Film mehrmals sagt: dass es schwer sei für ihn, diese Bilder aus seiner Heimat im friedlichen Westen zu sehen, dass er sich schuldig und feige fühle, in Sicherheit zu sein, während seine Landsleute in Syrien ausharrten. Doch an eine Rückkehr ist für den Regimekritiker nicht zu denken. Würde er einreisen, würde er sofort verhaftet. Er weiss: «Es gibt für mich keinen Weg zurück und keinen Platz in Syrien.»

 Umso grösser ist Mohammeds Hochachtung vor den «1001 Syrerinnen und Syrern»–so nennt er sie im Film–, welche all die Videos aufgenommen haben. «Sie stehen dort, fünf Zentimeter entfernt von ihren verwundeten oder getöteten Angehörigen und Freunden und von ihrem eigenen möglichen Tod. Sie filmen, weil sie all das festhalten wollen und weil sie daran glauben, dass dies der erste Schritt zu Gerechtigkeit und Freiheit ist. Und sie wissen, dass sie nicht zurück können, weil es für sie unter diesem Regime keine Sicherheit mehr gibt. Darum sind sie bereit, sich für ein freies Syrien zu opfern.» 

Zu diesen mutigen Syrern gehört Wiam Simav Bedirxan. Die 36-jährige Kurdin aus Homs nahm an Weihnachten 2011 via Facebook Kontakt mit Ossama Mohammed auf. Sie wollte die Ereignisse in ihrer Stadt mit ihrer Kamera dokumentieren und dafür den Rat des erfahrenen Kollegen einholen. Zwischen den beiden entstand rasch eine enge Bindung, obwohl sie sich erst 2014 am Festival von Cannes zum ersten Mal begegneten. «Simav ist eine unglaubliche, starke Frau», sagt Mohammed. «Sie wurde für mich zu einer Metapher Syriens.» Und sie lieferte schliesslich einen grossen Teil der Aufnahmen für «Silvered Water»–so viele, dass sie als Co-Autorin des Films auftritt. Auch der Filmtitel ist eine Hommage an die junge Filmerin: «Silvered Water», «silbernes Wasser», ist die Übersetzung ihres kurdischen Namens Simav.

 Simav lebt heute immer noch in Syrien, arbeitet als Lehrerin und kämpft für eine bessere Zukunft. Dieser Kampf sei wichtiger denn je, sagt Ossama Mohammed, denn die Lage in Syrien sei schlicht eine Katastrophe. «Wir können uns gar nicht vorstellen, was syrischen Familien jeden Tag passiert. Wie es ist, sein Haus zu verlieren, für das man zwanzig Jahre lang gearbeitet hat, zu fliehen, zu hungern, zu frieren, und in ständiger Angst zu leben. Die Situation ist vollkommen surrealistisch.»

Syrien geht alle etwas an

Um Syrien zu retten, brauche es die Hilfe der internationalen Gemeinschaft, davon ist Mohammed überzeugt. Die Syrerinnen und Syrer wüssten das. Darum sei es ihnen wichtig, wann immer möglich ihre Geschichten zu erzählen, und darum gebe es so viele Menschen, die Filme über ihre Tragödie, aber auch über ihre Hoffnungen und Träume drehten. Doch was können sie mit diesen Filmen bewirken? Viel, glaubt Mohammed, weil sie zum besseren Verständnis Syriens und der syrischen Revolution beitrügen. «Und die Filme zeigen», so der Regisseur weiter, «dass das, was in Syrien passiert, keine lokale, sondern eine universelle Tragödie ist, die alle etwas angeht.»

Dass das Internationale Filmfestival Freiburg den syrischen Dokumentarfilmen so viel Platz einräume, mache ihn sehr glücklich, betont Mohammed am Ende des Gesprächs. Nicht nur, weil es damit einen neuen Zugang zur syrischen Realität ermögliche, sondern auch, weil es ihm und anderen Syrern eine Plattform für Begegnungen biete. Eine Plattform, die sie nutzen, um ihre Geschichte zu erzählen–in der Hoffnung, dass sie bald die Hilfe bekommen, die sie brauchen, um ihr Land zu retten.

Programm

Syrien-Filme am letzten Festivaltag

Noch ein Dokumentarfilm und zwei Kurzfilmprogramme laufen heute in der Syrien-Sektion:

•«Feminity, Cinema and War»ist eine Serie von fünf Kurzfilmen eines Autors, der anonym bleiben will, weil er noch in Syrien lebt: «Ein sehr mutiger Mensch mit einem grossartigen Gefühl fürs Kino», so Ossama Mohammed. 12 Uhr, Rex 2.

•«Shadows and Light»(1994) ist ein 41-minütiger Dokumentarfilm von Ossama Mohammed, Omar Amirallay und Mohammed Malas. Er erzählt von einem Pionier des syrischen Kinos in den 1930er- und 1940er-Jahren. 14.15 Uhr, Rex 2.

•Animationskurzfilme:sechs Animationsfilme von zusammen 20 Minuten Länge, laut Ossama Mohammed «ein weiterer Versuch, eine eigene Stimme zu finden». 14.15 Uhr, Rex 2 (zusammen mit «Shadows and Light»).cs

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