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Tägliche Diskriminierung thematisieren

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Autor: Pascal Jäggi

Eine Front von acht Gegnern der Minarett-Initiative hatte der Präsident der muslimischen Vereine Freiburgs (UAMF), Mohamed Ali Batbout, aufgeboten, um die Aufgaben und Herausforderungen der Muslime in der Schweiz zu besprechen. In Abwesenheit des eingeladenen SVP-Mannes Stéphane Peiry sass dazwischen einsam José Lorente von der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU). Immerhin meinte der Greyerzer: «Ich fühle mich willkommen hier und danke ihnen für das Gesprächsangebot.»

Überhaupt fand die Debatte am Freitagabend in einer höflichen Atmosphäre statt. Die rund 40 mehrheitlich muslimischen Zuhörer antworteten vor allem auf Lorentes Vorwürfe. Dieser ist überzeugt, dass auf das Minarett der Muezzin folgt. Daraufhin würden Muslime unweigerlich die Einführung der Scharia fordern. Weiter sehe er nicht ein, wieso eine Moschee ein Minarett brauche. «Das ist ein unnötiges Machtsymbol. Wir sind für Religionsfreiheit, gegen Gebetsräume für Muslime haben wir nichts.» Eine Replik aus dem Publikum stellte die Minarette als Symbol des Zusammenlebens dar. «Die ersten Minarette entstanden nach dem Vorbild der Kirchtürme in Damaskus. Das war ein Zeichen der Anerkennung.» Dieselbe junge Frau mit Kopftuch sagte erstaunt: «Sie können doch nicht für uns Frauen reden. Woher wissen sie, wie wir leben, wie wir denken?» Lorente hatte zuvor gesagt, Frauen seien im Islam generell schlechter gestellt als Männer.

Die meisten Gesprächsteilnehmer erklärten die Minarettdebatte zur Stellvertreterdiskussion. «Den Initianten geht es darum, die Muslime zu diskriminieren», meinte etwa die Lausanner Soziologin Mallory Schneuwly-Purdie. Daniel de Roche von der EVP verglich die heutige Situation der Muslime mit derjenigen der Freiburger Reformierten im 19. Jahrhundert. «Auch wir brauchten vierzig Jahre, bis wir die Kirche mit Turm im Zentrum Freiburgs errichten konnten.» Selbst in jüngster Zeit gebe es noch immer Probleme, meinte de Roche. «In einer Freiburger Gemeinde durften wir erst vor zwei Jahren ein Gebäude nur unter der Bedingung bauen, keinen Glockenturm aufzustellen.»

Eine Zwischenposition nahm Stéphane Lathion, Leiter der Forschungsgruppe über den Islam in der Schweiz (GRIS), ein: «Die SVP und die EDU verdienen immerhin das Lob, die Diskussion angestossen zu haben. Die Initiative ist aber der völlig falsche Weg.» Er begrüsste, dass die UAMF den Dialog und die Öffnung sucht. «Wir müssen uns besser kennenlernen. Dafür braucht es beide Seiten.» Dem stimmte Mohamed Ali Batbout zu: «Wir wollen mit allen reden, aber die Schweizer müssen diesen Willen auch zeigen.»

Laizismus diskriminiert

Nicht allen passte das klare Bekenntnis von Nicolas Rime (SP) zum laizistischen Staat. «Das ist auch Diskriminierung, ich bin nicht laizistisch», rief ein Zuhörer aus, «da ist mir José Lorente lieber, der spielt wenigstens keine Multikulti-Heuchelei vor.» Auffällig war, dass sich viele Besucher viel eher darum sorgten, ob ihre Kinder in Zukunft gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben werden, als um Minarette. «Wenn Erkan oder Emine eine Stelle suchen, werden sie doch sogleich in eine Ecke gestellt», hielt ein Mann im besten Alter fest.

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