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Tätowierer im Clinch mit Behörden

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Tätowierer im Clinch mit Behörden

Autor: pascal Jäggi (Text) und Corinne Aeberhard (Bilder)

Endlich Sommer! Die Menschen versammeln sich auf Plätzen und in den Strassen, baden an der Sonne oder im See. Bei einigen sind kunstvolle oder weniger gelungene Tätowierungen zu sehen. Tattoo-Läden gibt es an jeder Ecke, im Freiburger Burgquartier gleich drei in engstem Umkreis. Bedenken aus gesundheitlicher Sicht gibt es kaum. In der sauberen Schweiz mit all ihren Vorschriften kann sich schliesslich jeder gefahrlos Nadeln in die Haut stechen lassen.

Oder doch nicht? Eine am Montag veröffentlichte Untersuchung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) attestiert acht von zehn Farbproben, die für Tätowierungen oder Permanent-Make-up verwendet werden, ungenügende Qualität. In einigen Proben sind gar krebserregende Stoffe gefunden worden.

Kontrollen in Freiburg

Der Kantonschemiker Jean-Marie Pasquier bestätigt auf Anfrage der FN, dass auch in Freiburg kontrolliert wurde. Mit einem ähnlichen Resultat: Auch hier waren acht von insgesamt zehn Proben mangelhaft. Pasquier relativiert allerdings: «Meistens stimmten die Beschriftung oder die Angaben zu Zusatzstoffen nicht.»

Die Konsequenzen für die betroffenen Studios werden laut dem Kantonschemiker nicht besonders drastisch sein. «Wir fordern die Betreiber natürlich auf, die entsprechenden Produkte nicht mehr zu benutzen. Alles weitere ist Sache der Eigenverantwortung. Das heisst, die Studiobetreiber müssen dafür sorgen, dass sie vom Lieferanten einwandfreie Produkte erhalten», erklärt Pasquier.

Kosten selber übernehmen

Bei einem Rundgang durch die Stadtfreiburger Tätowierläden erklären die Betroffenen ihre Sichtweise. Udalric Tissot von Tissot Tattoo ist, gelinde gesagt, verärgert. Er hat an der freiwilligen Untersuchung teilgenommen, jetzt muss er die Konsequenzen tragen. «Bei drei Proben wurden Mängel festgestellt. Darum muss ich nun die Laborkosten zahlen», erzählt Tissot, «das sind immerhin fast 700 Franken.»

Dass die Betreiber die Kosten übernehmen müssen, ist gesetzlich geregelt. «Bei einem positiven Verlauf kommt das Labor für die Kosten auf, bei Mängeln zahlt der Einsender», erklärt Jean-Marie Pasquier. Mit der Einwilligung, sich an der Studie zu beteiligen, haben sich die Betreiber verpflichtet, für die eventuellen Kosten aufzukommen. Selbst wenn die Teilnahme freiwillig war, sagt Pasquier.

Tissot schickt die Rechnung nun an seinen italienischen Lieferanten weiter, was vor allem ein administrativer Aufwand ist. Der Lieferant verlangt von Tissot, von allen entsprechenden Gesetzesartikel Abschriften einzusenden, in englischer Sprache. Was mit seinen Farben nicht stimmen soll, ist dem erfahrenen Tätowierer schleierhaft. «Seit 20 Jahren benutze ich dieselben Farben. Nie gab es irgendwelche Probleme.»

Schikane der Behörden?

Tissot vermutet, dass es den Behörden gar nicht so ungelegen ist, wenn die Tätowierer an den Pranger gestellt werden können. «Die mögen uns ganz einfach nicht. Verstehen sie mich nicht falsch, Hygiene- und Arbeitsvorschriften sind wichtig und richtig. Niemand will sich mit einer unreinen Nadel stechen oder von einem betrunkenen Tätowierer behandeln lassen. Aber die Sache mit den Farben ist völlig übertrieben. Ich will den Menschen sehen, dessen Krebs auf seine Tätowierung zurückzuführen ist.»

Die Behörden verlangten zu viel, findet Tissot. «Dauernd gibt es Neuerungen in den Vorschriften und wir werden nicht informiert.» Jean-Marie Pasquier lässt diesen Vorwurf nicht gelten: «Wenn die Verkehrsregeln ändern, müssen sie sich auch informieren. Es gibt genügend Möglichkeiten für die Tätowierer, um an die entsprechenden Auskünfte zu gelangen.»

Medial übertrieben

Das BAG steht bei Tissot nicht gerade hoch im Kurs. Ein Fakt, der sich auch bei den anderen Anbietern bestätigt. Die Tätowierer werfen den Behörden und den Medien vor, die Sache unnötig aufgebauscht zu haben. Ein Angestellter von Spirit Céline (wo es keine Beanstandungen gab) ärgert sich etwa darüber, wie die Geschichte in einem Westschweizer Gratisblatt präsentiert wurde: «Ein nicht sehr schöner, voll tätowierter Kopf und daneben die Aussage, dass Tattoos krebserregend sind. Das ist doch Panikmache. Da wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht.»

Berufsverband als Chance

Der Steel Workshop hat zwar bei der Studie nicht mitgemacht, da dort vor allem ohne Farben gearbeitet wird, doch auch hier winken die Angestellten ab. «Das BAG versucht den Leuten alles zu vermiesen. Nach den Genussmitteln ist jetzt auch der Körperschmuck dran», meint einer. Er sieht in dem Verband Schweizerischer Berufstätowierer (VST) eine Chance, um sich in der Öffentlichkeit besser darzustellen. Nur sei dieser noch sehr klein (25 Mitglieder) und «très alémanique». Aus Freiburg ist kein einziges Studio im Verband.

Udalric Tissot macht trotz allem weiter: «Die wollen uns die Kunden vergraulen, aber das lassen wir nicht mit uns machen.» Sagts und beginnt zu stechen.

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