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«Texte müssen bescheiden sein»

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«Texte müssen bescheiden sein»

Der Autor Catalin Dorian Florescu sprach mit Freiburger Schülern über seine Arbeit und sein Leben

Literatur zum Anfassen: 49 Schülerinnen und Schüler der kaufmännischen Berufsschule Freiburg haben nicht nur einen Roman von Catalin Dorian Florescu gelesen, sondern den Schriftsteller auch persönlich getroffen. Im Anschluss an eine Lesung beantwortete er ihre Fragen.

Mit CATALIN DORIAN FLORESCU
sprachen SASCHA BUCHS, STEFAN HAYMOZ und STEFANIE ZOSSO

Wie sieht ein normaler Tag im Leben eines Schriftstellers aus?

(Lacht) La dolce vita! Ich stehe auf, dann gehe ich ins Kaffeehaus, lese die NZZ und erledige meine Mails. Nachmittags besuche ich mein Stammlokal und schreibe bis zu sieben Stunden.

Besteht Ihr Freundeskreis nur aus Schriftstellern?

Nein, hauptsächlich sind es keine Schriftsteller. Man kennt sich untereinander, aber der Zusammenhalt ist nicht sehr gross. Mein Freundeskreis besteht aus alten Freundschaften, die wenig mit Schreiben zu tun haben.

Kann man einzig mit der Schriftstellerei eine Familie ernähren?

Kommt darauf an, wie viel man essen will. In Rumänien kann man nicht davon leben. Auch in der Schweiz können nur wenige ganz und einige andere bloss auf Zeit vom Schreiben allein leben. Ich überblicke finanziell immer einen Zeitraum von etwa anderthalb Jahren. Man ist demnach auf Nebenjobs angewiesen.

Werden Sie von anderen Autoren beeinflusst?

Ich nehme selten Ideen aus Büchern, sondern lasse mich eher von einer bestimmten Dichte der Sprache bezaubern. Ich bin aufmerksam, was aktuelle und persönliche Themen angeht. Dazu gesellen sich Geschichten, die mir das Leben in den Weg stellt. Trotzdem haben mich einige bekannte Autoren beeinflusst, wie zum Beispiel Céline, Philipp Roth, Fernando Pessoa, Pier Paolo Pasolini, der nicht nur Regisseur war, oder Bela Zsolt.

Können Sie sich vorstellen, ein Buch von 1000 Seiten zu verfassen?

Nein. Aber vor fünf Jahren habe ich nur Kurzgeschichten geschrieben und konnte mir nicht vorstellen, Romane zu schreiben. Jetzt habe ich ja trotzdem angefangen, Romane zu schreiben. Also kann ich nicht ausschliessen, dass ich in ein paar Jahren einen 1000-seitigen Roman verfassen werde.

Haben Sie auch schon eine erfundene Geschichte geschrieben?

Nein, ganz erfunden nicht. Es ist immer eine Mischung aus Erfundenem und Erlebtem. Die wahren Begebenheiten, die in einem Buch vorkommen, sollte man mit Erfundenem schmücken.

Wurden Sie in der Schweiz gut aufgenommen?

Ja, ich wurde gut aufgenommen, ich bin nie aufgefallen. Ich sprach jahrelang Hochdeutsch, doch nun beherrsche ich auch Schweizerdeutsch, natürlich mit Akzent. Ich gehöre aber noch heute weder da- noch dorthin.

Verarbeiten Sie Ihre Erfahrungen, indem Sie Bücher schreiben?

Ja, ich verarbeite Sie so stückweise. Als ich eine ganz erfundene Geschichte niederschrieb, fand ich dafür keinen Verleger. Deshalb kehrte ich zur autobiografischen Erzählung zurück.

Welche Art von Büchern lesen Sie selbst am liebsten?

Sprache ist wichtig. Sie muss klar sein, ohne Firlefanz. Es dürfen auch keine hochgestochenen, sondern es müssen bescheidene Texte sein. Man sollte sich die Bilder hinter dem Text vorstellen können. Ich lese Bücher in einer dichten Sprache, geradlinig, intensiv, egal, ob es um den Zauber einer Kindheit oder den Krieg geht.

Schreiben Sie zurzeit an einem neuen Buch?

Ja, es heisst «Der blinde Masseur». Es handelt von einem Mann, der erblindet ist und in Rumänien in einem kleinen Dorf wohnt. Der Masseur hat am Ende der Welt eine 30 000 Bücher umfassende Bibliothek. Die Bauern haben sich mit ihm gebildet und er bildet sie, indem sie ihm vorlesen. Einige nehmen seine Bücher mit nach Hause und nehmen sie auf Kassette auf, die er sich dann anhört.

Autorenlesung in der Freiburger Altstadt

Um die moderne Literatur besser zu verstehen, haben die kaufmännischen Berufsmaturaklassen des dritten Lehrjahres den Roman «Wunderzeit» von Catalin Dorian Florescu gelesen.

Von PATRICIA BAERISWYL,
MIRIAM HAYOZ und SONJA PILLER

Erstmals in der Geschichte unserer Schule arrangierten unsere Deutschlehrer Beat Feller, Peter Hartmann und Marion Schmutz ein Treffen mit einem Autor. So fanden wir uns an einem kalten, aber sonnigen Donnerstagmorgen im Restaurant Epée in der Freiburger Altstadt ein.

Zu Beginn seiner Lesung bedankte sich Catalin Dorian Florescu für unser Interesse an seinem Buch. Er stellte fest, dass die Literatur und die Kunst im Allgemeinen in der modernen Computerwelt immer mehr an Bedeutung verlören. Anschliessend las er uns einige Passagen aus seinem Werk vor.

Erinnerungen an die Kindheit

Immer wieder erzählte der Schriftsteller von Erinnerungen an seine Kindheit im kommunistischen Rumänien. Auch über geschichtliche Ereignisse wie etwa die Ermordung des Diktators Ceaucescu sprach er.

Florescu nahm sich Zeit, all unsere Fragen zu beantworten, und tat dies mit viel Witz und Charme. Er erzählte uns, wie sein Leben weiterging, nachdem er in die Schweiz eingewandert war. Seine Erlebnisse hat er auch in einer Kurzgeschichte zusammengefasst, welche in der Anthologie «Swiss Made» (Verlag Wagenbach, Berlin) erschienen ist.

Beeindruckend war die Fülle an Lebenserfahrung, die uns Florescu näher zu bringen versuchte. Er hatte es in seinem Leben als Emigrant nicht immer einfach. Trotz seiner Muskelkrankheit steht er mit beiden Füssen mitten im Leben und ist eine starke Persönlichkeit.

Eigene Interessen verfolgen

Er betonte, wie glücklich wir uns schätzen könnten, in der reichen Schweiz geboren worden zu sein. Auch forderte er uns auf, den eigenen Interessen nachzugehen und uns nicht der grossen Masse zu unterwerfen. Wir sollten zum Beispiel Bücher lesen, die uns wirklich interessierten.

Gegen Mittag war die Lesung zu Ende und alle posierten mit Catalin Dorian Florescu für ein Erinnerungsfoto. Die Begegnung mit diesem Autor war ein positives und einmaliges Erlebnis.
Blitzstart als Schriftsteller

Drei Schüler haben sich speziell in die Biografie von Catalin Dorian Florescu vertieft.

Von MATTHIAS SCHULTHESS,
STEFAN WEISSEN
und GREGORY ZELLWEGER

Catalin Dorian Florescu wird am 27. August 1967 in Timisoara (Rumänien) geboren. 1976 erfolgt seine erste Reise nach Italien und Amerika. Acht Monate später kehrt er nach Rumänien zurück. In der Folge besucht er bis 1982 die Sekundarschule. Er absolviert die Aufnahmeprüfung fürs Humanistische Gymnasium. Im Sommer des gleichen Jahres flieht er mit seinen Eltern in den Westen.

Seit 1982 lebt er in Zürich. Er wird Schweizer und absolviert zunächst das Sprachgymnasium und anschliessend ein Studium der Psychologie und Psychopathologie an der Universität Zürich. 1995 schliesst er sein

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