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Therapie statt Gefängnis

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Therapie statt Gefängnis

46-Jähriger am Strafgericht Saane verurteilt

Zur Finanzierung seiner Drogensucht hat ein 46-Jähriger im 2003 über 100 Diebstähle verübt. Am Freitag hat das Strafgericht des Saanebezirks eine mögliche Gefängnisstrafe zu Gunsten einer Therapie aufgeschoben.

Von JEAN-LUC BRÜLHART

«Die Frage ist weniger die Anzahl der Diebstähle als das Strafmass und die Massnahmen», eröffnete Gerichtspräsident Peter Rentsch am Freitag die Verhandlung am Strafgericht des Saanebezirks. Angeklagt war der 46-jährige M. wegen über 100 Diebstählen, die er zwischen März und Dezember 2003 mehrheitlich in den Kantonen Freiburg und Bern begangen hatte. Der Angeklagte war in allen Punkten geständig und hatte im Laufe der Ermittlungen auch Delikte zugegegeben, gegen die gar nie Anzeige erhoben wurden.

Die Substitutin der Staatsanwaltschaft, Alessia Chocomeli-Lisibach, rechnet in ihrem Plädyer die Geständnisse M. positiv an. Sie verlangte aber eine Verurteilung wegen gewerbsmässigen Diebstählen (Deliktsumme rund 42 000 Franken), weil M. damit einen namhaften Beitrag zur Finanzierung seiner Sucht beigesteuert hat. M. sei auch betrügerischer und versuchter Missbrauch von Datenverarbeitungsanlagen (Bankomat) anzulasten.

Chocomeli-Lisibach forderte, die Freiheitsstrafe von sieben Monaten plus 24 Monaten aus einer Verurteilung vom Dezember 2003 zugunsten einer Therapie aufzuschieben.

In der Not an die Opfer gedacht

Ob Handys, Bargeld, Jacken, Autos, elektronische Agenden, Kreditkarten oder Gutscheine: Mit dem Erlös aus dem Diebesgut hat M. seine Drogensucht finanziert. Sein Auge hatte er auf unverschlossene Autos gerichtet, aus denen er Portemonnaies und weiteres Diebesgut gestohlen hat. Es sei M. anzurechnen, dass er nie jemanden bedroht, Scheiben eingeschlagen oder Gewalt angewendet habe, sagte Verteidiger Joachim Lerf in seinem Plädoyer. Als er zudem fremde Kreditkarte benutzte, habe er nie ein Maximum an Geld abgehoben, sondern nur so viel wie er gerade brauchte. «In seiner Not dachte er noch an die Opfer und das gebührt Respekt», so Lerf. Auch wenn die Menge der Delikte erschrecke, so sei die Deliktsumme nicht wahnsinnig hoch.

Lerf beschreibt den Fall als atypische Geschichte. Da sei zum einen das Alter des Angeklagten, aber zum anderen auch die Tatsache, dass M. sich einsichtig zeige und mit sich dem Scheitern auseinander setze. «Er akzeptiert sein Scheitern auch mit 46 Jahren», so Lerf.

M. wünscht sich, in einem geschützten Rahmen eine neue Orientierung zu finden und neu anzufangen. Er, der «30 Jahre in der Logik der Drogenszene gelebt hat», ist gewillt, auch vier Jahre in eine Therapie zu investieren. Er habe nämlich noch vierzig Jahre vor sich und die Schnauze voll von seinem Lebenswandel. «Wenn ich heute entlassen würde, dann wüsste ich nicht wohin gehen», so der Verurteilte. Während der Therapie will er deshalb ein solides soziales Netz aufbauen, denn ihm fehlen Job, Familie und Verwurzelung. «Ich schwebe», fasste M. seine Situation zusammen.

Therapie – Szene – Gefängnis

M. ist kein unbeschriebenes Blatt. Erst im Februar 2003 hatte er eine 16-monatige Therapie abgeschlossen. «Zu früh und zudem überstürzt habe ich die Therapie verlassen», sagte M. rückblickend. Denn kurz nach dem Austritt war er wieder in der Drogenszene und beging die Delikte, für die er sich am Freitag vor Gericht verantworten musste. Bereits im Dezember 2003 wurde er wegen Drogenhandels zwischen April und Juni 2001 zu 24 Monaten Gefängnis verurteilt. Seit Dezember 2003 sitzt M. aus freiem Willen in Untersuchungshaft.

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