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Traumsprachen

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Gastkolumne

Autor: Claudine Brohy

Traumsprachen

Smalltalk bei einem Glas Wein während einer Vernissage. «Sie malen auch?» «Nein, ich bin Soziolinguistin». «Wie viele Sprachen sprechen Sie denn?» Ich überlege. Tja, was heisst das schon, eine Sprache können? Man muss differenzieren, wie Juristen so schön sagen. Soll ich jetzt etwa sagen, dass eine Soziolinguistin die Tage nicht damit verbringt, Sprachen zu lernen? Aber bevor ich richtig differenzieren kann zwischen Verstehen, Sprechen und Schreiben, Alltag und Arbeit, elementare oder kompetente Sprachverwendung, kommt schon die nächste Frage: «C’est quoi votre langue maternelle?» Das kommt mir bekannt vor, hat man diese Frage nicht schon Bundesratskandidatinnen und -kandidaten gestellt? Auch da bin ich überfordert. Französisch, Deutsch, Schweizerdeutsch – und ist das überhaupt inbegriffen oder kommt das extra? Und dann tschô mecol noch Bolz. Aber mein Gegenüber insistiert, man hätte immer nur eine dominante Sprache. Und führt dann prompt einige Tests durch. In welcher Sprache ich denn träume? «Ja, wissen Sie, das kommt darauf an, von wem ich träume und wo ich bin, man will sich ja auch in den Träumen verständigen können. Und ich träume übrigens in Sprachen, die ich gar nicht so gut kann.» Na gut, kein guter Test. «Und in welcher Sprache zählen und rechnen Sie denn?» Auch hier kommt es darauf an. Einfache Rechnungen auf Französisch, und Differentialrechnungen auf Deutsch, aber die mache ich nicht mehr so oft. Mein Gesprächspartner nervt sich langsam. «Und in welcher Sprache denken Sie denn?» Huch, also jetzt beim Kolumnenschreiben sicher auf Deutsch, obwohl – wissen Sie, plötzlich kommen Bilder in anderen Sprachen, und dann merkt man, dass die anderen Sprachen irgendwie nur im Stand-by sind. Und jetzt kommt der letzte Versuch: «In welcher Sprache fluchen Sie, oder brauchen Sie Kraftausdrücke, das kommt doch nun wirklich spontan aus dem Innersten heraus!» Aber bevor ich richtig antworten kann, werden wir von laut herumtollenden Kindern unterbrochen – die Chips und Salés sind langsam alle aufgegessen, «Fögg, Pütäng, wenn gangemer endlich hìm?» Eben, wie Sie soeben gehört haben, auch das kommt häufig in verschiedenen Sprachen daher.

Claudine Brohy ist Linguistin und wohnt in Freiburg. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, hat in Freiburg und in Kanada studiert. Sie interessiert sich für die verschiedenen Aspekte der Zweisprachigkeit und ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen zur Zweisprachigkeit bearbeitet.

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