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Tuberkulose war die Armenkrankheit

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Was die Öffentlichkeit heute als Randerscheinung wahrnimmt, war früher ein grosses Problem: Mehr als einen Toten pro Tag forderte die Tuberkulose im Jahr 1900 im Kanton Freiburg. Die Krankheit betraf die ganze Bevölkerung und stellte das Gesundheitswesen vor enor- me Herausforderungen. Dies schreibt der Freiburger Historiker Pascal Pernet in seinem Buch «Prière de ne pas cracher!» «Wer von der Krankheit befallen ist, wird schwach, hustet und spuckt Blut», erklärt der Historiker im Gespräch mit den FN. Heute können Ärzte betroffene Patienten wirksam mit Antibiotika heilen. Bis ins 20. Jahrhundert hinein jedoch standen die Mediziner der Tuberkulose hilflos gegenüber.

 Falsche Beschuldigungen

So kam es, dass nicht etwa die Medizin, sondern die Moral die Menschen vor der Tuberkulose bewahren sollte. «Die katholische Kirche beschuldigte damals kranke Menschen, dass sie zu viel Alkohol trinken oder zu viel Sex hatten», erklärt Pernet. Ähnlich wie bei Aids schoben die Sittenwächter einer Minderheit die Schuld in die Schuhe. «Aids galt lange als Schwulenkrankheit. Tuberkulose war früher für viele die Krankheit der Armen.» Dies stimmte keineswegs: Auch die Elite war im 20. Jahrhundert von Tuberkulose betroffen. Nicht zuletzt aus diesem Grund blieb die Krankheit oftmals im Verborgenen. «Wenn sich jemand ansteckte, behielt er es für sich», erläutert der Historiker.

Die Kirchen benutzten die Krankheit, um das Volk moralisch zu massregeln. «Den Armen muss man erziehen und nicht pflegen»–dies war laut dem Historiker die vorherrschende Meinung. Sogenannte «Besuchsschwestern» gingen in die Haushalte und schrieben den armen Leuten vor, wie sie diesen zu führen hatten. «Der Kampf gegen Tuberkulose war hauptsächlich ein erzieherisches Unternehmen: sehr moralisierend und sehr konservativ», sagt Pernet.

Stark betroffene Sensler

Viele Sensler waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Tuberkulose betroffen. Sie zogen häufig vom Land in die ebenfalls stark betroffene Freiburger Unterstadt. In der Au und im Neustadt-Quartier gab es zu Beginn des Jahrhunderts die meisten Fälle. «Die Unterstadt war eines der ärmsten Quartiere in der Stadt Freiburg. Aus diesem Grund war die Fallzahl dort so hoch», so Pernet. Im Kanton Freiburg handelten die Behörden später als in anderen Kantonen. «Es gab keinen Sozialstaat, deswegen war die Tuberkulose lange eine Sache der Kirche», erklärt der Historiker. «Bis in die 1930er-Jahre schwiegen die Leute und starben zu Hause.»

Mit der Gründung der Liga gegen die Tuberkulose im Jahr 1903 nahm sich erstmals einemoderne Institution der Krankheit an. Allerdings setzte auch sie vor allem auf Disziplinierung. «Sie schickte befallene Stadtkinder aufs Land. Dort mussten sie hart arbeiten, wodurch sich ihr Zustand meistens verschlechterte», sagt Pernet. Reiche Kinder kamen indessen in Sanatorien. «Da es kein Gegenmittel gab, versuchte es die Liga mit gesunder Bergluft, genügend Essen und Ruhe.» Dies sollte das Immunsystem stärken und den Patienten heilen. Tatsächlich ist ein starkes Immunsystem ausschlaggebend für die Heilung der Krankheit. Die Massnahmen der Tuberkulose-Liga trugen aber nach Ansicht des Historikers mehr zur Massregelung der Unterschicht als zur Heilung der Krankheit bei.

Allmählicher Rückgang

Ab den Fünfzigerjahren unterstützte der Staat den Kampf gegen die Tuberkulose. Zuvor stammte die Finanzierung der Liga gegen die Tuberkulose aus privaten Spenden In den Siebzigerjahren gab es immer weniger Fälle. Erfolgreiche Therapien und der steigende Wohlstand milderten die Folgen der Tuberkulose. Die Liga kümmerte sich von nun an um Krankheiten wie Asthma oder Lungenkrebs. Sie gab sich im Zuge dieser Entwicklung auch einen neuen Namen. Bis heute heisst sie Lungenliga.

«Wenn sich jemand mit der Krankheit ansteckte, behielt er es für sich.»

Pascal Pernet

Historiker

«Der Kampf gegen Tuberkulose war hauptsächlich ein erzieherisches Unternehmen.»

Pascal Pernet

Historiker

Tuberkulose: Die Fallzahl in der Schweiz hat im letzten Jahr leicht zugenommen

D ie Tuberkulose ist in den Industrieländern im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen. Das Bundesamt für Gesundheit veröffentlicht auf seiner Home page eine aktuelle Statistik. Aus dieser geht hervor, dass in der Schweiz rund 550 Menschen pro Jahr erkranken. Im Jahr 2013 verzeichnet die Statistik einen leichten Anstieg. Von 486 stiegen die Zahl um 65 Fälle auf 551 Erkrankungen. Die Zahlen in den vergangenen zehn Jahren sind stabil, insgesamt ist nur jeder Siebte von 100 000 betroffen. Die in der Schweiz erkrankten Menschen haben Tuberkulose meist in einer gut behandelbaren Form. Dennoch ist der Kampf gegen die Krankheit noch nicht gewonnen. «In Ländern, die stark von Aids betroffen sind, ist auch die Fallzahl an tuberkulös Erkrankten hoch», sagt Pascal Pernet. Der Historiker hat ein Buch über die Geschichte der Krankheit in Freiburg geschrieben (siehe Haupttext). Wohlstand sei eines der Hauptkampfmittel gegen die Tuberkulose. «Hygiene spielt eine wichtige Rolle», erklärt der Historiker. Helle Räume und gute sanitäre Anlagen würden die Fallzahl mindern. Medizinisch gesehen ist Tuberkulose eine bakterielle Erkrankung. Sie befällt bei 80 Prozent der Betroffenen die Lunge, kann aber auch an- dere Organe befallen. Die Ansteckung erfolgt meist über die Atemwege. Dies geschieht, wenn eine infizierte Person aushustet und eine andere Person die bakterienhaltigen Tröpfchen einatmet. Die Symptome bei einer Infizierung sind Fieber, Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, Nachtschweiss und Müdigkeit. Bleibt die Tuberkulose unbehandelt, so verläuft sie oftmals tödlich. Zu gehäuften Erkrankungen kommt es, wenn ein Erkrankter über längere Zeit in geschlossenen Räumen aushustet. Die Bakterien können über Jahre im Körper bleiben, ohne dass die Krankheit ausbricht. Die meisten Menschen, die mit den Bakterien in Berührung kommen, erkranken nicht. Das Bundesamt für Gesundheit spricht in seiner Statistik von zehn Prozent, bei denen die Krankheit tatsächlich ausbricht. Mit Antibiotika kann die Medizin Patienten meistens innerhalb von sechs Monaten heilen. Es besteht die Möglichkeit, sich gegen Tuberkulose zu impfen. Das Bundesamt für Gesundheit rät allerdings davon ab. Die Ansteckungsgefahr sei sehr klein. Wichtig sei eine frühe Erkennung, damit Ärzte die Krankheit frühzeitig behandeln können. sta

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