Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Tücken der fortschreitenden Zweisprachigkeit

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Gastkolumne

Autor: Boris Boller

Tücken der fortschreitenden Zweisprachigkeit

Wiederholt ist an dieser Stelle auf Vorteile, Risiken und Nebenwirkungen von unterschiedlichsten Formen der Zweisprachigkeit hingewiesen worden. Unerwähnt blieb bisher, dass der Aufenthalt in einem mindestens zweisprachigen Milieu, wie es die Stadt Freiburg nun mal ist, auf die Dauer zu nachhaltigen Kommunikationsschwierigkeiten mit Bewohnern fernerer deutschsprachiger Kantone führen kann. Man muss dabei nicht mal so weit gehen wie die Bolz aus der Unterstadt, welche scheinbar willkürlich Senslerdeutsch und Französisch durcheinander mischen und manche Zuhörer erstmal ratlos zurücklassen.

Die schleichende Gewöhnung an französische Begriffe und das – jedenfalls von einem selbst – unbemerkte Verdrängen von deutschen zugunsten frankophoner Worte lassen schnell vergessen, dass es hierzulande Gegenden gibt, wo diese Lehnworte auf blankes Unverständnis stossen. Was man aber oft erst dann merkt, wenn man mal wieder Kontakt mit alten Bekannten aufnimmt, die zum Beispiel weit östlich der Saane residieren. Bei diesen Gelegenheiten merkt man dann auch, dass sich dieses oder jenes französische Wort unvermittelt vor das einst geläufigere deutsche geschoben hat.

Auch eher unkomplizierte Gesprächsinhalte, wie etwa das Übermitteln eines Rezeptes für gefüllte Ente, können solche Tücken der umfassenden Sprachimmersion offenbaren, wie folgende, mit Einverständnis und Zusammenarbeit des Gesprächspartners vom östlichen Rand der Schweiz und einer weiteren – zunehmend amüsiert – zuhörenden Person rekonstruierte Ausschnitte eines Telefonats nahe legen können:

«Also danach schneidest Du diese Pilze in zwei Hälften, diese gelben da, eher kleine, es gibt aber auch grössere.»

«Kleine, aber auch grössere gelbe Pilze?»

«Ja, gelb, goldgelb, diese eh, Dings, Chanterelles.»

«Schantrel?»

«Ja, nein, eh, Eierpilze, also Schwämme, Eierschwämme. Genau: Eierschwämme!»

«Sag’s doch gleich, kannst du eigentlich noch Deutsch?»

«Doch, doch. Und die Hälfte davon schneidest Du noch kleiner für die Farce.

«?»

«Ja, eh, Füllung. Und nachdem Du die Ente mit dem Brät und den Pilzen gefüllt hast, kannst Du sie in der cassero …, also dem Schmortopf mit den eh, Chanterelles …»

«Den Eierschwämmen!»

«Genau, und den Zwiebeln zusammen anbraten. Ein paar Leute hier geben auch zu einer Ente noch diese poires à botzi, eh, Büschelibirnen dazu, wie sonst vor allem beim Bénichon.»

«Welche gebüschelten Birnen bei welchem Beni?»

«Mhn, nein, lass gut sein, die findest Du in der Ostschweiz ohnehin kaum, nimm einfach etwas Honig, den Du zusammen mit einem oder zwei Ballons Rotwein …»

«Füllt man bei euch den Wein in Ballone ab?»

«Nimm halt einfach ein Glas zu einem Deziliter. Eben, nimm Rotwein, nicht zu kalt …»

«Hey, auch hier im wilden Osten stellen wir den Rotwein nicht grundsätzlich in den Kühlschrank.»

«Das lässt doch hoffen. Eben, und dann lösch’ damit die Ente und die, eh, Chanterelles, also Eierschwämme, ab. Und dann lässt Du das Ganze so ein gutes Stündchen gedeckt vor sich hin mijotieren.»

«Mischo …? Du könntest mittlerweile wissen, dass mein Französisch ein oder zwei Lücken aufweist.»

«Ja, eh, köcheln, meinte ich. Zehn Minuten vor Ende geben einige Köche noch einen Schuss Cognac hinzu.»

«Das kenn ich!»

«Dein Französisch ist ja praktisch perfekt. Ja, und andere geben einen guten Löffel Crème-Double mit Persil vor dem Servieren drüber.»

«Waschmittel mit was für Creme, etwa zum Dessert?»

«Eh, nein, Peterli im Rahm. Aber vergiss den letzten Satz und nimm doch lieber Cognac, den gibts sicher überall.»

Boris Boller ist im Thurgau geboren, besuchte die Schulen in Bern und lebt heute in Freiburg. Er studierte und arbeitete an deutsch- und französischsprachigen Abteilungen der Universität und überquert zurzeit praktisch täglich die Sprachgrenze, um zur Arbeit zu fahren. Boris Boller ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen zur Mehrsprachigkeit bearbeitet. Der Inhalt braucht sich nicht zwingend mit der Meinung der Redaktion zu decken.

Meistgelesen

Mehr zum Thema