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Überraschender Verzicht auf Stromleitung

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Die Schweizerische Stromtransportgesellschaft Swissgrid verzichtet auf den Bau der Höchstspannungsleitung zwischen Galmiz und Yverdon. Dies gab Swissgrid in einer Mitteilung im Umfeld ihrer Jahresbilanz-Konferenz bekannt. Das Vorhaben «Boucle Sud» ist Jahrzehnte alt und Teil eines Doppelprojektes, das die Romandie über Mühleberg besser an die Deutschschweiz hätte anbinden sollen. Analysen hätten nun aber gezeigt, dass es die 380-Kilovolt-Verbindung nicht mehr brauche, erklärte Philippe Meuli, Abteilungsleiter Projektierung bei Swissgrid–zumindest nicht bis ins Jahr 2035. Zudem hätten sich durch den Verzicht auf ein Ersatzwerk für das AKW Mühleberg die Ansprüche an Transportkapazitäten entschärft. Die ebenfalls für das Projekt vorgesehene Weiterführung der 380-Kilovolt-Leitung in Richtung Frankreich sei schliesslich noch in weiter Ferne und stehe für die Schweiz auch nicht mehr im Vordergrund, so Meuli weiter. Der Entscheid habe auch ei- ne ökologische Komponen- te, meinte Swissgrid-Sprecher Andreas Schwander. Es sei heute riskant und aufwendig, eine Leitung durch eine Landschaft von nationaler Bedeutung ziehen zu wollen. Und schliesslich spielt natürlich auch das Geld eine Rolle: Durch den Verzicht auf die Leitungen spart Swissgrid auch Investitionskosten.

Kein Netz auf Vorrat

Im Jahr 2009, als die bis gestern geltende Planung aufgegleist wurde, sei man von anderen Szenarien ausgegangen, betonte Swissgrid in der Mitteilung. Der nun vorgelegte Bericht «Strategisches Netz 2025» passe sich an die energiepolitischen Voraussetzungen und die Strommarktentwicklung an. Am Schluss bleiben so noch 13 Projekte von ehemals 21 übrig. Diese werden für die Erhaltung der Versorgungssicherheit und für die Behebung von Engpässen gebaut. Acht Projekte, darunter auch die Fortsetzung der Galmizer Leitung von Mühleberg nach Wattenwil, werden gestrichen.

Lange Zeit hielt Swissgrid, welche 2005 aus der Auslagerung der Netzabteilungen der Schweizer Energieversorger entstanden ist, an den Projekten fest. Nun will sie die Konsequenzen evaluieren. Als Folge werden Transportkapazitäten von der Südlinie um den Murtensee auf die schon bestehende Nordlinie von Mathod (VD) nach Cornaux (NE) geleitet, konkretisiert Schwander. Diese Linie werde dafür modernisiert und ausgebaut. Damit müsse das Netz im Raum Murten–Freiburg und im Kanton Neuenburg neu gezeichnet werden. Das Unternehmen werde diese Neuentwicklung zusammen mit den Partnern Groupe E und Romande Energie planen.

«Verblüfft und glücklich»

Lea Egli, die Präsidentin des Vereins «Höchstspannungsleitung Yverdon–Galmiz in den Boden», wurde von der Meldung über den Verzicht auf das Projekt überrascht. «Wir haben nicht damit gerechnet. Ich war zuerst verblüfft, konnte es fast nicht glauben, doch nun verspüre ich eine Riesenfreude», sagte sie auf Anfrage. Aus ihrer Sicht sei der Schritt schon lange nötig gewesen, namentlich aufgrund der steigenden Bedeutung der erneuerbaren Energien. Sie könne nicht sagen, welchen Einfluss der Widerstand des Vereins auf den Entscheid gehabt habe, so Egli weiter: «Es zeigt sich aber, dass sich Engagement lohnt. Und dass es sinnvoll ist, die Bevölkerung in eine Planung miteinzubeziehen.» Allerdings müsse man die Situation weiter beobachten und vorsichtig sein, sagt sie, der Verein habe noch nicht ausgedient.

Staatsrat ist zufrieden

Der Staatsrat hatte sich vor drei Jahren im Sinne eines Projekts für die Verlegung der Leitung unter die Erde ausgesprochen, mindestens in besonders heiklen Bereichen. Für Energiedirektor Beat Vonlanthen ist der Entscheid nachvollziehbar. «Es lohnt sich nicht, Linien zu bauen, die nicht gebraucht werden», meine Vonlanthen. Der Verzicht befreie den Staatsrat von vielen Sorgen, war die Opposition gegen das Projekt in der Region doch sehr gross. Aber Vonlanthen mahnt auch: Es sei wichtig, dass die Westschweiz eine gute Anbindung zur Deutschschweiz erhalte, «sonst besteht die Gefahr eines Blackouts». Dabei sei zu berücksichtigen, dass Planungen und Verfahren lange dauern.

Chronologie

Grosse Widerstände gegen das Projekt

Ab 1974beginnt die Energie Ouest Suisse AG (EOS) mit dem Bau eines 380-Kilovolt-Höchstspannungsnetzes in der Westschweiz. Einsprachen und Verfahren verzögern die Umsetzung.

Bis 2007kann EOS die geplante Höchstspannungsleitung zwischen Verbois (GE) und Galmiz bis Yverdon realisieren. Gegen das noch fehlende letzte Teilstück von rund 50 Kilometern zwischen Yverdon und Galmiz erheben die Bürger von Villarepos und Misery-Courtion wegen gesundheitlicher Bedenken mehrmals Einsprache. ImHerbst 2007tritt Villarepos der Schweizerischen Vereinigung «Hochspannung unter den Boden bei». Die Opposition gegen das Projekt wird im Seebezirk nun immer stärker. Der Druck auf den Freiburger Staatsrat, der die Freileitung befürwortet, wächst. ImFrühling 2008gründen rund 120 Personen in Villarepos den Verein «Höchstspannungsleitung Yverdon-Galmiz in den Boden». Mit einer Unterschriftensammlung wollen diese den Bundesrat auffordern, eine unabhängige Prüfung von Alternativen zu einer Freileitung zu veranlassen. ImFrühling 2009werden aus dem Seebezirk 8000 Unterschriften gegen die Freileitung beim Bund eingereicht. Nachdem die nationale Netzgesellschaft Swissgrid angekündigt hat, Pilotprojekte für die Erdverlegung von Höchstspannungsleitungen zu lancieren, bittet der StaatsratEnde 2011das Bundesamt für Energie, die Strecke Yverdon–Galmiz zu einem Pilotprojek für Erdverlegung zu machen.mz

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