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Um eine harte Erfahrung reicher

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Insgesamt 9 Stunden und 20 Minuten benötigte der Bösinger Triathlet Luca Vogelsang am Samstag, um beim Ironman Hawaii 3,8 Kilometer zu schwimmen, 180 Kilometer mit dem Rad zurückzulegen und anschliessend noch einen Marathon über 42,195 Kilometer zu laufen. Damit klassierte sich der Sensler bei seiner Premiere auf Big Island in seiner Alterskategorie 25 bis 29 Jahre auf dem guten 29. Rang. In der Gesamtwertung erreichte er Platz 247.

Zwei Tage später konnten die FN mit Vogelsang am Telefon über seine Erfahrungen an der Triathlon-WM reden. Dabei erzählte der 27-Jährige, warum er auf Hawaii Schläge und Tritte kassiert hat, weshalb er Lavalandschaften nicht mehr ausstehen kann und warum er eine innere Leere verspürt.

Luca Vogelsang, wie fühlen Sie sich?

So wie es sein muss: Alles tut weh, und jeder einzelne Muskel ist verhärtet. Obwohl ich körperlich sehr erschöpft bin, bin emotional in einem Hoch. Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe. Gleichzeitig fühle ich aber auch eine gewisse Leere in mir. Ein halbes Jahr lang habe ich auf den Ironman Hawaii hingearbeitet, habe quasi mein ganzes Leben danach ausgerichtet, und jetzt ist dieser eine grosse Moment vorbei. Da kommt fast etwas Wehmut auf.

Ist die Ambiance in Hawaii so speziell, wie immer gesagt wird?

Ich hatte bereits bei meiner Ankunft auf Big Island eine Woche vor dem Rennen gemerkt, dass hier ein ganz spezieller Spirit herrscht. Kona, wo Start und Ziel des Ironmans sind, war tagelang im Ausnahmezustand. Die Einheimischen waren alle sehr freundlich und zuvorkommend. Ich wurde überall angesprochen und bekam von allen Seiten Glückwünsche für das Rennen. Am Samstag selbst warteten schon frühmorgens Tausende Leute die Zuschauerplätze am Pier und am Strand entlang. Und im Ziel wurde jeder einzelne Athlet gefeiert, als ob er der Sieger wäre.

Eine Besonderheit beim Ironman Hawaii ist der Wasserstart. Wie haben Sie den erlebt?

Alle Athleten waren bereits vor dem Start etwa 100 Meter weit im Wasser draussen an der Startlinie. Da war es ziemlich eng, und weil man dort nicht mehr stehen konnte, haben alle auf der Stelle gepaddelt und versucht, nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Nach dem Knall der Startkanone wurde es richtig hektisch. Wenn über 1500 Athleten gleichzeitig auf so engem Raum loswühlen und den kürzesten Weg zur Boje anschlagen, lässt sich unfreiwilliger Körperkontakt nicht vermeiden. Ich musste zahlreiche Schläge und Tritte einstecken. Phasenweise glich das Ganze einer Massenschlägerei (lacht).

Das kennt man allerdings auch von anderen Triathlon-Wettkämpfen …

Das stimmt, wobei sich bei einem normalen Triathlon das Feld bald einmal entzerrt und es Platz gibt zum Schwimmen. Beim Ironman Hawaii gehen viel mehr Teilnehmer an den Start, und die Leistungsdichte ist viel grösser. Am Samstag waren über 100 Athleten im Wasser, die alle im gleichen Tempo schwammen wie ich. So bin ich auf den ganzen 3,8 Kilometern nie richtig aus dem Pulk herausgekommen. Es war unmöglich, meinen Rhythmus durchzuziehen, entweder musste ich bremsen oder Gas geben. Das Schwimmen war ein einstündiger Kampf.

Sie brauchten 1:06 Stunden für die Schwimmstrecke. Sind Sie damit zufrieden?

Mir war klar, dass ich nicht so schnell sein würde wie sonst. Beim Ironman Hawaii sind Neoprenanzüge nicht erlaubt, weil die Wassertemperatur in der Kailua Bay deutlich über dem Limit von 24 Grad liegt. Ohne Neoprenanzug hat man im Wasser weniger Auftrieb und mehr Widerstand, entsprechend ist man etwas langsamer. Erschwerend kamen im Ozean die Wellen hinzu, und ich musste beim Atmen aufpassen, kein Salzwasser zu schlucken. Angesichts all dieser Faktoren bin ich mit meiner Zeit zufrieden.

Wie klappte der anschliessende Wechsel aufs Rad?

Es gab viele Athleten, die losgefahren sind, als gäbe es kein Morgen mehr. Wenn man die anderen davonziehen sieht, ist die Versuchung gross, ihnen nacheilen zu wollen. Ich wusste aber, dass ich ruhig bleiben und meiner Pace folgen muss. Man kann auf Hawaii nicht das gleiche Tempo einschlagen wie zu Hause, das rächt sich früher oder später. Ich habe denn auch später nach dem Wendepunkt viele der Fahrer, die wie eine Rakete abgingen, wieder überholt (lacht).

Wie haben Sie die berüchtigten Mumuku-Winde erlebt?

Die sind zum Glück beinahe ausgeblieben, ich war weder starkem Gegenwind noch den tückischen Seitenwinden ausgesetzt. Mir haben einige gesagt, dass wir dieses Jahr mit dem Wind Glück gehabt haben. Die Bedingungen beim Radfahren waren gut. Das hat sicherlich viel dazu beigetragen, dass in diesem Jahr auf Hawaii die Streckenrekorde gepurzelt sind. Nicht nur die Profi-Sieger Patrick Lange und Daniela Ryf haben eine neue Bestzeit aufgestellt, auch in den Altersklassen wurde insgesamt 16 Mal ein bestehender Rekord unterboten.

Sie waren 4:55 Stunden mit dem Rad unterwegs. Da hat man viel Zeit zum Studieren. Was ging Ihnen alles durch den Kopf?

180 Kilometer durch endlos schwarze Lavalandschaften können tatsächlich ganz schön eintönig sein. Aber man hat gar nicht so viel Zeit, um in Gedanken zu schwelgen oder im Geiste die nächsten Ferien zu planen. Während des Rennens muss man konzentriert sein, auf die richtige Fahr- oder Lauftechnik achten, die eigenen Leistungswerte überprüfen, sich motivieren. Auf dem Rad musste ich schauen, dass ich viel trinke und ausreichend Nahrung zu mir nehme. Wegen des Fahrtwindes hat man die Hitze nicht so gespürt. Diese darf man aber nicht unterschätzen. Ich habe mich immer wieder mit eiskaltem Wasser überschüttet, um mich abzukühlen. Gegen Ende der Radstrecke habe ich mich dann etwas rausgenommen, weil ich wusste, dass meine stärkste Disziplin noch kommt und ich beim Laufen Rückstand wettmachen kann. Das war eine weise Entscheidung.

Inwiefern?

Der anschliessende Marathon war die Hölle, und ich war froh um jedes bisschen Energie, das ich vorher auf dem Rad gespart hatte. In der Regel wird am Nachmittag in Kona der Himmel etwas bedeckt. Die Wolken kommen vom Vulkan herab und spenden etwas Schatten. Doch am Samstag war da nichts. Drei Stunden lief ich an der prallen Hitze. Da habe ich gelitten wie noch nie.

Kamen Sie an den Punkt, an dem Sie ans Aufgeben dachten?

Es wäre ein Leichtes gewesen, zu sagen, ich gebe auf. Die Versuchung war gross. Zu den körperlichen Strapazen kam nämlich auch noch die mentalen dazu. Die Laufstrecke steigt immer etwas an, und man sieht kilometerweit nur eine gerade, schwarze Asphaltstrasse, die in der Hitze flimmert. Man quält sich Schritt um Schritt vorwärts und hat dennoch das Gefühl, nicht vom Fleck zu kommen. Zudem läuft man einsam in der Einöde, ohne Zuschauer am Streckenrand, die einem etwas anfeuern und motivieren. Dennoch war Aufgeben nie eine Option. Ich war schon so weit gekommen, ich wollte das Rennen zu Ende bringen.

Konnten Sie den Zieleinlauf nach 9:20 Stunden geniessen?

Die letzten zwei Kilometer waren wie ein Triumphlauf. Es standen extrem viele Zuschauer da, die einem zujubelten und einen richtiggehend ins Ziel trugen. Da vergass ich sogar meine malträtierte Muskulatur. Und als ich dann nach dem Zieleinlauf die Worte «You are an Ironman» hörte, war das schon echtes Gänsehautfeeling.

Das hört sich ganz so an, als wären Sie einer zweite Ironman-Hawaii-Teilnahme nicht abgeneigt?

Am liebsten würde ich nächste Woche gleich wieder starten, um das Ganze noch einmal geniessen zu können (lacht). Aber mein Körper braucht jetzt erstmals Ruhe. Im Gegensatz zu anderen Jahren habe ich nie richtig runterfahren können. Nach der Vorbereitung auf den Ironman UK, wo ich im Juli die Qualifikation für Hawaii geschafft hatte, ging es gleich mit der Vorbereitung für die WM weiter. Ich bemerke schon eine gewisse Müdigkeit, vor allem mental.

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, nächstes Jahr keine Langdistanz-Triathlons zu machen. Aber wer weiss? Ich gönne mir jetzt erst mal die Ruhe und dann überlege ich, was ich mir für Ziele setzten will.

«Man quält sich Schritt um Schritt vorwärts und hat dennoch das Gefühl, nicht vom Fleck zu kommen.»

«Phasenweise glich das Ganze einer Massenschlägerei im Wasser.»

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