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Umstrittene Vorgaben für die Gämsjagd

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In einem Punkt sind sich die Freiburger Jäger und das kantonale Amt für Wald, Wild und Fischerei einig: Die Gämsjagd ist eine schöne und traditionsreiche Jagd. Wie sie in Zukunft aussehen soll, darüber gehen die Meinungen aber auseinander. Weil die Gämspopulation in der Schweiz seit Jahren abnimmt, soll die Gämsjagd reguliert werden (siehe Kästen). Bund, Kantone und der Dachverband der Schweizer Jägerschaft wollen die Abschüsse der Gämsen vermehrt kontrollieren und damit eine Erholung des Bestandes erreichen. Das Freiburger Amt für Wald, Wild und Fischerei sieht konkret eine Einführung von Kontingenten vor, wie Vorsteher Dominique Schaller den FN erklärt. Bisher war die Gämsjagd nicht beschränkt. Jeweils im Frühling findet eine Zählung der Tiere statt. In Zukunft sollen nur noch 10 bis 20 Prozent der gezählten Gämsen im Jagdgebiet erlegt werden können. Das ergibt eine Reduktion um rund die Hälfte verglichen mit der Anzahl der bisher geschossenen Tiere.

Amt will ausgewogene Struktur

Eine weitere geplante Neuerung stösst in Freiburger Jagdkreisen auf Widerstand: Das Amt strebt eine ausgeglichene Gämspopulation an und will die Tiere zu je einem Drittel an Männchen, Weibchen und Jungen zum Abschuss freigeben. Bisher sind laut Schaller jeweils zu viele Böcke erlegt worden. Pascal Pittet, Präsident des kantonalen Jägerverbandes, gefällt diese Verteilung nicht. «In diesem Punkt sind wir uns nicht einig», sagt er. Es sei nicht sinnvoll, Muttertiere zu schiessen, wenn das Ziel das Wachstum der Population sei. Dies sieht auch Anton Brügger, Präsident des Jagdvereins Diana Sense-Oberland, so. «Dann fehlt uns der Nachwuchs.» Der Widerstand gegen den stärkeren Druck auf den Abschuss der Weibchen war auch am Informationsabend des Jagdvereins Diana Greyerz vor einer Woche in Broc gross, wie die Zeitung «La Gruyère» berichtete.

In den Vorgaben des Bundes zur Jagdplanung heisst es, eine gezielte Schonung der weiblichen Klasse sei zwar sinnvoll, wenn das Ziel die Anhebung der Bestände sei. Dennoch sollte das Geschlechterverhältnis im Abschuss nicht stark von 1:1 abweichen. «Für eine natürliche Sozialstruktur im Bestand und um den Druck auf die mittelalten Böcke nicht noch weiter zu erhöhen», schreibt das Bundesamt für Umwelt. Der Jungtieranteil sollte 25 Prozent oder mehr betragen. Weil Jungtiere in einer Population die geringsten Überlebenschancen hätten, sei es wichtig, bei ihnen einzugreifen, auch wenn das Ziel die Anhebung der Bestände sei.

Jäger wollen Luchse umsiedeln

Wie bei der Hirschjagd will das Amt für Wald, Wild und Fischerei die Gämsjagd in drei Voralpen-Regionen einteilen. Die Zahlen der Gämszählung im Frühling sollen auf die Regionen heruntergebrochen werden. Die aktuellen Zahlen liegen noch nicht vor.

Ein weiterer Streitpunkt ist der Luchs. Die Jäger fordern eine Regulierung des Luchses, da er zu vielen Gämsen nachstelle. «Wir sind nicht per se gegen den Luchs, aber im Kanton Freiburg hat es zu viele davon», sagt Pascal Pittet. In Zahlen ausgerückt seien dies 2,08 Luchse pro 100 Quadratkilometer. Die Jäger fordern die Umsiedlung einiger Luchse. Dafür sieht Amtsvorsteher Dominique Schaller zurzeit keine Notwendigkeit. Er will die Tür aber nicht verschliessen. «Wir müssen und werden dies mit den Kantonen Bern und Waadt und mit dem Bund besprechen.»

Die Verhandlungen in der Arbeitsgruppe aus Jägern und Kantonsvertretern gehen nächste Woche weiter. Im Juni werden die Resultate der Jagdkommission, die Staatsrätin Marie Garnier präsidiert, vorgelegt. Pascal Pittet glaubt trotz vieler kritischer Stimmen aus der Jägerschaft an einen Kompromiss. Auch Dominique Schaller hofft auf eine einvernehmliche Lösung. Ist dies nicht der Fall, wird Marie Garnier zwei Vorschläge auf ihrem Tisch vorfinden.

Zahlen und Fakten

In einem Jahr elf Prozent weniger

Im Frühling 2016 zählte der Kanton Freiburg 1878 Gämsen; das sind 11 Prozent weniger als 2015. Zwischen 2001 und 2016 war die Anzahl Gämsen nie unter 2000 gefallen, wie Dominique Schaller, Vorsteher des Amts für Wald, Wild und Fischerei, auf Anfrage erklärt. Jeweils 30 Prozent der Gämsen wurden im für die Jagd festgelegten Gebiet erlegt. In Zukunft sollen es nur noch 10 bis 20 Prozent sein. Der Rückgang der Gämszahl betrifft nicht nur den Kanton Freiburg, er ist in der ganzen Schweiz und auch in anderen Alpenländern zu beobachten. Wie in Freiburg leben in gewissen Regionen der Schweiz so wenige Gämsen wie noch nie seit der Jahrtausendwende. Im Jahr 2005 tummelten sich noch über 97 000 Tiere im Alpenbogen. Zehn Jahre später schätzt der Bund die Population noch auf rund 91 000 Exemplare.

ak/sda

Ursachen

Falsche Bejagung ist nicht einziger Grund

Die Gründe für den Rückgang der Gämspopulation sind vielfältig. Reinhard Schnidrig, Sektionschef Wildtiere und Waldbiodiversität beim Bundesamt für Umwelt, spricht auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA von einem «Ursachenmix». Gämsen seien etwa durch die Zunahme von Freizeitaktivitäten und die sich intensivierende Alpbewirtschaftung in ihrem Lebensraum eingeschränkt. Insbesondere im Winter fehle es ihnen an Ruhe in den Einständen. Viele Jungtiere überlebten im hochalpinen Winter nicht, weil sie zu wenig Futter fänden. Ausserdem mache die Konkurrenz mit Rothirsch und Steinwild sowie die Rückkehr der Grossraubtiere den Gämsen zu schaffen. «Vor allem Luchse stellen den Gämsen nach.» Nicht zuletzt könnten Seuchen wie Gämsblindheit, Räude und andere Erkrankungen für hohe Todesraten mitverantwortlich sein.

Fehler bei der Jagdplanung

Einer der wichtigen Faktoren für die schwierige Situation der Gämsen ist laut Schnidrig die unausgewogene Alters- und Sozialstruktur der Gämsen. Ursache hierfür seien eine unzureichende Jagdplanung und eine falsche Bejagung. «Der Jagddruck hat sich sicherlich erhöht», so Schnidrig. Viele Regionen in der Schweiz zahlten heute wohl den Preis für eine zu intensive Jagd.

Die Schweizer Jäger sind bereit, einen Teil der Verantwortung zu tragen und die Herausforderungen anzunehmen. Sie haben sich in einem Positionspapier vom Dezember 2016 verpflichtet, die Jagd auf die Gämsen «nachhaltiger» und «verantwortungsvoller» zu gestalten, um den Rückgang der Gämsbestände zu stoppen. Das gemeinsame Dokument von JagdSchweiz und der heutigen Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft ist das Ergebnis einer Tagung im Jahr 2015, bei welcher die kantonalen Jagdverwaltungen, die Jäger sowie Politiker über Lösungen für die rückläufige Gämspopulation diskutierten. Ihr Fazit: Eine fundierte Jagdplanung mit jährlich flexiblen Abschusszahlen sowie eine Sensibilisierung der Jägerschaft ist vonnöten. JagdSchweiz und die Jagdverwaltungen intensivieren zu diesem Zweck die Öffentlichkeitsarbeit.

Trotz Kodex und angestrebter Massnahmen dürfte es lange dauern, bis die Gämsbestände in der Schweiz wieder gesund sind. «Geduld und langer Atem sind gefragt», heisst es im Positionspapier.

sda

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