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Umstrittener Neubau in der Unterstadt

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Umstrittener Neubau in der Unterstadt

Institutionen des Kulturgüterschutzes lehnen auch das revidierte Bauprojekt für das Gaswerk-Areal ab

Die Auseinandersetzung um das Bauprojekt der Stadt Freiburg auf dem Areal des ehemaligen Gaswerks geht in die nächste Runde. Auch die redimensionierte Version vermag nationale und kantonale Institutionen des Kulturgüterschutzes nicht zu überzeugen.

Von CAROLE SCHNEUWLY

In der unendlichen Geschichte der geplanten Überbauung auf dem ehemaligen Gaswerk-Areal auf der Unteren Matte wird in diesen Tagen ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die zuständigen Ämter und Organisationen formulieren ihre Stellungnahmen zu der überarbeiteten, abgespeckten Version des Projektes «Sarine à la Plancha».

Die neue Variante sieht gegenüber den ursprünglichen Plänen einen um ein Stockwerk und 14 Wohnungen (von 39 auf 25) reduzierten Wohnbau vor. Für Kulturgüter-Verantwortliche und Denkmalpfleger gehen diese Anpassungen aber nicht weit genug. Dies geht aus einem Brief hervor, den die Landesgruppe Schweiz des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos) gestern Dienstag an den Freiburger Baudirektor Claude Masset schickte. In die gleiche Richtung gehen erste Verlautbarungen seitens der kantonalen Kulturgüter-Kommission.

Synthese von Natur und Architektur

Die Icomos-Gruppe Schweiz führt in ihrem Schreiben sowohl denkmalpflegerische als auch archäologische und landschaftliche Bedenken gegenüber dem Bauvorhaben in seiner gegenwärtigen Form an. Der besondere Reiz der Freiburger Unterstadt sei nicht zuletzt der Auen- und Flusstopografie zu verdanken, welche das Stadtbild bis heute entscheidend präge. Wie in kaum einer anderen mittelalterlichen Stadt sei die Synthese von Natur und Architektur in Freiburg immer noch deutlich erkennbar.

«Eine Überbauung auf der Unteren Matte müsse sich in dieses von Naturlücken geprägte Gesamtbild einfügen», präzisierte Daniel Gutscher, Präsident von Icomos Schweiz, auf Anfrage. Das jetzige Projekt sei auch in seiner neuen Form zu verdichtet und zu erdrückend. Die vorgesehenen Flachdächer würden das Gesamtbild des betroffenen Quartiers empfindlich stören, heisst es in dem Brief von Icomos weiter. Ausserdem sei das für den Neubau mit Tiefgarage vorgesehene Terrain eine archäologische Zone von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Nicht grundsätzlich gegen Überbauung

Eine Kopie des Schreibens an den Gemeinderat ging nicht nur an die Freiburger Medien, sondern auch an Denkmalpflege und Heimatschutz, die sich bereits zur ersten Auflage des Bauprojekts negativ geäussert hatten. Erst am vergangenen Donnerstag ist die kantonale Kulturgüter-Kommission erneut zusammengekommen, um sich mit der neuen Version zu befassen. Wie Claude Castella, Kommissionssekretär und Chef des Amtes für Kulturgüter, gestern gegenüber den FN bestätigte, ist auch das neue Gutachten negativ ausgefallen. Die Änderungen im Projekt reichten nicht aus, um die Vorbehalte der Kommission auszuräumen, wie sie im ersten Gutachten vom April 2002 formuliert worden seien. Dennoch gestand Castella ein, dass die neue Variante durchaus Verbesserungen aufweise. Auch habe sich seine Kommission nie grundsätzlich gegen eine Überbauung des Gaswerk-Areals ausgesprochen. In Frage gestellt werde lediglich der moderne Charakter des geplanten Flachdach-Baus, der nicht in die Freiburger Unterstadt passe.

Welche Art von Überbauung für die Kommission akzeptabel wäre, wollte Castella zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht sagen. «Dies ist Gegenstand unseres Gutachtens, das derzeit von den Kommissionsmitgliedern beraten wird. Am 18. September werden wir das Gutachten den zuständigen Gemeindebehörden zustellen. Bis dahin kann ich nicht über Details sprechen», so der Sekretär.

Der Stadtarchitekt bleibt gelassen

Stadtarchitekt Jean-Marc Schaller will sich seinerseits vorerst nicht aus der Ruhe bringen lassen: «Auch wenn sich einige Institutionen negativ zu dem Bauvorhaben äussern, bestreitet doch niemand, dass das fragliche Gebiet Bauzone ist.» Eine Stadt müsse sich raumplanerisch weiterentwickeln. Deshalb vertrete er die Meinung, dass man in der eingeschlagenen Richtung weitermachen sollte.

Dennoch räumte Schaller ein, dass noch viel Erklärungsbedarf bestehe. Viele Opponenten wüssten gar nicht genau, worum es gehe und hätten Vorurteile, die es auszuräumen gelte. «Ich bin mir bewusst, dass wir es an diesem Standort mit heiklen Fragen zu tun bekommen. Dennoch bleibe ich optimistisch, dass wir das Projekt zu einem guten Ende führen können.»

Entscheide lassen
auf sich warten

Ob der Stadtarchitekt mit seinem Optimismus Recht behalten wird, wird die Zeit weisen. Bevor weitere Entscheide getroffen werden können, müssen zuerst die Stellungnahmen sämtlicher zuständigen Stellen abgewartet werden, darunter die des eidgenössischen Kulturgüter- und Heimatschutzes.

Das letzte Kapitel dieser Baugeschichte, die vor über 20 Jahren mit einem Antrag im Generalrat begann und in jüngerer Zeit mit einer umstrittenen Fotomontage (April 2002), einer Unterschriftensammlung (Juni 2002) und einer Postkartenaktion unter Einbezug von Icomos und Unesco (August 2003) teilweise seltsame Blüten trieb, ist jedenfalls längst noch nicht geschrieben.

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