Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Und das Ei wanderte vom Stall in die Pfanne

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Aufgeregtes Kindergeschrei an einem milden Herbsttag. Nach dem Begrüssungslied verabschieden sich die Kinder von ihren Eltern und springen ums Haus zum Hühnerstall. «Sie freuen sich auf die Tiere, deshalb fällt ihnen die Trennung nicht so schwer», weiss Yvonne Zbinden. Zusammen mit ihrer Kollegin Monika Hostettler führt sie auf dem Hof von Hostettlers Familie in Rüschegg seit 2012 eine Bauernhof-Spielgruppe.

Spielgruppenkatze Jenny schmust sich durch die Runde, kriegt von den drei- bis fünfjährigen Kindern ihre Streicheleinheiten, es beginnt die «Tierlirunde». «Die Kinder begrüssen die Hühner und füttern sie mit Körnern.» Ein Blick ins Hühnerhaus: «Ein Ei!» Vorsichtig wird das noch warme Ei von einer Kinderhand zur anderen gereicht. Auf der Tierlirunde gibt es Geissen, Hasen, Schweine und zwei Ponys zu begucken, zu streicheln oder zu füttern. Und natürlich gibt es zu jedem Tier das passende Lied oder ein Buch. Die Kinder erleben fast hautnah mit, wie die Ferkel auf die Welt kommen, gesäugt und grösser werden und irgendwann selbst Junge kriegen.

Kopfsalat und Spiegelei

Auf die Idee, eine Bauernhofspielgruppe zu eröffnen, brachte sie eine Mutter, sagt Monika Hostettler. Sie fragte ihre frühere Schulkollegin Yvonne Zbinden, und sie starteten ins gemeinsame Abenteuer. Beide haben nach der Grundausbildung den Kurs zur Waldspielgruppenleiterin absolviert. Sie haben an zwei Morgen pro Woche zehn Kinder auf dem Hof. «Mehr als zehn nehmen wir nicht, so haben wir für alle Kinder Zeit, und es gibt ein schönes Miteinander», so Hostettler.

Zu Beginn wollten sie den Ablauf der Spielgruppe so weit wie möglich planen. «Doch davon sind wir rasch abgekommen», sagt Zbinden. Das Leben auf dem Bauernhof sei unplanbar: «Wenn Äpfel am Boden liegen, sammeln wir diese auf und verfüttern sie den Schweinen.» Es wird auch gekocht auf dem Spielgruppen-Bauernhof. In einem kleinen Holzofen bereiten sie mal Kürbissuppe, mal Spaghetti zu. Oder Eier aus dem Hühnerstall, die kurzerhand mit einem Kopfsalat aus dem Garten als Znüni serviert werden. Und einmal seien sie einfach eine halbe Stunde fast regungslos unter dem Apfelbaum gelegen, so Zbinden.

Die Kuh, die keine ist

Spielerisch lernen die Kinder, mit Sachen aus dem Alltag und Geräten umzugehen. Sie schnipseln zwar nicht wie in einer Innenspielgruppe mit Papier herum, aber mit einer Schere lässt sich auch Gras für die Hasen schneiden. Es sei erstaunlich, was Kinder mit ganz banalen Maiskörnern alles machen könnten, so Zbinden: «Mal werden sie im Spiel gekocht, mal den Holzkühen gefüttert.» Das Putzen dauere danach einfach etwas länger.

Auf der Tierlirunde lernen die Kinder den Umgang mit den Tieren. Die Mädchen frisieren das Pony, während die Knaben gerne misten. Mit Sorgfalt und Feingefühl wird das drei Wochen alte Zwerggeissli gestreichelt. Ruhig beobachten die Kinder die Mutterkuh mit ihrem Kalb. «Wir erklären ihnen, wie gefährlich eine Mutterkuh sein kann, wenn sie sich bedroht fühlt.» Beim Beobachten der Kühe habe ein Mädchen gesagt: «Du da het ä Chueh Eier!» Danach sei ihnen klar geworden, dass dies der Papa einiger Kälblein sei. «Es macht unheimlich Spass», sagt Zbinden, «wir lieben die direkte und ehrliche Art der Kinder.»Die Tiere seien Kinder gewohnt und nähmen deren Neugier und Begeisterung mit viel Gemütsruhe auf. «Hier lassen sich sogar die Hühner streicheln», weiss Zbinden. Und Kinder könnten «gspürig» sein im Umgang mit Türen.

Ein Tee im Bäbihaus

Bei schlechtem Wetter und vor allem im Winter ziehen sie sich in den Innenbereich im umgebauten Hühnerhaus zurück. «Wir spielen mit dem, was wir haben und bekommen. Das reicht auch. Neues braucht es nicht», sagt Zbinden. Wenn der Raum auch nicht überladen ist mit Spielsachen, hat es alles, was das Kinderherz begehrt, unter anderem ein grosses Bäbihaus, in dem neben einigen Kindern auch Erwachsene Platz haben. «Das Bäbihaus wird im Winter zu einem beheizten Znüni-Raum umgewandelt», sagt Zbinden. An kalten Wintertagen, wenn sich die Kinder zur Genüge draussen im Schnee gewälzt haben, sei es ein willkommener Unterschlupf für einen wärmenden Tee.

Unbeschränkter Lärm

Wenn der Winter so richtig einbricht und die Eltern es nicht mit dem Auto bis zum Hof schaffen, müssen die Spielgruppenleiterinnen improvisieren. Sie stapfen durch den Schnee hinauf zur Strasse und rutschen mit den Kindern auf einem Kehrichtsack bis zum Nächstried-Hof herunter. Sie sei selbst auf einem Hof aufgewachsen und habe viele Freiheiten gehabt, erinnert sich Yvonne Zbinden. Nun wohne sie mit ihrer Familie in einem Einfamilienhaus in einem Quartier. Auf dem Land könne man schreien und johlen, wie man wolle. Im Wohnquartier sei das heute nicht mehr möglich. Die Eltern seien verantwortlich für das Programm. Auf einem Bauernhof gebe es so viele Spielmöglichkeiten und sinnvolle kleine Ämter zu übernehmen. «Ich finde es wichtig, dass Kinder in diesem Alter noch Kinder sein dürfen und trotzdem erste Erfahrungen in der Gruppe sammeln können», so Hostettler.

Auch auf der Seite der Eltern merken sie einen Unterschied zu den Spielgruppen in den Dörfern und Städten. «Die Eltern machen so toll mit und sind unkompliziert. Sie nehmen es auch mal cool, wenn die Kinder dreckig sind.» Was selbstredend häufig geschehe. Sie schätzten das offene Gespräch. Am Anfang des Spielgruppenjahres laden sie die Eltern ein. Dabei erhalten die Mütter und Väter am Elternabend einen Bastelauftrag. «Mit viel Liebe und Gelächter werden süsse Geburtstagsgeschenke für ihre Kinder gefertigt.»

Am Ende des Morgens seien die Kinder todmüde und bereit für den Mittagsschlaf. Sie schafften es kaum noch, etwas zu Mittag zu essen, weiss Zbinden. Und sie schliefen zu Hause friedlich ein.

«Die Kinder freuen sich auf die Tiere, deshalb fällt ihnen die Trennung nicht so schwer.»

Yvonne Zbinden

Bauernhof-Spielgruppenleiterin

Zahlen und Fakten

Kinderbetreuung auf dem Bauernhof

Die Spielgruppenleiterinnen Monika Hostettler und Yvonne Zbinden haben 2012 auf dem Hof von Hostettlers Schwester die Bauernhofspielgruppe Schlaufüchsler in Rüschegg gegründet. Zbinden wohnt in Riggisberg, wo sie auch das Muki-Turnen leitet. Monika Hostettler wohnt in der Nähe des Bauernhofes. Zurzeit haben sie zwei Gruppen zu zehn Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren, jeweils montags und mittwochs. Die Schlaufüchsler sind Teil des Netzwerkes IG Bauernhofspielgruppe, an dem rund 30 Anbieter aus 13 Deutschschweizer Kantonen angeschlossen sind. Die meisten Spielgruppen werden gemäss Leitbild privat geführt und dienen als Nebenerwerb zur Landwirtschaft. Das Netzwerk organisiert Fachtagungen und vermittelt Angebote an interessierte Eltern.fca

Mehr zum Thema