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«Unfälle zu verhindern hat Priorität»

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 René Fasel, Sie sind seit 19 Jahren Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF). Der Belgier Paul Loicq war mit 25 Jahren bisher am längsten Präsident. Wollen Sie einen Rekord aufstellen?

Nein, das ist nicht mein Ziel. Ich bin für die Amtsperiode gewählt, die 2016 abläuft. Dann werde ich 66 Jahre alt sein. Ob ich nochmals kandidiere, kann ich heute noch nicht sagen. Früher habe ich mich immer über die alten Funktionäre aufgeregt, die nicht loslassen konnten.

 

 Die IIHF ist für die Regeln verantwortlich. Sind Änderungen in Sicht?

 Wir diskutieren viel über den Schutz der Spieler, wie beispielsweise die Wiedereinführung des «Red-Line-Offside». Das heisst, ein Pass über zwei Linien in der Mittelzone wäre nicht mehr möglich.

 

 Diese Regel wurde doch einst abgeschafft, um die Attraktivität des Spiels zu steigern?

 Ja, das ist so. Aber die Spieler kommen mit grosser Geschwindigkeit durch die Zone. Das erhöht die Verletzungsgefahr enorm.

 

 Was sagen die Spieler dazu?

 Wir sind in engem Kontakt mit den Spielern. Es ist sicher nicht so, dass der Fasel in seinem Elfenbeinturm solche Entscheide fällt. So wird jetzt auch diskutiert, weichere Schutzausrüstungen einzuführen. Heute sind diese im Schulterbereich hart wie Holz. Dieser Impuls ist aus Spielerkreisen gekommen.

 

 Seit dem Unfall des Oltener Spielers Ronny Keller, der nach einem Check paralysiert war, hört man öfter den Ruf nach strengeren Regeln und Strafen.

 Solche Unfälle zu verhindern hat auch für uns oberste Priorität. Wichtig sind der Schutz der Spieler, ihre Ausbildung und der gegenseitige Respekt.

 

 Am Freitag beginnt die Weltmeisterschaft in Schweden und Finnland. Letztes Jahr war sie in Finnland und Schweden …

Dieses «Back-to-back»-Modell hat keine Zukunft. Hingegen kann es sinnvoll sein, dass sich zwei Veranstalter zusammenschliessen. So bewerben sich zum Beispiel Deutschland und Frankreich für die WM 2017, ebenso wie Lettland und Dänemark. Das wären sicher attraktive Turniere.

 

 Im letzten Jahr sind die Veranstalter wegen der hohen Ticketpreise kritisiert worden. Haben Sie darauf Einfluss?

 Wir haben darauf gedrängt, dass die Preise gesenkt werden. In der Regel kennen die Veranstalter ihre Märkte besser als wir. Aber das hat letztes Jahr nicht gut geklappt. In der Vorrunde blieben die Stadien ziemlich leer.

 

 Der Modus mit der jährlich stattfindenden Weltmeisterschaft kommt nicht immer gut an. Gibt es Bestrebungen, beispielsweise nur noch alle zwei Jahre eine WM durchzuführen?

 Nein, das ändert sich sicher nicht mit mir als Präsident. Unsere Situation ist anders als im Fussball mit Champions League, Welt- und Europameisterschaften. Die WM ist unser einziges Grossereignis, abgesehen von den Olympischen Spielen.

 

 Wie schätzen Sie das Niveau an den Weltmeisterschaften ein? Früher haben sich Stars nach derlangen Saisonselten für die WMinteressiert.

 Ich denke, die Entstehung der russischen KHL hat dazu beigetragen, dass das Niveau gestiegen ist. Viele grosse Spieler sind in Russland aktiv und sind eher bereit, an die WM zu kommen, als wenn sie aus Nordamerika einfliegen müssten.

 

 Begrüssen Sie die Entwicklung im Osten?

 Sehr. Es ist gut möglich, dass da eine Europa-Liga heranwächst. Diese Entwicklung kommt ja bereits mit Teams in Lettland, Tschechien, Weissrussland, Kasachstan oder der Slowakei.

 

 Stichwort Olympische Spiele: Pausiert die nordamerikanische Liga NHL für Sotchi 2014?

 Das ist bis jetzt noch nicht geklärt, aber ich bin guter Dinge. Ich denke, Gary Bettman (der Commissioner der NHL, Anm. d. Red.) will diese Herausforderung. Immerhin finden die Spiele im Land der KHL, der stärksten Konkurrenzliga, statt.

 

 Über welche Eigenschaften muss ein IIHF-Präsident verfügen?

 Er muss in erster Linie Freude am Reisen haben. Darauf hat mich schon Juan Antonio Samaranch, der frühere Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, vorbereitet. Die Leute schätzen es aber auch ungemein, wenn der Präsident vorbeikommt.

 

 Welches ist der Inhalt der Gespräche?

Meistens geht es um die politische Hilfe beim Bau von Eishallen. Aber wir helfen beispielsweise auch bei der Vorbereitung von Weltmeisterschaften und bei der allgemeinen Entwicklung des Eishockeysports im betreffenden Land.

 

 Gibt es für den Sport Eishockey noch Expansionsmöglichkeiten?

Asien ist ein grosser Markt, insbesondere China. Dort gibt es insgesamt 600 lizenzierte Spieler – Männer, Frauen und Junioren zusammengenommen. In der Schweiz sind es 26 000, in Kanada 670 000 Spieler. China möchte 2026 oder 2030 Olympische Winterspiele organisieren. Darum sind die Chinesen jetzt auch daran interessiert, das Eishockey zu fördern. Für uns ist klar: Wenn China stark ist, wird es auch der Rest Asiens. Bis jetzt sind wir vor allem in Japan und Südkorea präsent. Letztere organisieren 2018 die Winterspiele. Das dürfte einen Schub geben.

 

 Kürzlich hat in Kanada die WM der Frauen stattgefunden. In Europa hat das kaum jemanden interessiert …

… ganz im Gegensatz zu Kanada. Zusammen mit den Amerikanerinnen dominiert Kanada bei den Frauen. In Nordamerika wird der Sport aber auch ganz anders gefördert als in Europa. Das geht auf den «Title 9» zurück, der die Mädchen gleich fördert wie die Buben. Wenn eine Schule ein Team für Jungen hat, muss es auch eines für Mädchen stellen.

 

 Sie waren Spieler bei Freiburg-Gottéron, Gast an der 75-Jahr-Gala und waren als Zahnarzt einst für die Zähne der Spieler verantwortlich …

Ja, Gottéron ist meine Passion. Das darf ich sagen, schliesslich bekleide ich kein Amt im Schweizer Eishockeyverband (lacht).

 

 Sieht man Sie auch mal in einem Stadion der National League?

Dafür habe ich leider wenig Zeit. Gerne würde ich öfter nach Freiburg fahren, aber der Weg ist nach einem Arbeitstag zu weit. Wenn Gottéron in Zürich spielt, bin ich regelmässig eingeladen – aber leider fehlt auch dazu die Zeit.

 

 Sie wohnen in Wädenswil. Hat das in erster Linie berufliche Gründe?

Es ist sicher praktisch. Der Hauptsitz des IIHF liegt in Zürich, die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs und die nahe Autobahn sind ideal. Wir sind 2003 aus Spanien hergezogen, vor allem auch wegen der, mittlerweile erwachsenen, Kinder, die sich hier gut eingelebt haben. Die wechseln auch problemlos zwischen Zürcher-und Freiburgerdialekt. Aber zu Hause am Esstisch müssen sie Freiburgerdialekt sprechen, da bin ich streng (lacht).

 

Wurzeln: Ein echter Bilingue

Als Stadtfreiburger mit Deutschschweizer Hintergrund spricht René Fasel perfekt Deutsch und Französisch. Das ist ihm wichtig, wie sich im Gespräch zeigt. Als er von seinen Kindern erzählt, deutet er an, wie sehr ihm missfällt, wenn Französischsprachige und Deutschschweizer untereinander Englisch sprechen. «Du sprichst deutsch und du französisch», habe er einmal den französischen Freund seiner Tochter und die Freundin seines Sohnes zurechtgewiesen. pj

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