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Unklare Zukunft für Kulturgüterdepot

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Eigentlich hätte sich die grossrätliche Kommission zum kantonalen Kulturgüterlager in Domdidier am Montag treffen und das Projekt über 31,6 Millionen Franken für die Oktober-Session vorbereiten sollen. Doch dieses Geschäft können die Grossräte nun nicht abschliessend behandeln. «Der Staatsrat beantragt mehr Zeit», sagte Kommissionspräsident Peter Wüthrich (FDP, Domdidier) auf Anfrage der FN. «Wir haben keine Entscheidungsgrundlagen.» Deshalb werde das für die Oktobersession terminierte Geschäft verschoben. «Es wird frühestens im November vor den Grossen Rat kommen.»

«Der Staatsratsbeschluss wird um zwei bis drei Wochen hinausgeschoben», sagte Bau- und Raumplanungsdirektor Jean-François Steiert (SP). «Es sind weitere Abklärungen nötig.» Zum Inhalt dieser Abklärungen konnte Steiert gegenüber den FN keine Angaben machen, solange der Staatsrat keinen Beschluss gefasst hat. Auch Wüthrich sagte, er wisse inhaltlich nichts Näheres.

Das Interesse von Wago

Gemäss Informationen der FN hat eine Delegation des Staatsrats am letzten Donnerstag mit Sven Hohorst, CEO der Wago-Gruppe in Hannover, ein Konferenzgespräch geführt. Wago ist Weltmarktführer im Bereich der Federklemmtechnik und besitzt seit rund 40  Jahren einen Standort in Domdidier, der Automations­lösungen für Industrie und Gebäudetechnik anbietet.

Das Unternehmen Wago hat kürzlich Interesse angemeldet am Grundstück, das der Kanton Freiburg eigentlich für sein Kulturgüterdepot vorgesehen hatte. Gemäss Kommis­sionspräsident Wüthrich gehört das Grundstück der Firma Bat-Mann Constructions. Diese habe auf dem Gelände geplant gehabt, Industrieräumlichkeiten zu erstellen und diese Drittfirmen zum Leasing zur Verfügung zu stellen. Bat-Mann kam dann von dieser Idee ab und schrieb zwei Objekte zum Verkauf aus: das ehemalige Gebäude des Babynahrung-Herstellers Milupa sowie das angrenzende Grundstück. Das Unternehmen Wago hat unterdessen die Milupa-Halle gegenüber der Strasse ihres Produktionsstandorts gekauft, und der Kanton wollte das angrenzende Grundstück für sein Kulturgüterdepot erwerben. «Jetzt hat aber Wago angekündigt, neben dem Milupa-Gebäude auch dieses Grundstück kaufen zu wollen», so ­Wüthrich.

Ein Interessenskonflikt

«Für uns ist diese Entwicklung überraschend», erklärt Wüthrich. «Das Gelände war vorher rund drei Jahre zum Verkauf ausgeschrieben, aber erst nachdem der Kanton Freiburg es kaufen wollte, hat Wago seinen Bedarf angemeldet.»

Wüthrich betont, dass das Vorgehen Wagos absolut rechtens sei. Niemand wisse aber genau, was das Unternehmen plane. «Es könnte ja sein, dass Wago einen Auftrag eines gros­sen Kunden erhalten hat.» Aus der Sicht Wüthrichs gerät der Kanton in einen Interessenskonflikt: Zum einen brauche der Kanton das Kulturgüterdepot dringend, damit die Kantons- und Universitätsbibliothek die für ihren Um- und Ausbau die notwendigen Lagerplätze hat, zum anderen sei es für die Wirtschaftsförderung interessant, wenn ein Unternehmen sich ausdehnen und weitere Arbeitsplätze schaffen will.

Welches Interesse der Staatsrat höher gewichtet, darüber habe sich seine Kommission nicht zu äussern, so Wüthrich. «Wir müssen nur prüfen, ob die Investitionen bedarfsgerecht sind und Sinn machen. Die Wahl des Standorts ist nicht unsere Aufgabe.»

Alternative Standorte gesucht

«Am liebsten wäre uns, wenn sowohl das Depot als auch der Wago-Ausbau zustande käme», sagt Pascal Joye, Verantwortlicher für Bau- und Raumplanung im Gemeinderat von Belmont-Broye und Vorstandsmitglied des Regionalverbands Broye Coreb. «Aus Sicht der regionalen Politik sind aber die zusätzlichen Arbeitsplätze interessanter», so Joye. Wie er sagt, sei Wago mit rund 450 Stellen der grösste Arbeitgeber der Gemeinde. Durch den Ausbau würde Wago zusätzlich 150 Arbeitsplätze schaffen. Für das Kulturgüterdepot sind 15 bis 20  Personen vorgesehen.

«Es hat auf unserem Gemeindegebiet aber noch weitere verfügbare Parzellen», so Joye. Die Gemeinde habe dem Staatsrat ein Treffen vorgeschlagen, um diese Möglichkeiten aufzuzeigen, sagt er. «Müsste einer der beiden Interessenten auf einen alternativen Standort ausweichen, so wäre das für Wago wohl komplizierter», so Joye.

KUB-Umzug verzögert sich

Mit der Verzögerung rund um das Kulturgüterdepot gerät ein weiteres Projekt von kantonaler Bedeutung in Verzug: die Sanierung und der Ausbau der Kantons- und Universitätsbibliothek. Das Freiburger Stimmvolk hatte am 10. Juni dazu einen Kredit von 60 Millionen Franken genehmigt.

Unter der Voraussetzung, dass drei hängige Einsprachen nächstens bereinigt werden, sollte der Umzug der Bücher in eine neue Archivhalle Anfang 2020 beginnen. Dies sagte Kantonsarchitekt Gian Carlo Chiové gegenüber den FN. «Mit der Verzögerung des Kulturgüterdepots im Gossen Rat kann der Umzug der Bibliotheksbücher nun bestenfalls im Frühling 2020 stattfinden.» Der Umbau der Bibliothek sollte Ende 2023 beendet sein.

«Eine Halle für die Lagerung der Bücher zu finden ist keine einfache Sache», so Chiové. «Es braucht dazu 8000 Quadratmeter und bestimmte Lagerbedingungen.» Am dringendsten ist der Um- und Ausbau der Bibliothek aus zwei Gründen: Die Statik des jetzigen Gebäudes bereitet Sorgen, und für die tonnenschweren Rollregale gibt es kein Ersatzmaterial mehr. «Im schlimmsten Fall könnte ein Teil der Bücher nicht mehr herausgegeben werden», so Chiové.

Verfahren

Rekurs gegen Vergabeentscheid des Kantons

Der Kanton Freiburg hat den Auftrag zum Erstellen eines Kulturgüterlagers nach einer öffentlichen Ausschreibung bereits vergeben: an die Bat-Mann Constructions SA. Diese ist gleichzeitig Eigentümerin des Grundstücks, das der Kanton für sein Lager kaufen möchte. Gegen diesen Vergabeentscheid sind nun zwei Rekurse eingegangen, wie die Zeitung «La Liberté» kürzlich berichtete. Die Einsprachen stammen von zwei Unternehmen, die bei der Vergabe leer ausgegangen waren. Sie bestreiten den Entscheid des Staatsrats vor dem Kantonsgericht. Gegenüber «La Liberté» wollte Bau- und Raumplanungsdirektor Jean-François Steiert (SP) keine Stellung nehmen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

uh

Zum Projekt

Die Antwort auf den Schumacher-Flop

Für die Einrichtung eines interinstitutionellen Kultur­güterlagers hatte der Kanton ursprünglich geplant, das Gebäude der Schumacher AG in Schmitten zu kaufen und es dort einzurichten. Der Grosse Rat genehmigte dazu 31,1  Mil­lionen Franken. Technische Probleme zwangen den Kanton aber, das Projekt in Schmitten aufzugeben. Kurz darauf wurde er in Domdidier fündig: Auf einem Grundstück sollte ein Neubau entstehen. Der Staatsrat hat das Nach­folgeprojekt im Juli 2018 präsentiert. Zu den Gesamtkosten von 36,6 Millionen Franken dürfte der Bund fünf Millionen beitragen. Gemäss einer Studie sollten rund 20 000 Quadratmeter Lagerfläche mit Ausbau­möglichkeiten entstehen.

uh

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