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«Unser Konsum ist wie ein Sog»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Weitter nones Seck­li?» So heisst der fast dreieinhalb Minuten lange Kurzfilm von June Schädelin aus Liebistorf. Die 18-Jährige tritt mit ihrem Film an den Schweizer Jugendfilmtagen an (siehe Kasten). Der Film zeigt zahllose Konsumsituationen aus dem täglichen Leben: unter anderem das Auswählen von Gemüse im Supermarkt, das Füllen eines Weinglases im Restaurant, das Betanken eines Fahrzeugs, das Lesen einer Zeitung oder die Eingabe eines Kreditkarten-Pins. Die Schnitte folgen rasch aufeinander und werden im Verlauf des Kurzfilms immer schneller. Das sei Absicht, sagt Schädelin. «Unser Konsum ist wie ein Sog.»

Zwischen die zahlreichen Konsumszenen mischen sich immer wieder Bilder von Abfall: Abfallsäcke, Flaschen, die in einen Altglascontainer fallen, oder ein Alteisenberg in einer Entsorgungsanlage. «Mit unserem ständigen Konsum kann es so nicht weitergehen», sagt Schädelin. Denn auf jeden Kaufakt folge früher oder später die Entsorgung.

Bilder aus Bern und Neapel

Den Titel «Weitter nones Seck­li?» habe sie spontan, aber auch sehr bewusst gewählt. «Wenn man konsumiert, wird einem immer eine Tüte angeboten, die man nachher wegwirft. Das Säckli ist somit noch eins oben drauf auf den Konsum.»

Den Grossteil der Szenen filmte die junge Frau in Bern und Umgebung. Einzelne Aufnahmen wie jene der U-Bahn und der Schnecken seien während ihrer Ferien in Neapel entstanden.

Den Kurzfilm hat Schädelin 2018 im Rahmen eines Kurses am öffentlichen Gymnasium Hofwil in Münchenbuchsee produziert. Dort macht sie derzeit die Matura und besucht die Talentförderungsklasse Gestaltung und Kunst. Sie und ihre sechs Mitschülerinnen und Mitschüler erhalten hier Unterricht von Dozierenden der Hochschule der Künste Bern und von Fachlehrpersonen des Gymnasiums.

Dank diesem speziellen Unterricht hat Schädelin bereits mehrere Projekte in unterschiedlichen Kunstgattungen umsetzen können. Ihre Bandbreite reicht von Video über Fotografie und Drucktechniken bis hin zu Installationen und Performances. Welche Kunstform gefällt ihr am besten? «Das ist mega schwierig», antwortet die Schülerin. «Video finde ich fast cooler als Fotografie, obwohl ich Fotografie auch sehr gern habe. Aber im Film macht das Zusammenschneiden der Aufnahmen Spass. Zeichnen ist mir auch sehr wichtig. In Collagen kann ich Text, Fotos und Ausschnitte aus Zeitungen kombinieren. Auch in Installationen kann ich unterschiedliche Elemente verbinden.»

Kunststudium angepeilt

Eine ihrer Installationen ist die Kunstzelle 109 – ein Raum im Internatsgebäude ihres Gymnasiums, den Schädelin mit ihrer Mitschülerin Noa Andrea Steiner gestaltet. Die Idee dazu hatten die zwei bei einem Museumsbesuch in Wien. Für ihre Kunstzelle sammeln die Schülerinnen Objekte, die nicht mehr gebraucht werden, und binden Schulerlebnisse sowie politische und gesellschaftliche, aber auch belanglose, lustige und spassige Themen in die Gestaltung des Raums ein.

Schädelin hofft, dass sie die Kunstzelle 109 nach der Matura während ihres Zwischenjahrs an der JKON (Junge Kunst Olten) oder an der Jungkunst in Winterthur ausstellen kann. Beide bieten jungen Kunstschaffenden die Möglichkeit, ihre Werke einem breiten Publikum zu präsentieren.

Ihr Zwischenjahr möchte die Liebistorferin auch fürs Reisen, Geld-Verdienen und ihre Hochschulbewerbungen nutzen. Derzeit peilt sie das Fach Fine Arts an. Dieses sei im Bereich der Kunst der Studiengang mit den grössten Freiheiten für die Studentinnen und Studenten, sagt Schädelin. Das gefällt ihr: «Da kann ich eigene Projekte umsetzen und genau das machen, was ich will.» Als Studienort favorisiert sie derzeit Basel oder Genf.

Leben würde sie am liebsten in einer WG, die sich selbst versorgt und einen Permakulturgarten nutzt. Ein solcher Garten baut darauf auf, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe in der Natur zu beobachten und nachzuahmen.

Allgemein sei ihr Ziel, einen solidarischen und nachhaltigen Lebensstil zu führen, so Schädelin. Seit drei Jahren kaufe sie keine neuen Kleider mehr, sondern gehe an Flohmärkte oder Kleidertauschanlässe. Beim Einkauf im Supermarkt beachte sie nicht nur die Herkunft von Obst und Gemüse, sondern auch, ob diese jetzt Saison haben. «Doch es gibt immer noch sehr viele Leute, die einen konsumorientierten Lebensstil haben.» Eine Veränderung sei hier notwendig, so die junge Erwachsene.

www.juneschaedelin.ch

Weitter nones Seckli? from June Schädelin on Vimeo.

Zahlen und Fakten

46 Kurzfilme bei den Jugendfilmtagen

Die Schweizer Jugendfilmtage beschreiben sich selbst als das grösste nationale Festival für Nachwuchsfilmschaffende. Das Festival gibt es seit 1976. Die 44. Ausgabe wird vom 25. bis 29. März in Zürich stattfinden. Kernstück der Schweizer Jugendfilmtage ist der Wettbewerb, bei dem sich insgesamt 46 Kurz­filme in fünf Kategorien messen. Diese Kategorien teilen die jungen Filmschaffenden nach Altersklassen auf: von unter 16 Jahren bis maximal 30 Jahre. Die Liebistorferin June Schädelin tritt mit ihrem Kurzfilm «Weitter nones Seckli?» in der Kategorie C «Jugendliche bis 19 Jahre» an. Pro Kategorie werden vier Preise verliehen: Der Film auf dem ersten Platz wird mit dem «springenden Panther» und 1000 Franken ausgezeichnet, für den zweiten Platz gibt es 600 und für den dritten Platz 400 Franken.

 

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