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«Veränderungen sind Teil des Erhaltens»

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«Veränderungen sind Teil des Erhaltens»

François Guex vom Amt für Kulturgüter über Schutz, Verantwortung und das Bewusstsein von Verlust

François Guex ist zuständig für die Organisation des Denkmaltags im Kanton Freiburg. Mit den FN sprach er über den Unterschied zwischen Erhalten und Konservieren und über die Verantwortung des Denkmalpflegers gegenüber den nächsten Generationen.

Mit FRANÇOIS GUEX sprach CAROLE SCHNEUWLY

«Pflegen, umnutzen, weiterbauen im historischen Kontext», heisst es im Titel zum diesjährigen europäischen Tag des Denkmals. Wann aber ist aus denkmalpflegerischer Sicht eine Umnutzung oder ein Anbau überhaupt wünschenswert?

Die Grenzen liegen dort, wo die Veränderungen die alte Substanz gefährden. Die Frage, die es zu stellen gilt, lautet: «Was ist erhaltenswert?» Diese Frage zu beantworten, ist Aufgabe der Denkmalpfleger in Zusammenarbeit mit den Architekten. «Erhalten» bedeutet dabei nicht, etwas unter eine Käseglocke zu stellen und es zu konservieren. Es gibt immer Elemente, die wertvoller und wichtiger sind als andere. Kaum etwas lässt sich ohne Veränderungen erhalten. Die Veränderungen sind sogar ein Teil des Erhaltens. Will man ein Bauwerk erhalten, besteht in der Regel die erste Voraussetzung darin, einen Eigentümer und eine Nutzung zu finden. Ansonsten sind die Kosten des Unterhalts kaum zu rechtfertigen.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob etwas schützenswert ist oder einfach nur alt?

Alter allein genügt tatsächlich nicht, um ein Objekt schützenswert zu machen, auch wenn es sicher ein wichtiges Kriterium ist. Daneben gilt es aber auch, den strukturellen Zusammenhang zu beachten, das heisst die Bedeutung eines bestimmten Elementes für die Eigenart und die Ausstrahlung des betreffenden Gebäudes: Ist das Element ein Zeuge des sozialen, wirtschaftlichen oder kulturellen Lebens seiner Epoche? Eine bedeutende Rolle spielt ausserdem das Ortsbild: Es kann vorkommen, dass ein Gebäude einen relativ geringen Eigenwert hat, für das Gesamtbild aber sehr wichtig ist.

Wie kann man gewährleisten, dass die Einstufung der Bauwerke einheitlich geschieht?

Der Kanton führt für jede Gemeinde ein Verzeichnis schützenswerter Bauten mit drei Kategorien: Bei Bauten der Kategorie A ist alles schützenswert, Bauten der Kategorie B gelten als weitgehend schützenswert, und bei der Kategorie C ist nur die äussere Erscheinung schützenswert. Dieses Verzeichnis ist allerdings nicht verbindlich, sondern dient lediglich als Arbeitsinstrument. Ob ein «schützenswertes» zum «geschützten» Objekt wird, entscheiden die Gemeinden in ihrer Ortsplanung, die abschliessend vom Kanton gutgeheissen wird.

Welcher Kategorie ein Bauwerk zugeordnet wird, bleibt letztlich eine Frage der Abwägung.

Ja, ebenso wie jede Umnutzung und jeder Umbau das Ergebnis von Diskussionen und Kompromissen ist. Es gibt nicht nur eine richtige Art, die Substanz zu erhalten. Vielmehr geht es darum, den Generationen, die nach uns kommen, alle Möglichkeiten offen zu halten. Wir sind für eine bestimmte Zeit für die Bauten verantwortlich, und es ist unsere Aufgabe, ihr Potenzial ungeschmälert weiterzugeben.

Der Denkmaltag soll dazu beitragen, die Bevölkerung für solche Zusammenhänge zu sensibilisieren. Seit wann gibt es aber überhaupt so etwas wie ein denkmalpflegerisches Bewusstsein?

Allgemein verbindliche Bauregeln gibt es seit dem Mittelalter, wobei es damals um die Gleichbehandlung aller Bürger oder um den Brandschutz ging. Im 17. Jahrhundert begann man da und dort, sich zu fragen, was zueinander passen könnte. Das hatte aber noch eher mit Rücksichtnahme gegenüber den Nachbarn zu tun oder mit dem Befolgen von Modeströmungen. Denkmalpflege im Sinne eines Bewusstseins von Verlust gibt es erst seit etwa 120 Jahren. Das war anfangs noch sehr punktuell, man sorgte sich um Kirchen und Kathedralen, um Schlösser und Burgruinen. Mit dem Fortschreiten der Modernisierung wurde man sich immer bewusster, wie schnell sich alles verändert und begann, sich für das Erhalten zu interessieren. Es ist wie so oft: Man wird erst aufmerksam auf etwas, wenn es anfängt, einem zu fehlen.

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