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Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Care-Arbeit für betagte Angehörige

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Wie Travail Suisse in einer Medienmitteilung mitteilt, hat der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden mit Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann ein neues Projekt lanciert: eine gesamtschweizerische Internet-Plattform zum Thema «Work & Care», die sensibilisieren und informieren soll.

Die Problematik der Vereinbarkeit von bezahlter Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung stand in den vergangenen Jahren im Fokus der Sozialpartner und der Politik. Erwerbsarbeit mit Verpflichtungen im familiären Bereich vereinbaren zu müssen, ist aber nicht nur für junge Eltern, sondern auch für Erwerbstätige ab 40 Jahren eine Realität. Denn in diesem Alter stehen viele Erwerbstätige vor der täglichen Herausforderung, sich neben dem Beruf auch um betagte Eltern kümmern zu müssen. Trotz vieler Betroffener ist die Problematik Care-Arbeit (siehe Kasten) fast ein Tabuthema. Gemäss einer Studie der Spitex erledigen Frauen zwei Drittel dieser Aufgaben, Männer sind aber ebenfalls präsent: Als Söhne oder Ehemänner kümmern sie sich um ihre Partnerin oder Eltern. Der Zeitaufwand ist dabei erheblich: Durchschnittlich leisten die betroffenen Söhne und Töchter 26 Stunden Betreuung pro Woche, Partnerinnen und Partner sogar 60 Stunden.

Vereinbarkeit von Arbeit und Betreuung

Die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Betreuung betagter Angehöriger ist ein breites Gebiet, mit dem sich verschiedene Kreise – Forschung, Verwaltung, Politik, Verbände – seit einiger Zeit befassen. Unter dem Leitmotiv «Die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie darf nicht Frauensache bleiben» hat Travail Suisse nun ein Projekt lanciert, das den Arbeitstitel «Betagten Angehörigen helfen und arbeiten» trägt. Das Projekt wird finanziell vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann unterstützt, damit ein besseres Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern geschaffen werden kann.

Wenn erste Fragen zur Vereinbarkeit von Erwerbs- und Betreuungsarbeit auftauchen, ist es wichtig, dass sich betroffene Arbeitnehmende an eine zentrale, gesamtschweizerische Erstanlaufstelle wenden können. Das Projekt will eine Internetseite zur Verfügung stellen, welche Erwerbstätigen, die auch Care-Arbeit verrichten, nützliche Informationen bietet. Ein wesentlicher Teil der künftigen Website dient auch der Sensibilisierung. Leisten Personen Care-Arbeit, wenn sie kleinere Besorgungen erledigen? Sie also beispielsweise der Mutter mit der Steuererklärung helfen, regelmässig für den Vater einkaufen oder die Schwiegermutter zum Coiffeur oder Arzt begleiten? Soll man sich Gedanken über die Care-Arbeit machen, die der Vater für die Mutter leistet oder umgekehrt?

«Work & Care»

 Wann sollten Betroffene das Thema an ihrem Arbeitsplatz zur Sprache bringen? Heute ist bekannt, dass Erwerbstätige kaum darüber sprechen, welche Verpflichtungen sie diesbezüglich im Privatleben haben. Meistens thematisieren sie das Thema viel zu spät, nämlich wenn sie nicht mehr in der Lage sind, die Situation alleine zu bewältigen. Häufig unterstützen pflegende Angehörige ihre Eltern über die Grenzen ihrer Belastbarkeit hinaus. Dann besteht die Gefahr, dass sie selber krank werden. Die neue Internetseite muss ein Bewusstsein für die Probleme schaffen, die in Zukunft unweigerlich auftauchen werden, wenn Betroffene einfach alles für sich behalten.

Zur Förderung der Care-Arbeit braucht es Informationen über die gesetzlichen Rechte und Pflichten der Erwerbstätigen sowie Lösungsansätze, die am Arbeitsplatz für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung vorgeschlagen werden können. Ergänzt wird die Internetseite durch Informationen über finanzielle Unterstützung sowie technische Lösungen für eine Betreuung «aus der Ferne» (Long Distance Care Giving). Die offizielle Lancierung des neuen Dienstleistungsangebots von Travail Suisse ist fürHerbst 2016 vorgesehen.

Care-Arbeit: Sich um andere kümmern

W as umfasst überhaupt der Begriff «care»? Entstanden ist der Begriff in der amerikanischen Frauenbewegung der 70er-Jahre als Gegenpol zu einem rationalen Gerechtigkeitskonzept, bei dem der vorwiegend als männlich geltende Wert des Einzelkämpfertums im Vordergrund stand. Anführerin der Bewegung war die amerikanische Psychologin und Philosophin Carol Gilligan. «Care» beinhaltet demnach eine Wahrnehmungsebene (sich achten auf andere, sich sorgen um andere) und eine Handlungsebene (sich kümmern um andere, pflegen). Das Herzstück des Begriffs bilden Verantwortungsbewusstsein, Engagement, Aufmerksamkeit, Beziehungen und vor allem die Einsicht, dass alle Menschen verletzlich sind. «Care» umfasst somit Dimensionen wie Achtsamkeit, Sorge, Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfe.

In der Schweiz definiert das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann Care-Arbeit als «Betreuungs-, Sorge- und Pflegeaufgaben für Kinder sowie für pflege- und betreuungsbedürftige Erwachsene». Das Büro betont, dass diese Arbeit eine gesellschaftliche Notwendigkeit sei und auf möglichst viele Personen – Männer und Frauen – verteilt werden müsse, damit sie auch in Zukunft erbracht werden könne, was sich sowohl die Gepflegten als auch die Pflegenden wünschten.

Das im Juni von Travail Suisse lancierte Projekt bezweckt eine bessere Vereinbarkeit regelmässiger Erwerbsarbeit ausserhalb des eigenen Haushalts mit Care-Arbeit für betagte Angehörige. Es soll insbesondere Fragen von Arbeitnehmenden beantworten, sobald diese auftauchen. Die Thematik ist bewusst auf dieses Gebiet eingegrenzt. Spezifische Aspekte im Zusammenhang mit Behinderungen oder medizinischen Diagnosen bei Kindern und Erwachsenen, die besondere Betreuung und Pflege benötigen, wurden nicht berücksichtigt. Das Projekt von Travail Suisse setzt somit ganz am Anfang der Problematik an, um die Vereinbarkeit zu fördern. bm

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