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«Verhältnis zu den Welschen ist besser»

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Autor: Arthur Zurkinden

Er war Primar-, Sekundar- und Gymnasiallehrer sowie Direktor der Volkshochschule Freiburg. Er ist auch Ehemann und Vater von drei Kindern mit fünf Grosskindern. Nebst dem Berufs- und Familienleben hat sich Josef Vaucher aber vor allem für eine bessere Verständigung zwischen den beiden Sprachgemeinschaften im Kanton Freiburg eingesetzt.

Wenn er morgen Dienstag das Präsidium seinem Nachfolger übergibt – vorgeschlagen ist Martin Tschopp –, kann er feststellen, dass er sich zusammen mit dem Vorstand der DFAG für ein wichtiges Anliegen eingesetzt hat und dass sich in dieser Zeit das sprachliche Klima verbessert hat. «Was bei vielen Welschen noch fehlt, ist die Einsicht, dass die Zweisprachigkeit einen Vorteil und eine Chance darstellt, und nicht eine Gefahr», sagt er im Gespräch mit den FN. «Die DFAG hat ihren Beitrag zur Verständigung geleistet, was man von den Welschen nicht unbedingt behaupten kann.» Er hält aber fest, dass sich die Einstellung der Welschen zum Deutschen in der jüngeren Vergangenheit «bedeutend verbessert hat».

Mit Überzeugung

Josef Vaucher erinnert an die Zeit der Gründung der DFAG vor 53 Jahren. Damals hat sich der Gründungspräsident, der Arzt Peter Boschung, für die Gleichberechtigung beider Sprachen eingesetzt. «Er hatte ein ausgesprochenes Gerechtigkeitsgefühl. Deshalb konnte er es nicht ertragen, dass die deutschfreiburgische Minderheit nicht die gleichen Rechte hatte wie die frankofone Mehrheit. Sein Kampf um die Gleichberechtigung war letzten Endes von Erfolg gekrönt.»

Heute verspürt Josef Vaucher wenig mehr von dieser «ideologischen Verkrampfung». «Heute müssen wir mit Überzeugung für ein besseres Verständnis seitens der Welschen für unsere Anliegen werben. Wir wollen es aber nicht erbetteln. Wir wollen es aus Respekt gegenüber uns Deutschsprachigen erhalten.»

Preis für Zweisprachigkeit

Als DFAG-Präsident hat Vaucher den Preis für Zweisprachigkeit initiiert, der mittlerweile achtmal verliehen wurde. «Wir haben ihn stets an Welsche verliehen.» Erhalten hat den Preis auch Courtepin-Courtaman. «Es ist die einzige Gemeinde im Kanton, welche die Kriterien für eine zweisprachige Gemeinde erfüllt».

Diesbezüglich hat sich Vaucher auch als Verfassungsrat und Mitglied der Sprachenkommission für zweisprachige Gemeinden eingesetzt. So hat er sich gegen eine Aufnahme des Territorialitätsprinzips – eine Gemeinde, eine Sprache – gewehrt, allerdings erfolglos. «Zumindest wurden in der neuen Kantonsverfassung zweisprachige Gemeinden vorgesehen, was einen Widerspruch zum Territorialitätsprinzip darstellt.» Erreicht hat er, dass die Stadt Freiburg auf Französisch «Fribourg», auf Deutsch aber «Freiburg» heisst, was sich etwa auch auf die Wegweiser in Deutschfreiburg niederschlagen sollte, die nach «Freiburg» weisen sollten.

Keine Bagatelle

Für ihn bedeutet eine zweisprachige Gemeinde nicht unbedingt, dass die Behörden alles übersetzen müssen. «Das wäre zwar logisch.» Er verlangt dies auch nicht für die Stadt Freiburg. Aber was kann die Hauptstadt noch besser machen? «Seit Thierry Steiert und Antoinette de Weck in den Gemeinderat gewählt wurden, hat die Stimmung gedreht. Die Anliegen der Deutschsprachigen werden wahrgenommen. Es fehlt nicht mehr viel.» Er freut sich, dass die zweisprachige Beschriftung im Bahnhof Freiburg nun Tatsache wird.

«So sollen die Besucher der Stadt im Bahnhof erfahren, dass hier auch Deutsch gesprochen wird.» Er hat wenig Verständnis dafür, wenn Deutschfreiburger dies als Bagatelle betrachten und sagen: «Das ist doch nicht so wichtig.» Solche Bemerkungen betrachtet er als «eine Verbeugung vor den Welschen». Josef Vaucher beklagt, dass die Bemühungen der DFAG für ein gesundes Selbstbewusstsein der Deutschfreiburger nur wenig Anerkennung finde.

Nebst der Verständigung zwischen Deutsch und Welsch hat die DFAG sich in den letzten 15 Jahren auch um die Pflege und die Förderung der deutschen Sprache bemüht. Diesem Zweck diente der Vorlesewettbewerb für Fünftklässler, der 2002 erstmals durchgeführt wurde. Mit der Zeit übernahm die Erziehungsdirektion die Durchführung. Gedacht ist dieser für Fünftklässler. «Die Primarschüler müssen dabei Texte in der Schriftsprache vorlesen. So soll die deutsche Sprache gefördert werden», umschreibt Vaucher das Ziel des Wettbewerbs. Die Bedeutung von Deutsch als wichtigstem Schulfach wurde damit in Erinnerung gerufen.

Im gleichen Stil weiter

Josef Vaucher möchte aber nebst der Förderung des Hochdeutschen auch die Sensler Mundart pflegen. «Das hat aber nicht über die Schulen zu geschehen, sondern im Elternhaus», sagt er. Für die Zukunft hofft er, dass sich die DFAG weiterhin um die Verständigung zwischen Deutsch und Welsch bemüht, sich aber auch für die Pflege der deutschen Sprache einsetzt.

80 Jahre und immer noch sehr engagiert für die deutsche Sprache und die Zweisprachigkeit: Josef Vaucher.Bild Charles Ellena

Der Politiker:Im Kampf für Gerechtigkeit

Josef Vaucher sass während 13 Jahren als SP-Vertreter im Grossen Rat. Zur SP hingezogen hat ihn einst sein Gerechtigkeitsgefühl. «Damals, in den Fünfzigerjahren, gab es im Sensebezirk praktisch nur eine Partei, die das Sagen hatte, die CVP. Zusammen mit der Kirche hat sie zur politischen Unmündigkeit der Bevölkerung beigetragen. Das habe ich je länger, je weniger ertragen», gibt er als Grund für seine politische Ausrichtung und seinen Entschluss, der SP beizutreten, an. Hauptanliegen in seiner politischen Tätigkeit war aber nicht so sehr die Befolgung einer Parteidoktrin, sondern die Verteidigung der Rechte und der Anliegen der Deutschfreiburger.

Josef Vaucher ist mit acht Geschwistern auf einem kleinen Bauernhof in St. Ursen aufgewachsen. Es war eine harte, aber trotzdem schöne Zeit. Mit der Herausgabe des «Häperetùmmer», eines Blattes mit senslerdeutschen Texten, möchte er die Zustände, Sorgen und Nöte von damals der heutigen Generation vor Augen führen. Die Freude am Schreiben und die Hoffnung, damit das Senslerdeutsche nicht nur als gesprochene, sondern auch als geschriebene Sprache zu erhalten, seien weitere Motive für die Herausgabe von diesem «Blettli, wa aubeniinisch usachùnnt». az

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