Mountainbike 30.08.2019

Das Risiko fährt immer mit

Das Verletzungsrisiko fährt bei den Downhill-Bikern stets mit, Stürze sind an der Tagesordnung. Yannick Baechler kann davon ein Lied singen. Rechtzeitig für die WM ist der 18-jährige Gifferser wieder genesen.

Es war eine Premiere, die sich jeder Sportler wünscht: Anfangs April fuhr Yannick Baechler in Maribor bei seinem ersten Weltcup-Rennen gleich in die Top Ten – und erfüllte damit auf Anhieb die Qualifikationslimite für die Mountainbike-WM, die in diesen Tagen in Mont Sainte-Anne (CAN) stattfindet. Eigentlich hätte der 18-jährige Downhillfahrer aus Giffers bereits letzte Saison im Weltcup antreten können. Wegen eines Oberschenkelbruchs hatte er aber fast die ganze Saison verpasst. Er musste nicht nur sein Debüt auf höchster Wettkampfstufe verschieben, sondern auch für die Heim-WM in der Lenzerheide Forfait geben.

Immer wieder Stürze

Nun will Baechler in der kanadischen Provinz Quebec Verpasstes nachholen. Als einer von 55 Fahrern aus über 20 Nationen startet er im WM-Rennen der Kategorie U19. Zu den Medaillenanwärtern gehört der Sensler in Mont Sainte-Anne nicht, denn auch diese Saison hat ihm die Verletzungshexe nach dem perfekten Auftakt einen Stock in die Radspeichen geschleudert. Mitte Juli war der Sensler im Training für das Weltcup-Rennen in Les Gets (FRA) gestürzt und hatte sich die Schulter ausgekugelt.

An Stürze ist Baechler längst gewöhnt. Wenn Downhillbiker mit bis zu 70 km/h über Stock und Stein und Wurzeln brettern, über Schanzen springen und halsbrecherisch zwischen Bäumen hindurchkurven, dann lassen sich Unfälle nie ganz vermeiden. Dank guter Schutzausrüstung gehen diese meist glimpflich aus, die obligaten blauen Flecken und Schürfungen ausgenommen. Doch Baechler erwischte es schlimmer – einmal mehr.

Einen Monat musste er pausieren. «Erst seit drei Wochen kann ich wieder fahren», sagt der 18-Jährige. «Ich spüre schon, dass mir nach der langen Pause noch die Kraft fehlt.» Angesichts dieser Umstände hat sich Baechler kein «platzorientiertes Ziel» gesetzt. «Wenn ich am Ende der WM sagen kann, dass ich einen guten Lauf gefahren bin und dass ich Spass gehabt habe, dann bin ich glücklich.»

Herausfordernde Strecke

Am Mittwoch konnten er und die anderen Fahrer erstmals die WM-Strecke begutachten und ablaufen – Trackwalk nennt sich das im Fachjargon. Mit knapp drei Kilometern und 600 Tiefenmetern ist die Kultstrecke in Skigebiet von Mont Sainte-Anne vergleichsweise lang und nicht sonderlich steil. Sie zeichnet sich vor allem durch eines aus: Geschwindigkeit. Schon beim Start, der direkt aus dem Lifthäuschen der Gondelstation heraus erfolgt, werden die Fahrer über eine steile Rampe auf Tempo gebracht. So richtig langsam wird es dann bis ins Ziel nicht mehr. Erschwerend kommt hinzu, dass der Untergrund alles andere als sanft ist. Die vielen Steinfelder sowie die knifflige Streckenführung fordern den Bikern ein hohes technisches Können ab.

Gestern konnte Baechler, der technisch schwierige Strecken bevorzugt, seine besten Resultate komischerweise aber auf schnellen Pisten herausgefahren hat, den WM-Parcours austesten. «Die Strecke ist sehr geil, aber lang und holprig von oben bis unten», lautete sein Fazit nach den ersten Trainingsläufen. Es gebe keine Sektion, in der man sich ein bisschen ausruhen könne. «Es wird ein Kampf von oben bis unten. Da ich noch ein bisschen Trainingsrückstand habe, wird es hart, einen ganzen Run durchzuziehen.»

Familiensache

Downhill ist bei Yannick ­Baechler eine Familienangelegenheit. Auch Yannicks jüngerer Bruder Nicolas und sein Vater Thierry sind vom Downhill-Virus befallen. Sie fahren inzwischen ebenfalls Rennen, der Papa auf nationaler Stufe, der Bruder im Europacup, wo er bei den U17 bereits Podestplätze hat herausfahren können. «Wir drei und unsere Mutter fahren immer zusammen zu den Europacup- und Weltcuprennen», erklärt Yannick Baechler. «Wir haben einen kleinen Bus umgebaut, damit wir darin kochen und schlafen können. Oder wir mieten uns an den Renndestinationen eine Wohnung.»

Für Material, Mountainbike, Service, Verschleissteile und Bekleidung müssen Baechlers jährlich rund 15 000 Franken aus dem eigenen Portemonnaie aufwenden. «Pro Fahrer», betont Mutter Sylvia. «Dazu kommen noch die Übernachtungs- und die Kilometerkosten. Für Trainings und Rennen legen wir pro Jahr zirka 7000 Kilometer zurück.»

Damit Baechler an den Rennen teilnehmen kann, opfert der Polymechaniker-Lehrling seine ganzen Ferien. Auch jetzt hat er in der Firma eine Woche Urlaub bezogen, um in Kanada an der WM dabei sein zu können. Ob es sich gelohnt hat, wird er am Sonntag wissen.