Badminton 04.02.2020

Die Schaller-Festspiele

Aldo Ellena/a
Das Schmittner Geschwistertrio Nicole, Oliver und Benedikt Schaller hat bei den Schweizer Badminton- Meisterschaften sechs Medaillen gewonnen. Am meisten glänzte die Goldmedaille aus dem Mixed-Doppel.

Einmal Gold, einmal Silber und viermal Bronze – das ist die Ausbeute, mit der das Geschwistertrio Nicole (26), Oliver (25) und Benedikt Schaller (22) am Sonntag von den Schweizer Meisterschaften zurückgekehrt ist. Für den Höhepunkt sorgten dabei Oliver Schaller und seine Badminton- und Lebensgefährtin Céline Burkart, die in Brig im Mixed den Titel gewannen.

Die langjährigen Nationalspieler haben im vergangenen August nach der Heim-WM zwar den Rücktritt von der internationalen Bühne gegeben, auf nationaler Ebene sind die beiden aber weiterhin die beste Mixed-Paarung. Zum vierten Mal in Folge holten sie sich den Schweizer-Meister-Titel im Mixed, dieses Mal mit einem 2-Satz-Sieg über Anthony Dumartheray/Malika Golay (Yverdon-les-Bains). Nach einem beidseitig nervösen Beginn und einem entsprechend abhackten Spiel im ersten Satz (21:18) drehten Schaller/Burkart im zweiten Durchgang auf und setzten sich doch noch klar mit 21:13 durch.

Immer noch überlegen

Ohne einen Satzverlust waren die Freiburger durch das ganze Turnier marschiert. Von einer solchen spielerischen Überlegenheit dürften wohl die meisten Sportler träumen, bei Oliver Schaller löst sie hingegen gemischte Gefühle aus. «Es ist schön, dass wir noch besser sind als die anderen und unseren vierten Meistertitel gewinnen konnten», sagte der Schmittner. «Allerdings habe ich gehofft, dass uns einige junge Nationalspieler etwas fordern könnten. Aber da ist aktuell niemand, was schade ist für das Schweizer Badminton.»

Hintergrund von Schallers Bedauern: Er und seine Mixed- und Lebenspartnerin, die mehrere Jahre dem Schweizer Nationalteam angehört und unter anderem dreimal an einer WM teilgenommen hatten, waren im August zurückgetreten, weil sie für sich kein Entwicklungspotenzial mehr gesehen haben. Sie bemängelten, dass die Trainingsstrukturen in der Schweiz zu wenig gut seien und dass es im Mixed an valablen Sparringpartnern und an Konkurrenz fehle, die einen pushe. «Ich habe gehofft, dass sich beim Verband nach unserem Rücktritt diesbezüglich etwas bewegen würde. Doch die Jungen haben heute noch mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie wir früher. Deshalb geht es im Mixed nicht richtig weiter.» So bleiben Schaller/Burkart weiterhin das Mass der Dinge, obwohl sie inzwischen viel weniger trainieren als zu ihren Nati-Zeiten.

Bronze für die Brüder

Neben dem Mixed-Gold kehrte Oliver Schaller am Sonntag auch mit Doppel-Bronze aus Brig heim. Die Medaille holte er sich zusammen mit seinem jüngeren Bruder Benedikt mit einem hauchdünnen Sieg (22:20 im dritten Satz) im Viertelfinal gegen Thibault Bernetti/Anthony Dumartheray. Die beiden Sensler nahmen damit erfolgreich Revanche für die Vorjahresniederlage, die sie gegen die späteren Silbermedaillengewinner kassiert hatten.

Im Halbfinal war dann allerdings Endstation. Trotz starker Gegenwehr zogen die Schallers gegen Tobias Künzi (Gebensdorf) und Nicolas A. Müller (Uzwil) in drei Sätzen den Kürzeren (21:16, 16:21, 16:21). «Wir haben unser bestes Spiel gezeigt, aber es hat nicht gereicht», anerkannte Oliver Schaller die Überlegenheit der Gegner. «Mit der Auslosung lag für uns nicht mehr drin als Bronze. Tobias und Nicolas waren das weitaus stärkste Duo im Tableau.»

Den Final haben die beiden topgesetzten Nationalspieler allerdings verloren. Gegen Dominik Bütikofer/Thomas Heiniger (Zürich/Trogen-Speicher) mussten sie sich nach einer schlechten Leistung in 30  Minuten mit 18:21, 16:21 geschlagen geben.

Wachablösung im Frauendoppel

Knapper zu und her ging es im Final des Frauendoppels, wo es zum dritten Mal in Folge zum Kräftemessen zwischen Nicole Schaller/Céline Burkart (Tafers-Freiburg) und Aline Müller/Jenjira Stadelmann (BC  Trogen-Speicher) kam. 2018 hatten die beiden Freiburgerinnen das Duell gewonnen, 2019 ging der Titel an die Appenzellerinnen. Diesen gelang am Sonntag nun erstmals die erfolgreiche Titelverteidigung. Die jungen Nationalspielerinnen, die inzwischen Vollzeit trainieren und in den vergangenen Monaten auch auf internationalem Parkett stark auftrumpften, setzten sich in drei Sätzen durch (21:16, 19:21, 21:15). In den entscheidenden Momenten fehlte bei den beiden Union-Spielerinnen die letzte Konsequenz. Bei Schaller/Burkart machte sich bemerkbar, dass sie nicht so oft zusammen trainieren. «Aline und Jenjira sind ein junges, aufstrebendes Doppel und haben noch Steigerungspotenzial», sagte Nicole Schaller. «Am Sonntag waren sie etwas besser als wir, alles in allem sind wir aber nicht schlechter. Nächstes Mal kann es schon wieder anders aussehen.»

Fehlende Abstimmung

Dass die Schweizer Meisterschaften 2020 zu den Festspielen der Familie Schaller wurden, dafür sorgten Nicole und Benedikt mit ihrem dritten Platz im Mixed. Den Finaleinzug verpassten Nicole und Benedikt gegen die routinierten Anthony Dumartheray/Malika Golay nur knapp (17:21, 21:14, 18:21). «Wir hätten das Spiel durchaus gewinnen können», bilanzierte Nicole Schaller. «In den entscheidenden Momenten hat uns aber etwas die Sicherheit gefehlt, weil wir nicht so oft gemeinsam Mixed spielen. Aber wir sind auch mit Bronze zufrieden.»