Unihockey 15.04.2019

Ein Abstieg mit Ansage

Trainer Jan Jungo und seine Spielerinnen müssen in die Nationalliga B: «Innerlich zerreisst es mich.»
Nach fünf Jahren in der NLA spielt Ärgera Giffers nächste Saison eine Klasse tiefer. In der Liga-Qualifikation gegen Mendrisiotto verloren die Freiburgerinnen am Samstag zu Hause 3:6 und die Serie damit 1:3.

«Innerlich zerreisst es mich. Der Gedanke, nächste Saison nicht mehr in der NLA spielen zu können, bereitet mir extreme Mühe», schildert Trainer Jan Jungo nach dem Abstieg von Ärgera Giffers in die NLB seine Gemütsverfassung. Der Club habe die Relegation nicht verdient. «Aber so ist halt der Sport: Wenn es nicht reicht, dann hast du in dieser Liga auch nichts zu suchen.»

«Nur noch Kopfsache»

Anders als am Wochenende zuvor, als die Freiburgerinnen mit zwei Niederlagen in der Best-of-5-Serie der Liga-Qualifikation gegen B-Meister Mendrisiotto mit 1:2 in Rückstand geraten waren, hätten seine Spielerinnen am Samstag noch einmal das Maximum aus sich herausgeholt. «Doch wenn du das Messer schon mehr als am Hals hast, dann kriegst du eben wieder schnell zwei blöde Gegentore, während du für jeden Treffer hart arbeiten musst.» Einmal gegen die einfach spielenden Tessinerinnen im Hintertreffen, werde es ganz schwierig. «Dann ist es nur noch Kopfsache.» Nach einer Saison mit vielen Enttäuschungen bereits angezählt, war die 3:6-Niederlage für das Heimteam schlicht nicht mehr abzuwenden. Was sich schon seit längerer Zeit abgezeichnet hatte, wurde damit bittere Realität: Nach fünf Jahren in der Beletage des Unihockeys geht es für Ärgera Giffers wieder eine Stufe runter.

Gewichtige Abgänge folgen

«Der Vorstand hat sich zwangsläufig seine Gedanken über einen Abstieg gemacht», sagt Club-Präsident Heino Dietrich. «Schlussendlich mussten wir damit rechnen, dass es so weit kommt.» Die Freiburgerinnen waren in der NLA zumeist am Tabellenende klassiert und konnten letzte Saison nur an den Playoffs teilnehmen, weil es damals keinen Absteiger gegeben hatte. «Darum kann man wohl sagen, dass wir in der NLB besser aufgehoben sind.» Der direkte Wiederaufstieg sei (noch) kein Thema. «Um konkrete Ziele zu formulieren ist es zu früh, zumal wir noch nicht wissen, wie unser Kader für die nächste Saison aussehen wird.» Klar ist, dass fünf Spielerinnen den Verein definitiv verlassen werden. Neben den Rücktritten von Melanie Stump und Nadine Dietrich muss Ärgera Giffers künftig auch ohne die Teamstützen Christel Köstinger (zu BEO) und Eliane Ganz (zu den Burgdorf Wizards) auskommen. Überdies hat Topskorerin Fabienne Walther gegenüber dem Club deutlich kommuniziert, dass sie nur im Fall des Ligaerhalts geblieben wäre.

Es sind alles gewichtige Abgänge, die Ärgera Giffers nicht mit links wird ersetzen können. Denn der Absteiger wird notgedrungen in Zukunft vermehrt auf den Nachwuchs setzen. «Der Sprung von der U21 in die NLB ist kleiner als in die höchste Spielklasse», erklärt Dietrich die Neuausrichtung. Der geringere Niveauunterschied ist allerdings nicht der einzige Beweggrund, um auf eigene Juniorinnen zu setzen. Bereits in der NLA hatte Ärgera Giffers grösste Mühe, auswärtige Spielerinnen für sein Team zu rekrutieren. Zu gross war die Berner Konkurrenz in unmittelbarer Nähe. «Der Standort, die ungenügenden öffentlichen Verkehrsmittel, das alles hat uns diese Aufgabe erschwert», so Dietrich.

Doch auch der Pool an guten Nachwuchsspielerinnen sei bedauerlicherweise eingeschränkt. «Hätten wir eine Zusammenarbeit mit den Vereinen aus der Region wie es Floorball Freiburg bei den Männern hat, dann wäre es sicherlich einfacher.» Während die Stadtfreiburger bereits auf U14-Stufe Sichtungstrainings durchführen und die Talente zu sich holen können, klappe diese Kollaboration bei den Frauen nicht, erklärt Dietrich. «Diesbezüglich hinken wir den Männern um 20 Jahre nach.» Angestrebte Partnerschaften etwa mit Gurmels oder Flamatt seien beispielsweise nicht zustande gekommen.

Jungos Zukunft ungewiss

Trotzdem ist Jan Jungo in puncto Nachwuchs zuversichtlich. «Ich habe fünf, sechs Juniorinnen im Kopf, die die Zukunft des Vereins sein werden und die zuletzt auch schon im Fanionteam gespielt haben. Sie waren sicherlich nicht der Grund für den Abstieg.» Ob Jungo, der Ärgera die letzten 10  Jahre trainiert hat, den Neuaufbau allerdings selber mitgestalten wird, ist noch offen. Während Club-Präsident Dietrich bekräftig, dass der Trainer immer sein Vertrauen hatte und er gerne mit ihm weiter ­zusammenarbeiten würde, ist sich Jungo über seine Zukunft noch unschlüssig. «In all diesen Jahren habe ich nur Höhenflüge erlebt und noch nie eine solche Saison wie jetzt durchgemacht. Da frage ich mich schon, ob es noch das Richtige für mich ist.» Es benötige deshalb bestimmt noch einige Diskussionen mit dem Vorstand, bis er seine Entscheidung treffe. Dabei würden auch berufliche und familiäre Kriterien eine Rolle spielen.

Telegramm

Ärgera – Mendrisiotto 3:6 (1:2, 1:2, 1:2)

Sporthalle Giffers-Tentlingen, Giffers. – 198 Zuschauer. – SR: Friemel/Hasselberg. Tore: 6. S. Sauter 0:1. 10. M. Murtorinne (S.   Teggi) 0:2. 12. L. Bertolotti (V. Dazio) 1:2. 23. G. Intraina (A. Zulji) 1:3. 27. E.  Perritaz (M. Stump) 2:3. 30. G. Intraina (A. Zulji) 2:4. 48. M. Murtorinne (S. Teggi) 2:5. 59. M. Murtorinne 2:6. 60. M. Stump (L. Gross) 3:3. Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Ärgera.

Liga-Qualifikation NLA/NLB (best of 5). Endstand: 1:3.

«Darum kann man wohl sagen, dass wir in der NLB besser aufgehoben sind.»

Heino Dietrich

Präsident Ärgera Giffers