Tischfussball 20.07.2019

Raus aus der Bar, rein in den Wettkampf

Der 18-jährige Mike Rumo gehört zu den besten Nachwuchs-Tischfussballern der Schweiz. Das «Töggele» hat nach wie vor mit seinem Bier-und-Bar-Image zu kämpfen, obwohl die Bierflaschen längst von den Tischen verschwunden sind.

Darf man eigentlich «Töggele» sagen? «Ja, ja», sagt Mike Rumo mit einem Schmunzeln. «Tischfussball ist zwar seit dem 1. Januar 2018 von Swiss Olympic als offizielle Sportart anerkannt. Aber ich sage auch immer Töggele.» Der Seriosität, mit welcher der 18-jährige Düdinger für seinen Sport trainiert, tut das keinen Abbruch. In der Schweiz gehört Rumo zu den besten Nachwuchsspielern – und auch international kann er mit der Elite mithalten, wie er jüngst bewiesen hat: Bei den Multitable-Weltmeisterschaften im spanischen Murcia hat er bei den U19 im Mixed die Bronzemedaille gewonnen, zusammen mit der Zürcherin ­Samira Innocente.

Überschaubare Szene

Überschaubare 1400 Turnierspieler sind in der Schweiz lizenziert, aktive Junioren gibt es relativ wenige. Mangels ernsthafter Konkurrenz spielt Rumo deshalb in der Swiss Tablesoccer Serie – der höchsten nationalen Turnierserie – bei den Männern mit.

Im Kanton Freiburg gibt es mit dem TFC  Freiburg-Sense bloss einen einzigen offiziell angemeldeten Verein. «Das Niveau ist aber nicht so hoch, weshalb ich in den letzten Jahren fürs Training immer nach Thun gefahren bin», erklärt Mike Rumo, der eine Lehre als Zeichner Ingenieurbau absolviert. Thun sei lange einer der besten und grössten Vereine der Schweiz gewesen. «Im Trainingslokal standen über 20  Tische.» Inzwischen sei aber alles etwas auseinandergebrochen, weshalb er nun nach Laupen wechsle»

Weg vom Kneipen-Image

Tischfussball gilt inzwischen zwar als offizielle Sportart, dass in der Schweiz ein Tischfussballverband existiert, wissen dennoch wohl nur die wenigsten. Mike Rumo hofft, dass sich dies bald ändert. «Die Anerkennung von Swiss Olympic war ein sehr wichtiger Schritt, insbesondere für diejenigen, die sich im sportlichen Bereich bewegen», sagt er. «Das hilft dem Tischfussball, von seinem Bier-und-Bar-Image wegzukommen.»

Das Image hält sich hartnäckig, obwohl die Bierflaschen neben den Tischen längst verschwunden sind. Das Umfeld ist in den letzten Jahren professioneller geworden. Es reicht nicht mehr, einfach mal draufloszuspielen. Ein Match, der über mehrere Gewinnsätze geht, kann gut und gerne eine Stunde dauern – und an den Turnieren gilt es an einem Tag gleich mehrere solcher Spiele zu bewältigen.

Mit Darts ist in den letzten Jahren ein anderes Spiel aus den Niederungen von Tabakqualm und Bierseligkeit zu einem globalen Hype empor­gestiegen. Das Spiel mit den drei Pfeilen hat unlängst unzählige Profis und Multimillionäre wie Phil Taylor, Michael van Gerwen oder Gary Anderson hervorgebracht. Davon ist Tischfussball weit entfernt, aktuell gibt es weltweit eine knappe Handvoll Spieler, die davon leben können. Bernard Sallin, Präsident des Schweizer Tischfussballverbandes Swiss Tablesoccer Federation, glaubt auch nicht, dass Töggele dereinst eine ähnliche Entwicklung wie Darts durchmachen könnte. «Der Sport ist weniger telegen, weil das Spiel extrem schnell und sehr auf Effizienz ausgelegt ist.» Viel spiele sich beim Tischfussball in den Köpfen der Spieler ab und geschehe über die Technik. «Für die Zuschauer wird es schnell langweilig, weil sie von aussen das Spiel nur sehr schwer nachzuvollziehen können.»

Eine Frage der Nerven

Wie schwierig, das wird deutlich, wenn Rumo mit einer ruckartigen Bewegung und einem lauten Knall den Ball im Tor verschwinden lässt. Mit blossem Auge ist kaum zu erkennen, wie und wo genau sich die Kugel ihren Weg gebahnt hat. Kein Wunder, der Düdinger beschleunigt den Ball auf über 80 km/h – selbstverständlich ohne «Würbele».

Dafür trainiert Rumo zweimal pro Woche rund drei Stunden im Trainingslokal. Und wann immer er Zeit hat, stellt er sich zu Hause hinter seinen professionellen Kasten. Als Stürmer muss er viel alleine trainieren. «Das Wichtigste ist das Durchspielen vom Fünfer im Mittelfeld auf den Dreier im Sturm. Im Einzeltraining übe ich das Passspiel, wiederhole einen Pass 20 Mal, dann den nächsten 20 Mal.» Hat er den Ball einmal mit dem Dreier unter Kontrolle, versenkt er ihn in rund 80 Prozent der Fälle im Tor. Wer keine solche Quote hinbekommt, ist international chancenlos.

Gefragt sind beim Töggele neben einer ausgeprägten Unterarmmuskulatur, guter Hand-Augen-Koordination und Präzision vor allem eines: Nerven wie Drahtseile. «Nicht die Technik entscheidet über Sieg und Niederlage, sondern in erster Linie die mentale Stärke», sagt Rumo.

Die Sache mit den Tischmodellen

Erschwert wird die Aufgabe dadurch, dass es mehrere Tischmodelle verschiedener Hersteller gibt. Beim Internationale Tischfussballverband ITSF gibt es zurzeit fünf offizielle Turniertische, auf denen die Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Fünf weitere «anerkannte Tische» dürfen von den Länderverbänden für nationale und regionale Turniere benutzt werden. In der Schweiz spielt man sowohl auf dem Garlando als auch auf dem Ullrich.

Je nach Hersteller variieren die Eigenschaften der Spieloberfläche, die Beschaffenheit der Bälle, die Art der Stangen oder Material und Form der Spielfiguren teils erheblich. «Es ist wichtig, dass man die Besonderheiten der einzelnen Tischmodelle kennt und seine Technik entsprechend anpassen kann», sagt Rumo. Der Multi­table-Wettkampf, für den Fähigkeiten an allen fünf Tischen benötigt werden, gilt in der Tischfussballszene denn auch als der prestigeträchtigste. Im Match dürfen die beiden Kontrahenten jeweils ein Tischmodell bestimmen, abwechselnd wird dann je ein Satz darauf gespielt, bis der Sieger feststeht.

Schwieriger Sprung

Fünf Medaillen, davon drei goldene, hat Rumo an den Schweizer Meisterschaften auf Juniorenstufe bereits gewonnen. Nun strebt er sein erstes Edelmetall bei den Erwachsenen an. «Mein Ziel ist es, so bald wie möglich die Schweizer Meisterschaft in der offenen Kategorie zu gewinnen», sagt der 18-Jährige ambitioniert. Er sei sich allerdings bewusst, dass das noch einige Zeit dauern könnte. «Der Sprung von den Junioren zu den Erwachsnen ist reisig, das Niveau ist deutlich höher. Erst muss ich mich bei den Männern etablieren, ehe ich vom Titel träumen darf.» Fortsetzung folgt …

«Das Wichtigste ist das Durchspielen vom Fünfer im Mittelfeld auf den Dreier im Sturm.»

Mike Rumo

Düdinger Tischfussballer

«Der Sport ist nicht sehr telegen, weil das Spiel extrem schnell und sehr auf Effizienz ausgelegt ist.»

Bernard Sallin

Verbandspräsident

«Die Anerkennung von Swiss Olympic hilft dem Tischfussball, von seinem Bier-und-Bar-Image wegzukommen.»

Mike Rumo

Düdinger Tischfussballer