Allgemeines 09.06.2020

Sportler setzen Zeichen gegen Rassismus

Mussten Erfahrunngen mit Rassismus machen (v.  l.): Eishockeyspieler Dave Sutter (neu Gottéron), Basketballer Boris Mbala (Freiburg Olympic) und Leichtathlet David Naki (TSV Düdingen).
Seit Tagen «trenden» Hashtags wie #BlackLivesMatter. Auch Freiburger Sportler schliessen sich der Bewegung gegen Rassismus an.

Lewis Hamilton, LeBron James, Naomi Osaka, Michael Jordan – viele Prominente der Sportwelt positionieren sich nach dem Tod von George Floyd in Minneapolis durch Polizeigewalt gegen Rassismus und Diskriminierung. Vor Wochenfrist teilten unzählige Sportlerinnen und Sportler auf Instagram ein schwarzes Bild mit dem Hashtag #BlackoutTuesday – ein Zeichen der Solidarität mit dunkelhäutigen Menschen in den sozialen Medien. Längst ist die nach dem gewaltsamen Tod von Floyd entstandene Protestbewegung weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinausgewachsen. Auch Sportler von Freiburger Clubs, darunter ­Dave Sutter, Boris Mbala und David Naki, haben auf ihren Ins­tagram-Profilen ein schwarzes Bild gepostet. In den FN teilen sie ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Rassismus.

Dave Sutter, Eishockey

Der 28-jährige Eishockey-Profi ist schweizerisch-kamerunischer Doppelbürger und wechselte auf die neue Saison von den ZSC Lions zu Gottéron.

«Dass in gewissen Kreisen der Polizei Schwarze mit Drogen gleichgesetzt werden, musste ich vor zwei Jahren wortwörtlich am eigenen Leib erfahren, als ich noch im Zürcher Glattpark gewohnt habe. Ich war mit einem Uber-Taxi unterwegs in den Ausgang, als wir von einer ­Polizeipatrouille gestoppt wurden. Nachdem zunächst der Fahrer kontrolliert worden war, musste ich aussteigen. Ich wurde gar nicht erst nach meinem Ausweis gefragt, dafür aber, ob ich bereit sei für eine Leibesvisitation. Ich willigte ein. Natürlich hatte ich nichts Unerlaubtes dabei. Allerdings war es damit noch nicht zu Ende. Hinter einem Wohnblock musste ich die Hosen runterlassen – auch die Unterwäsche. Als sie mir sogar in den Hintern schauen wollten, habe ich dann schliesslich Stopp gesagt und die Polizisten gefragt, ob sie eigentlich glaubten, dass ein Eishockey-Profi etwas mit Drogen zu tun habe. Erst dann haben sie nach dem Ausweis verlangt und mich umgehend gehen lassen. Als wir kurze Zeit später mit den ZSC Lions den Titel gewonnen hatten, wurde unser Bus von einer Polizei-Eskorte durch die Stadt geleitet. Als wir aus dem Bus stiegen, standen die beiden Polizisten dort, die mich damals gefilzt hatten. Sie haben sich sofort für den Vorfall entschuldigt und gar nach einem gemeinsamen Foto gefragt. Ich hoffe, dass sie etwas aus dieser Geschichte gelernt haben und Schwarze nicht mehr mit Drogen gleichsetzen.

«Die Menschen wollen eine Veränderung, und sie haben keine Angst mehr, ihre Forderungen auszudrücken.»

Dave Sutter

Gottéron-Spieler

Im Eishockey bin ich bisher noch nicht mit Rassismus konfrontiert worden, auf jeden Fall nicht direkt. Was einzelne Fans von den Tribünen herunterschreien, kann ich nicht kontrollieren. Mit Gegenspielern ist aber noch nie etwas passiert. In der Kabine sprechen wir kaum über Rassismus. Es ist kein einfaches Thema, und ich möchte, dass man dafür die richtigen Worte wählt.

Was zurzeit in den USA passiert, ist ein wichtiger Schritt. Die Protestbewegung hat sich auf viele Länder und verschiedene Kulturen ausgedehnt. Es ist immer positiv, wenn sich so viele Menschen für eine Sache einsetzen. Anders als bei ähnlichen Vorfällen wie bei George Floyd hat das Geschehen diesmal viel mehr Leute betroffen gemacht. Das macht mir Hoffnung. Die Leute wollen eine Veränderung, und sie haben keine Angst mehr, ihre Forderungen auszudrücken. Es wird aber seine Zeit brauchen.

 

Boris Mbala, Basketball

 

Der 24-jährige Spieler von Olympic kam im Alter von zwölf Jahren aus Kamerun in die Schweiz. Er trug zuerst das Nationaltrikot seines Heimatlands, heute spielt er für die Schweizer Nationalmannschaft.

«Es ist schlimm, was in den USA vor sich geht. Videos wie zuletzt jenes vom Tod George Floyds sind schockierend. Es ist deshalb kein Wunder, protestieren die Menschen so zahlreich und wollen damit einen Wechsel erzwingen.

Als ich mit zwölf Jahren aus Kamerun in die Schweiz kam, habe ich an der Orientierungsschule in Bulle Rassismus erlebt. Eine Gruppe Jugendlicher hatte Spass daran, mich zu beschimpfen – bis ich mich beim Schuldirektor beschwert habe. In dessen Büro kam es dann zu einer Art Aussprache. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich Monate später nach der Diplomübergabe nach Hause fuhr und der Anführer dieser Gruppe im gleichen Bus sass. In dieser Situation hat er sich dann nochmals ehrlich bei mir entschuldigt. Heute sehe ich ihn immer wieder, wenn ich in Bulle ausgehe. Ich würde ihn nicht als einen Freund bezeichnen, aber ich habe auch keine Probleme mit ihm.

«Videos wie zuletzt dasjenige vom Tod George Floyds sind schockierend.»

Boris Mbala

Olympic-Spieler

Ich bin kein Experte, was die USA betrifft. Ein guter Freund von mir versicherte mir jedoch vor Jahren schon, dass es dort einen strukturellen Rassismus gebe. Er erzählte mir immer, dass es in Teilen des Landes für Schwarze gefährlich ist. Ich habe das nie geglaubt. Als ich dann vor zwei Jahren selber in den Staaten war, traute ich mich nicht allein auf die Strasse. Und spätestens seit ich das Video von George Floyd gesehen habe, muss ich eingestehen, dass mein Kollege recht hat.

Heute sehe ich mich eigentlich nicht mehr mit Rassismus konfrontiert. Im Sport und speziell auch im Basketball, der von schwarzen Spielern geprägt wird, ist Rassismus kein grosses Thema. Es kann schon mal sein, dass die Zuschauer etwas schreien, aber das höre ich nicht wirklich. Mir persönlich gegenüber wurde noch niemand ausfällig.

Es gab schon immer Bewegungen gegen den Rassismus, auch in den USA. Ich habe aber die Hoffnung, dass diesmal wirklich etwas passiert und es Veränderungen bewirkt. Durch die sozialen Medien ist die Reichweite heute viel grösser geworden. Ich hoffe, das Engagement der Menschen geht so lange weiter, bis tatsächlich ein gesellschaftlicher Wechsel vollzogen wird.»

David Naki, Leichtathlet

Der 18-jährige Sohn eines Ivorers und einer Freiburgerin gehört zu den schweizweit grössten Talenten im Hürdensprint und läuft für den TSV Düdingen.

«Ich kenne viele Leute, die das Thema überspitzen und überall Rassismus sehen, das habe ich nicht so gerne. In dem Fall ist es aber schön, dass sich viele damit beschäftigen und dass die Menschen merken, dass Ungleichheiten herrschen. Die Leute in meinem Umfeld wissen, dass ich gegen Rassismus einstehe. Ich habe auf Insta­gram nur ein schwarzes Bild gepostet, das ist nichts Grosses. Aber wenn es nur bei einer Person im Kopf etwas verändert, dann ist schon viel erreicht.

«Wenn es sich in den Köpfen festsetzt, dass es Ungerechtigkeit gibt, ist ein Anfang gemacht.»

David Naki

Freiburger Leichtathlet

Ich selber wurde mehrmals auf meine Hautfarbe angesprochen. Das ist jedes Mal wieder schockierend. Als ich mich einmal in Basel vor einem Wettkampf im Park aufgewärmt habe, hat mich eine Frau übel beschimpft. Normalerweise probiere ich, mit diesen Leuten ins Gespräch zu kommen. Mich interessiert, weshalb sie so denken. Aggressiv zu reagieren, bringt dich nicht weiter.

Ich werde selber in Lausanne und Bern an den Protestaktionen teilnehmen. Es verändert sich immer etwas. Ohne die ganze Bewegung in den USA wäre der Polizist, der George Floyd umgebracht hat, kaum wegen Mordes zweiten Grades angeklagt worden. Dass so intensiv über diesen Fall gesprochen wird, bringt viel. Ich denke an Eltern, die mit ihren Kindern darüber sprechen. Wenn es sich in den Köpfen festsetzt, dass es Ungerechtigkeit gibt, ist ein Anfang gemacht.»