Unihockey 05.12.2018

«Wie ein altes Ehepaar, das sich auseinandergelebt hat»

Floorball Freiburg muss auf Trainersuche: Richard Kaeser will seinen auslaufenden Vertrag beim NLB-Team nicht verlängern.

Seit 2011 ist Richard Kaeser Cheftrainer von Floorball Freiburg und hat mit dem Team zahlreiche Erfolge feiern können. Höhepunkt war zweifellos der Aufstieg in die Nationalliga B im Jahr 2017. Nun hat sich Kaeser entschieden, seinen Posten beim aktuellen Tabellenneunten der NLB auf Ende Jahr abzugeben. Warum, erklärt er im Interview mit den FN.

Richard Kaeser, Sie wollen Ihren Vertrag in Freiburg nicht verlängern. Warum nicht?

Ich bin seit acht Jahren Trainer in Freiburg, das ist eine lange Zeit. In dieser Zeit habe ich mich verändert, der Verein hat sich auch verändert, das ist ganz natürlich. Mein Rücktritt bietet dem Club die Chance, nächste Saison neuen Wind reinzubringen.

 

Sie sprechen von Veränderung: Hat sich der Verein in eine andere Richtung verändert als Sie persönlich?

Es ist wie bei einem alten Ehepaar, das sich auseinandergelebt hat: Man hat sich immer noch irgendwie gern, dennoch ist zwischen beiden eine gewisse Distanz entstanden.

Woran merkt man, dass man sich auseinandergelebt hat?

Sagen wir es so: Ich betreibe für das Unihockey einen grossen Aufwand. Ich bin immer voller Herzblut dabei und erwarte das auch von meinem Umfeld. Wenn ich spüre, dass dies nicht der Fall ist, beginne ich mir Gedanken zu machen.

Bei wem oder bei was haben Sie diese Leidenschaft vermisst?

Bei verschiedenen Sachen, aber das will ich nicht vor der Öffentlichkeit auslegen. Im Vereinsleben gibt es viele wunderbare Momente, die man zusammen erlebt. Aber es gibt auch immer wieder Phasen, in denen man sich gemeinsam an den Tisch setzen und Differenzen zum Wohl des Clubs ausdiskutieren muss. Das haben wir getan, ohne Krach, ohne gegenseitige Vorwürfe, und haben eine Lösung gefunden.

Welche Rolle spielt bei Ihrem Rücktritt die Tatsache, dass es Freiburg in der NLB-Meisterschaft bisher nicht so gut läuft wie erhofft?

Die sportlichen Resultate waren in keiner Weise ausschlaggebend. Ich habe schon vor einiger Zeit angefangen, die Ausrichtung des Vereins zu hinterfragen. Letzte Woche habe ich mich sehr intensiv damit auseinandergesetzt. Wenn man an diesen Punkt gelangt, sollte man die Konsequenzen ziehen. Sportlich wäre es nicht nötig gewesen. Zuletzt lief es ja wieder besser, wir haben mehrere Spiele in Folge gepunktet.

Haben Sie keine Befürchtungen, dass die jetzige Bekanntgabe Ihres Rücktritts den Aufschwung Ihres Teams bremsen könnte?

Nein. In der jetzigen zweiwöchigen Nationalmannschaftspause hat der Verein genügend Zeit, alles Nötige zu besprechen und zu regeln, um in vierzehn Tagen wieder mit klarem Kopf schwungvoll in die Meisterschaft einzusteigen.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Wollen Sie dem Unihockey treu bleiben, oder ziehen Sie sich desillusioniert zurück?

Auf keinen Fall ziehe ich mich zurück. Ich bin immer noch mit sehr viel Leidenschaft beim Unihockey, und ich möchte auch nächste Saison gerne an der Bande stehen und mit einem Team etwas erreichen. Ein konkretes Angebot von einem Verein habe ich noch nicht. Ich kann mir aber von A bis Z alles vorstellen.