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Verschlusssache

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

 

N

un stehe ich erneut vor dem Abgrund. Ein Abgrund in Form eines leeren, blütenweissen Blattes, hinter mir drängt und faucht der feuerspeiende Drache mit Namen «Abgabetermin», ein falscher Tritt und ich stürze. Dieser Albtraum begleitet mich seit Wochen, lässt mich nachts schweissgebadet aufschrecken, wo ist das rettende Seil, das erlösende Thema, welches Abgrund und Drachen besiegt?

 

Szenenwechsel: Du gehst mit deiner Liebsten an einem lauen Sommerabend (es ist nicht das erste Rendezvous) ganz unverbindlich spazieren. Sagen wir mal entlang der Düdinger Moose. Ein Bänklein am Teich lädt zu einer Rast, die Sonne taucht das Schilf in Rosa, Seerosen leuchten, die Enten schnattern ihren Küken ein Gutenachtlied, Libellen schweben, Grillen zirpen. (Um die Stimmung nicht zu stören, lassen wir die blutrünstigen Mücken weg). Ihr sprecht über dieses und jenes, du tust ein bisschen wichtig, willst ja dem Liebchen imponieren. Sagst, du möchtest mal Arzt werden und die Menschen in der ganzen Welt vor Krankheit und Armut erlösen, aber vorher wirst du noch Olympiasieger oder noch schwieriger, Schweizermeister mit Gottéron. Während du Zukunftsträume malst, leuchtender als die Seerosen, kuschelst du immer etwas näher, atmest den Duft ihres Haares, eine Hand streift bei den lebhaften Schilderungen ganz zufällig und völlig unabsichtlich diesen oder jenen Körperteil. Du wirst mutiger, die Hand schiebt sich unter die Bluse, dein Herz rast, die Hand zittert, du fängst an zu stottern, verschiebst die Rettung der Menschheit und den Olympiasieg samt Got­téron in unendliche Ferne. In den Augen der Liebsten liest du Aufmunterung, zielstrebig wandert deine Hand weiter, wandert zum Rücken und öffnet gekonnt den BH-Verschluss??? Das heisst, du versuchst es. Verflixt, da hat es tatsächlich Haken und Ösen! Das muss doch zu lösen sein! Denkste, du verhakst dich immer mehr, deine Finger verkrampfen sich, warum gehen diese verflixten Dinger nicht auf? Die Leichtigkeit verfliegt, die Romantik fällt in sich zusammen wie das berühmte Kartenhaus, die Enten schnattern doof vor sich hin und überall nur noch lästige Mücken. Plötzlich sagt dein Liebchen, deine Prinzessin: «Lass es gut sein, Schatz, es ist ja auch so ganz schön. Und eigentlich sollte ich schon längst zu Hause sein, sonst macht sich Mutter noch Sorgen …»

An diesem Abend warst du sehr, sehr unglücklich.

Später, viel später, fragtest du dich, warum braucht es überhaupt BHs? Ursprünglich wohl erfunden, um den Gesetzen der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen, wurden sie sehr rasch – unabhängig vom ursprünglichen Verwendungszweck – zum schmückenden, verführerisch-trügerischen Accessoire. (Hier darf auch das Verhältnis Frau/Schuhe erwähnt werden.) Und, so die Vermutung, die Sache mit den Verschlüssen gehört zu einer ausgeklügelten Strategie, einerseits um auch hier die weibliche Überlegenheit aufzuzeigen und anderseits um früh zu erfahren, ob dieser Jüngling nicht nur prahlen kann, sondern auch praktisch begabt ist und fürs Leben taugt. So gibt es diesbezüglich eine unglaubliche Vielfalt, gleich verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Beispiele: Von 1 x 2 Haken bis 8 x 2 Haken, vom einfachen Haken bis 14 Haken, es gibt Kunststoffverschlüsse, Knöpfe und Reissverschlüsse und sogar Magnet und Klettverschlüsse (Werbespot: Nie wieder «Rumgefummel beim Öffnen»), Bikiniverschlüsse, und dann kommt noch der Sport-BH, der hat überhaupt keinen Verschluss. Wie soll Mann sich da zurechtfinden? Zurück zu dir, Jüngling. So du dich von deinem Schock erholt und heimlich fleissig geübt hast, kann es sein, dass in ähnlicher Situation, die Liebste dir erneut ins Ohr flüstert: «Gib’s auf, Schatz, der Verschluss ist vorne.» Das überlegene Lächeln, den Schalk siehst du wegen aufkommender Dunkelheit nicht.

Es stellt sich nun die Frage, wie verarbeiten Männer solch traumatische Jugend-Erlebnisse unter dem Gesichtspunkt psychoanalytischer Gesellschaftskritik? Hier möchte ich drei Möglichkeiten hervorheben:

1. Sie heiraten relativ früh, in der Hoffnung, in der ehelichen Gemeinschaft die Verantwortung für das «Mise en place» abzugeben oder zumindest teilen zu können.

2. Es wirkt auf die Berufswahl aus: Unser Jüngling wurde weder Olympiasieger noch Meister mit Gottéron. Immerhin wurde er Arzt und dieser Beruf gab ihm die Möglichkeit, sein Jugendtrauma definitiv zu verarbeiten: Bei gewissen Untersuchungen ist es eben auch notwendig den BH zu öffnen, doch plötzlich genügte der Zauberspruch: «Machen Sie sich frei», und siehe da, «es geschah …» Hätte er das doch schon früher gewusst, vielleicht wäre ihm auf dem Weg zum Manne einiges erspart geblieben(oder auch nicht).

3. Andere Männer hatten diese Chance nicht, wurden Manager (CEOs), Banker oder gar Politiker, und es stellt sich die Frage, ob die Gleichstellung (Löhne, Kaderpositionen) der Frau nur deshalb nicht verwirklicht wird, und von den entsprechenden Herren quasi mit «Haken und Ösen» bekämpft wird, weil sie als Jünglinge ebenfalls in irgendwelchen Moosen spazieren gingen???

Lasst uns mit den versöhnlichen Worten Charlie Chaplins schliessen:

«Die Jugend wäre eine viel schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme.»

Der Düdinger Franz Engel ist pensionierter Arzt und verbringt nun seine freie Zeit mit Fischen und dem Hüten der Enkelkinder. Als Gastkolumnist bearbeitet er im Auftrag der «Freiburger Nachrichten» in regelmässigem Rhythmus selbst gewählte Themen.

Gastkolumne

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