Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Verspannte Yoga-Lehrer und anderer Wahnsinn

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Ueli Strasser

Elektronische Musik live zu hören, ist ähnlich, wie Büchsenravioli zu kochen. Das Rohmaterial kommt aus der Konserve, man weiss, was einen erwartet, und mag es oder mag es nicht. Die kanadischen Elektropopper Caribou entsprechen dem ziemlich genau. Ihre Show ist einfach, der Sound so überraschend wie der wöchentliche Sonntag.

Einen verstörenden Auftritt legten früher am Abend Akron/Family hin. Ihre Kakofonie aus elektronisch zerschossenem Psycho-Rock veredeln sie mit meditativen Publikumsanimationen, welchen man nicht selten in spanischen Mittelklasse-Hotels begegnet.

Ästhetischer Wahnsinn

Wie man Wahnsinn ästhetisch und auch ohne Drogen geniessbar kanalisiert, zeigte das spanisch-englische Kollektiv Crystal Fighters. Ihr Techno-Folk lebt von der Verquickung typischer Dance-Elemente mit traditioneller baskischer Musik. Während man die Folklore freilich sorgfältig heraushören muss, fasziniert die Band durch ihre unbändige Energie. Dass die Songs auf der unvollendeten Oper des mental lädierten Grossvaters der Sängerin basieren, wird vom manischen Frontmann Sebastian Pringle recht authentisch umgesetzt. Da könnte künftig noch mehr Gutes kommen.

Um Kristian Matsson alias «The Tallest Man on Earth» vorzustellen, bemüht man einfach Bob Dylan. Der kleine (!) Schwede mit der grossen Stimme schrummelt auf seiner Gitarre rum, als ob der Computer noch nicht erfunden wäre. Musikalisch wirkt er damit im Programm wie ein Beduine am Nordpol. Einziges Manko des Auftrittes: das Publikum.

Mag sein, dass ein Elektro-Abend nicht das richtige Setting ist für einen Folk-Fan. Es ist dennoch jammerschade, dass Leute mit einer Aufmerksamkeitsspanne von 140 Zeichen nicht den Anstand finden, ihre lustigen und lautstarken Konversationen an einem anderen Ort zu führen als direkt vor der Bühne.

Enervierter Yoga-Lehrer

Den dramaturgischen Höhepunkt des Abends lieferte zweifellos Sumach Ecks alias Gonjasufi. Dass der Konzertbeginn wie ein Soundcheck tönt und ständig Tontechniker um die Band herumrobben, ist ein Hinweis auf Probleme. Statt seine Mitte zu finden, rappt der singende Yoga-Lehrer Schimpftiraden in Richtung Mischpult. Dass er nach einer Viertelstunde noch immer über die Helferlein klettern muss, steigert weder seine Laune noch das Niveau des Auftritts. Irgendwie wird dem Zuschauer nie ganz klar, ob das Konzert schon begonnen hat.

Während die Musik auf der Platte sehr differenziert wirkt, dröhnt die Band live konstant im Bereich zwischen Hardcore und Punk; Ecks’ geröchelter Sprechgesang variiert zwischen knapp und völlig daneben. Was er als Soundbrocken während der letzten Viertelstunde noch ins Publikum wirft, kann man am besten unter dem Titel «Ich und mein iMac – eine Provokation» zusammenfassen.

Je-ka-mi auf der Bühne

Die spannendsten Szenen spielen sich nach Ende des Auftrittes ab: Einem Fan, der sich Backstage geschlichen hat, gelingt es, die Band nochmals auf die Bühne zu lotsen. Der total verpeilte Ecks trennt sich von einer halbvollen Flasche Jack Daniels und malträtiert das Schlagzeug, während die Band zaghaft improvisiert.

Das zunehmend verunsicherte Bühnenpersonal beobachtet, wie ein weiterer Zuschauer die Bühne entert, Ecks die Drumsticks aus den Fingern nimmt und ihn zurück ans Mikrofon schickt. Der Jam fügt sich qualitativ nahtlos ans Setlist an. Auf jeden Fall ist dies genau das Gegenteil von Betty Bossy und der Grund, weshalb die Kilbi jedes Jahr von neuem fasziniert.

Mehr zum Thema