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Verzeihen – Akzeptieren, dass man etwas nicht bekommt

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wort zum sonntag

Autor: Hans Ulrich Steymans

Verzeihen – Akzeptieren, dass man etwas nicht bekommt

Der Erzähler der Samuelbücher schildert extrem knapp. «Natan antwortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben …» (2Sam 12,13). Wie schnell dem David vergeben wird, hat mich immer gestört. David hat so viel verbrochen: Batseba beobachten, die auf dem Dach ihres Hauses badet; sie zu sich befehlen, während ihr Ehemann Urija an der Front kämpft; an ihr Ehebruch begehen, sie schwängern, versuchen, Urija das Kind unterzuschieben, ihn umbringen lassen.

David, der König, soll doch mit gutem Beispiel vorangehen. Ich hätte mir eine härtere Haltung Gottes gewünscht. Stattdessen genügt das knappe Schuldbekenntnis: «Ich habe gegen den Herrn gesündigt». Auch der Bibel ist das zu wenig. Denn sie legt dem David zusätzlich den Busspsalm 51 in den Mund, «ein Psalm Davids, als der Prophet Natan zu ihm kam, nachdem sich David mit Batseba vergangen hatte».

Mit meinem Wunsch nach einer härteren Haltung gleiche ich dem Pharisäer im morgigen Sonntagsevangelium, der daran Anstoss nimmt, dass Jesus sich von einer Sünderin berühren lässt (Lk 7,19). Die beiden Lesungen (2Sam 12; Lk 7,36ff) laden dazu ein, sich über das Verzeihen Gedanken zu machen. Verzeihen bedeutet, sich etwas zu wünschen und dann zu akzeptieren, dass man es nicht bekommt.

Gott kann das viel besser als wir Menschen. Wir wünschen uns bisweilen eine härtere Haltung Gottes – vor allem gegenüber dem Unrecht anderer Menschen. Es fällt schwer zu akzeptieren, dass der Wunsch nach ausgleichender Gerechtigkeit nicht erfüllt wird.

Gott kann erstaunlich gut damit umgehen, dass er vom Menschen nicht bekommt, was er sich wünscht. Er hätte gewollt, dass David das Wort Gottes beachtet und tut, was Gott will. Stattdessen hat David «das Wort des Herrn verachtet und etwas getan, was ihm missfällt» (2Sam 12,9). Jesus belehrt den Pharisäer darüber, dass Gott sich von der Frau, die ihn berührt, zwar einen vollkommenen Lebenswandel gewünscht haben mag. Stattdessen hat Jesus aber Küsse, kostbares Salböl und viel Liebe bekommen. Gott kann also auch gut damit umgehen, dass er vom Menschen etwas anderes bekommt, als was er sich wünscht, das aber auch schön ist.

Wenn Menschen Gott und Jesus nachahmen möchten, dann haben sie sich zuerst darüber klar zu werden, was sie sich denn konkret wünschen: von anderen, von sich selbst, von Gott. Dann haben sie zu akzeptieren, dass sie es (manchmal oder auch oft) nicht bekommen. Versucht man das, kann man bemerken, dass man stattdessen etwas anderes bekommen hat, das auch schön ist.

Der Dominikaner Hans Ulrich Steymans ist Professor für Altes Testament und Biblische Umwelt an der Universität Freiburg und lebt im Kloster St. Hyazinth.

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