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Viel Ramsch für umme und ein bisschen Radsport

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Es waren gleich zwei bis über die Landesgrenzen hinaus bekannte Grossanlässe, die am Samstag dem doch eher verschlafenen Städtchen Freiburg Leben einhauchten. Nebst dem Musikantenstadl war auch die Tour de Romandie zu Gast. Ein kurzer Vergleich zeigt, dass es der Sportanlass mit dem, nennen wir es Musikanlass, in Sachen Popularität problemlos aufnehmen kann. Stadl-Star Andy Borg zieht mit seinen 50 700 Facebook-Likes klar den Kürzeren gegen Tour-Star Christopher Froome und dessen 104 000 Likes. Doch um die Fahrer geht es für die durchaus zahlreich erschienenen Zuschauer eigentlich nur am Rande. In erster Linie ist die Tour de Romandie ein grosser Wanderzirkus.

 

 Die Fahrer der Tour sind jedes Jahr auf Freiburger Boden zu sehen, mal länger, mal weniger lang. Dass Freiburg wie am Samstag aber gleich Start- und Zielort ist, ist aussergewöhnlich. Das Perolles im Zentrum der Radwelt. Grund genug, neben dem Zielgelände ein Tourdorf einzurichten. Dieses Tourdorf ist eigentlich dafür vorgesehen, den Anlass in der Stadt Freiburg zu einem «Volksfest» werden zu lassen, wie die Organisatoren bereits vor Wochen betonten. Doch die Tische bleiben leer, die Bratwürste brutzeln unbeachtet vor sich hin. Man kann sich vorstellen, wie hier Männer und Frauen verweilen, gemeinsam ihr Bier trinken und sich dazu das Rennen auf der Grossleinwand anschauen. Doch Bise und ein durch und durch unwirtliches Wetter sorgen für eine andere Realität. Das Tourdorf erinnert eher an einen Urlaubsort in der Nebensaison. Irgendwie desillusionierend. Guter Nährboden für Melancholie.

 

 Doch die meisten Menschen können mit Melancholie nichts anfangen. Ihr Rezept dagegen ist am Samstag die pure Sammelwut. Von einem Markt unterscheidet sich das Tourdorf in erster Linie dadurch, dass es vieles gratis gibt. Die Stände gehören vor allem den Sponsoren, die ihren Auftritt für Werbung nutzen. Kaum ein Stand, an dem sich nicht etwas gewinnen lässt. Wer mit Bällen auf Kuhglocken wirft, kann einen Hut gewinnen, wer möglichst schnell auf blinkende Helme schlägt ein T-Shirt. Man kann Glücksräder drehen, mit einer Greifzange Geschenke herausfischen oder um die Wette pedalen. Pech hat nur, wer etwas verkaufen will. Egal, ob für Veloleibchen oder Cornichons, wer Geld für sein Produkt verlangt, verbringt einen einsamen Tag.

 

 Wer sollte auch etwas kaufen wollen an einem Anlass, an dem ein Werbeauto im Fahren aus heruntergelassenen Fenstern mit Wein gefüllte Becher an die Zuschauer verteilt? Selbst wer zu faul ist, sich mit einfachen Spielen einen Gewinn einzuheimsen, wird mit Geschenken eingedeckt. Es reicht, am Strassenrand zu stehen, um Hüte, Kugelschreiber, Fähnchen, die gute alte, aus der Wrestlingszene bekannte überdimensionierte Schaumgummihand oder ein an einem Bändchen befestigtes Glöckchen zu erhalten. Lauter Dinge, die am gleichen Abend im Papierkorb landen. Unglaublich, was sich sich selbst gestandene Erwachsene alles andrehen lassen. Hauptsache, für umme! Viele Leute nutzen eine geschenkte Tasche dazu, alle weiteren Gratisartikel darin zu verstauen. Manchmal müssen sie nicht einmal die Hand ausstrecken, um beschenkt zu werden. Kurz vor der Zieleinfahrt schickt ein Sponsor aus der Versicherungsbranche ein halbes Dutzend Mitarbeiter los, um den Zuschauern am Seitenrand die Hüte gleich höchstpersönlich auf den Kopf zu setzen und die Schals um den Hals zu binden. Als wären es Schaufensterpuppen. Alles im penetranten Grün des Sponsors gehalten. Arme Fernsehzuschauer.

 

 Letztlich sind die ganzen Gratis–artikel eine Entschädigung dafür, dass der Radsport für Livezuschauer einer der unattraktivsten Sportarten ist und bleibt. Zu schnell flitzen die Athleten vorbei. In der zweitletzten Runde wollte meine Freundin nur noch schnell eine Quizduell-Frage auf ihrem Handy beantworten. Schon war die Ausreissergruppe vorbei (und die Antwort erst noch falsch). Die Veranstalter haben in diesem Jahr mit dem neuartigen Rundkurs eigentlich alles richtig gemacht. Alle 40 Minuten flitzten die Fahrer vorbei, sechsmal insgesamt. Aber auch sechsmal drei Sekunden Action sind eben immer noch nicht viel …

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