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Viele Pavatex-Arbeiter noch auf Jobsuche

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ende letztes Jahr erhielten die 47 in der Produktion tätigen Mitarbeiter des Isolierplattenherstellers Pavatex in Freiburg die Kündigung (die FN berichteten). Nach der dreimonatigen Kündigungsfrist Ende März richteten Pavatex und der Wohlfahrtsfonds der Pensionskasse eine weitere, einmalige Zahlung an diejenigen Mitarbeiter aus, die noch keine Stelle gefunden hatten: Es waren deren 36.

Spezialisten für eine Arbeit

Im Fall der Firma Pavatex gebe es mehrere Faktoren, welche die Stellensuche für die Mitarbeitenden erschwerten, sagt Charles de Reyff, Chef des kantonalen Amts für den Arbeitsmarkt. Eine erste Hürde sei das Tätigkeitsfeld. «Die Produktion umfasste manuelle Berufe ohne wirkliche Ausbildung.» Zudem seien viele der Pavatex-Angestellten während zehn, zwanzig oder gar dreissig Jahren für das Unternehmen tätig gewesen. «In die- ser Zeit sind sie zu Spezialisten geworden für eine oder we- nige Arbeiten, ohne sich jedoch auch in anderen Bereichen weiterzubilden.» Der langjährige Verbleib am selben Arbeitsort habe auch einen Einfluss auf die Stellensuche. «Wer sich so lange nicht mehr bewerben musste, weiss nicht mehr, wie man eine Bewerbung schreibt, einen Lebenslauf aufbaut oder sich auf ein Gespräch vorbereitet», erklärt de Reyff. Hinzu kom- me das Alter: Bei Personen unter 25 Jahren rechne das Amt für den Arbeitsmarkt durchschnittlich mit einer Suchzeit von 100 Tagen. Bei den 25- bis 45-Jährigen sind es bereits 200 Tage, Personen, die über 45 Jahre alt sind, müssen sich auf eine noch längere Arbeitssuche gefasst machen.

Vergleichbar mit Boxal

Von den verschiedenen Massenentlassungen und Konkursen der letzten Jahre sei das Aus der Firma Boxal im Mai 2013 am ehesten mit Pavatex vergleichbar, sagt de Reyff: Auch die im Aluminiumbereich tätige Firma habe viele langjährige, kaum ausgebildete Angestellte entlas- sen müssen, insgesamt 54. Heute seien noch etwa zehn Personen bei den RegionalenArbeitsvermittlungszentren(RAV) eingeschrieben, die als letzte Arbeitsstelle Boxal angegeben haben. Solche Zahlen seien aber mit grosser Vorsicht zu geniessen, betont Charles de Reyff. Niemand sei gezwungen, sich bei den RAV als arbeitslos zu melden. Auch sei es möglich, dass Personen, die frühpensioniert wurden, trotzdem weiter auf der Suche nach Arbeit seien. Und schliesslich könne es auch sein, dass Personen, die Boxal als letzten Arbeitsplatz eingetragen haben, bereits vor der definitiven Schliessung den Betrieb–freiwillig oder unfreiwillig–verlassen hätten. «Über präzise Zahlen, wie viele dieser Leute eine neue Stelle gefunden haben, verfügen wir nicht.»

«Ein gutes Resultat»

Beim Fotopapierhersteller Ilford in Marly, der Ende 2013 Konkurs anmelden musste, verloren insgesamt etwa 220 Personen ihre Stelle. Momentan sind noch etwa 40 Personen als arbeitslos gemeldet–auch diese Zahlen seien jedoch nicht unbedingt präzise, so de Reyff. Dass nach einem guten Jahr nur noch 30 Prozent der Entlassenen als arbeitslos gemeldet seien, sei «ein gutes Resultat». Im Gegensatz etwa zu Pavatex und Boxal habe bei Ilford eine grössere Breite von Tätigkeitsfeldern bestanden, zudem habe es neben den kaum ausgebildeten auch viele hoch qualifizierte Arbeitskräfte gegeben, die schnell eine neue Arbeit gefunden hätten.

Keine Zahlen kann Charles de Reyff für die Wifag-Polytype-Gruppe nennen. Die im Dezember 2013 und im September 2014 angekündigten Massenentlassungen von je 50 Angestellten seien teilweise moderater ausgefallen; manche Mitarbeiter seien von anderen Einheiten innerhalb der Gruppe übernommen worden. Eine genaue Auflistung sei deshalb nicht möglich. «Polytype ist aber sehr engagiert, was die Ausbildung betrifft; das erleichtert eine Arbeitssuche», erklärt de Reyff.

Bei der Schliessung der Zeitungsdruckerei der St. Paul Holding AG Ende 2014 gingen 21 Stellen verloren, die sich 50 Personen geteilt hatten. Wie das Unternehmen damals verkündete, habe sich mit Umschulungen, Frühpensionierungen, Pensionierungen und Weiterbeschäftigungen innerhalb der St. Paul Holding AG für fast alle Angestellten eine Lösung finden lassen.

Neue Produkte herstellen

Im Kanton Freiburg gebe es einen Trend hin zur Desindustrialisierung, sagt Charles de Reyff. Dies könne die Arbeitssuche für kaum ausgebil- dete Arbeitskräfte erschweren. Dennoch findet er es nicht falsch, dass der Kanton etwa mit dem Technologiepark Blue Factory in der Stadt Freiburg neue Arbeitsstellen für hoch qualifizierte Personen fördert. «Wenn die Start-ups neue Produkte entwickeln, ist es si- cher nicht der Ingenieur, der diese anschliessend herstellen wird.» Als wichtig erachtet er auch die Ausbildung der zukünftigen Arbeitskräfte. «Mit dem dualen Bildungssystem sind wir auf dem richtigen Weg», ist er überzeugt.

Nicht die Aufgabe des Kantons sei es hingegen, Produkte zu unterstützen, die auf dem Markt nicht mehr gefragt seien. Natürlich sei es tragisch, wenn Firmen deswegen Stellen abbauen oder gar Konkurs anmelden müssten. «Es ist aber viel besser, in die Ausbildung der Angestellten zu investieren als in ein Produkt, das am Ende seines Lebenszyklus ist.» So etwa geschehen bei Pavatex: Um die entlassenen Angestellten auf die Stellensuche vorzubereiten, hätten die Arbeitslosenversicherung und das RAV in einen Grundkurs und ein individuelles Coaching investiert. Kostenpunkt: insgesamt 80 000 Franken. «Das macht mehr Sinn, als das Geld in eine Firma zu investieren, die ihre Produkte nicht mehr verkaufen kann.»

Eurokurs: Bis jetzt nicht mehr Arbeitslose

I m März waren im Kanton Freiburg 4669 Personen als arbeitslos gemeldet, 434 weniger als im Februar. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 3,1 Prozent. «Die Zahlen bewegen sich im normalen Rahmen», sagt Charles de Reyff, Chef des Amts für den Arbeitsmarkt. Noch seien zwar keine Auswirkungen des starken Frankens auf die Arbeitslosenzahlen zu spüren, «aber wir sind nicht blind: Es bewegt sich etwas.» Denn seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses seien die Anfragen für Kurzarbeit gestiegen. Im März wurden 15 Gesuche bearbeitet, die elf Unternehmen eingereicht haben. Sechs erhielten eine Bewilligung, um für 194 Angestellte Kurzarbeit einzuführen. Diese Firmen sind in der Industrie und im Druckgewerbe tätig. «Vom starken Franken sind aber nicht nur Exportfirmen betroffen, sondern auch Zulieferer, die nicht direkt mit dem Euro zu tun haben», so de Reyff. rb

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