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«Viele Schätze der Museumssammlung können international mithalten»

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«Viele Schätze der Museumssammlung können international mithalten»

Autor: Carole Schneuwly

Eine Zürcherin, eine Freiburgerin und ein Walliser leiten die Geschicke des Museums für Kunst und Geschichte Freiburg. Die FN haben Direktorin Verena Villiger, Vizedirektorin Caroline Schuster und Konservator Stephan Gasser zum Gespräch getroffen.

Sie alle haben mit dem Museum für Kunst und Geschichte schon länger zu tun. Was bedeutet es Ihnen?

Verena Villiger: Es ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Mit 18 Jahren habe ich hier ein Praktikum gemacht, und 1991 kehrte ich zurück, weil mich das Haus und seine eng mit der Stadt Freiburg verbundene Sammlung immer noch faszinierten. Die Sammlung birgt viele Schätze, die international mithalten können. Dabei denke ich an den spätmittelalterlichen Sammlungsteil, aber auch an Werke von Marcello, Jean Tinguely oder Niki de Saint Phalle. Das Museum für Kunst und Geschichte Freiburg nimmt unter den Schweizer Kunstmuseen eine Sonderstellung ein: Während sich die meisten anderen Museen auf das 19. und 20. Jahrhundert konzentrieren, spielen bei uns auch Mittelalter und Frühmoderne eine wichtige Rolle.

Caroline Schuster: Auch für mich war das Museum bereits als Jugendliche wichtig. Ich habe damals in der Aufsicht und an der Rezeption gearbeitet. Nach meinem Studium und einer Anstellung am Museum Neuhaus in Biel bin ich 2001 als Direktionsadjunktin zurückgekommen – mit einem neuen Blick, der es mir erlaubte, die reiche Sammlung und die Zweisprachigkeit in Freiburg noch mehr zu schätzen.

Stephan Gasser: Ich hatte den ersten Kontakt mit dem Museum während meines Studiums der Kunstgeschichte an der Uni Freiburg. Näher kennengelernt habe ich es im Rahmen eines Forschungsprojektes des Museums und der Universität über die Freiburger Plastik in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, an dem ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter beteiligt war. Da habe ich die vielfältige Sammlung und das angenehme Umfeld noch mehr schätzen gelernt.

Welches ist Ihr Lieblingsort, Ihr Lieblingsstück im Museum?

Villiger: Mir gefallen mehrere Säle des neu gestalteten Ratzéhofs, besonders zum Beispiel das kleine, grüne Rokoko-Kabinett mit seiner Intimität und Eleganz. Zu den Lieblingsstücken gehören die Gemälde von Hans Fries, etwa der heilige Christophorus aus der Dauerausstellung.

Schuster: Ein Lieblingsort von mir ist der Museumsgarten. Als Lieblingsobjekt denke ich spontan an eine Skulptur von Marcello, vielleicht die Pythia. Aber ich mag auch die mittelalterlichen Skulpturen und die Reliefs von Niki de Saint Phalle im Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle.

Gasser: Ich finde den Ratzéhof in seiner unaufgeregten Art sehr schön. Und wenn ich etwas aus der Sammlung mitnehmen könnte, dann würde ich eine Skulptur des «Meisters der grossen Nasen» wählen. Den knorrig-lebendigen Ausdruck seiner Figuren finde ich originell.

Wo sehen Sie in den kommenden Jahren die Handlungsschwerpunkte für das Museum?

Villiger: Meine Vision für das Museum geht stark von der Sammlung aus. Der grösste Teil davon lagert in Depots und ist für das Publikum unsichtbar. Diese reiche Sammlung möchte ich beackern, erforschen und zum Leben bringen – und sie schliesslich auch der Öffentlichkeit zugänglich machen, etwa in Wechselausstellungen. Parallel dazu soll natürlich Raum bleiben für externe Ausstellungen.

Schuster: Mich beschäftigen im Moment vor allem die Sonderausstellungen des Jahres 2010. So werden wir im Frühling erstmals einen breiten Einblick in unsere grafische Sammlung zeigen, und für Ende 2010 ist im Espace Jean Tinguely eine Bernhard-Luginbühl-Ausstellung geplant. Langfristig ist die Verbesserung der Vermittlung ein wichtiges Thema. So wollen wir neues Zielpublikum wie Jugendliche, Behinderte oder Senioren ansprechen, etwa indem wir mit spezialisierten Institutionen zusammenarbeiten.

Gasser: Ich bin mit zwei grossen Projekten beschäftigt: einerseits einer grossen Ausstellung und einer Publikation zu den Freiburger Skulpturen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die für Ende 2011 geplant sind, andererseits der Inventarisierung der Sammlung und der Neuordnung der Depots.

Sie sprechen die Inventarisierung der Bestände an, die das Museum seit Anfang 2008 gezielt vorantreibt, mit dem Fernziel, dereinst die gesamte Sammlung in einem zentralen Depot unterzubringen …

Villiger: Das ist auch dringend nötig, und der Staatsrat hat sich verpflichtet, auf die kommende Legislatur hin eine Lösung zu finden. Dass wir in diesem Bereich besonders Gas geben, entspricht einer allgemeinen Entwicklung in der nationalen und internationalen Museumslandschaft: Lange haben sich die Museen auf ihre «Ausstellungsmaschinerie» konzentriert und darob die Sammlungen ins Hintertreffen geraten lassen. Jetzt legen viele Museen wieder mehr Gewicht auf ihre Sammlungen. Damit kommen sie ihren Kernaufgaben nach, wie der Internationale Museumsrat ICOM sie definiert hat: Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln. Diese Leitlinien gelten auch für unser Museum: Auch wenn wir nach neuen, frischen Formeln suchen, bleibt der Inhalt ungefähr der gleiche. Wir wollen das Publikum mit interessanten Wechselausstellungen ansprechen, aber diese Ausstellungen sollen nachhaltig sein, es soll etwas davon bleiben.

Das bedingt viel Planungsarbeit.

Villiger: Ja, wir planen unser Ausstellungsprogramm auf bis zu zehn Jahre hinaus. Diesen Zeitraum braucht es, um Kontakte knüpfen und ausgewogen planen zu können. Hinsichtlich weiterer Projekte könnte ich mir zum Beispiel vorstellen, zum 200-Jahr-Jubiläum im Jahr 2023 die Geschichte des Museums aufarbeiten zu lassen, aber so etwas braucht viel Zeit.

Schuster: Sogar für kleinere Ausstellungen braucht es eine langfristige Planung. Für die Ausstellungen von Freiburger Kunstschaffenden, wie wir sie einmal pro Jahr durchführen, gibt es eine Warteliste bis ins Jahr 2020 …

Dann dürfen Sie zum Schluss noch einen Wunsch für die nähere Zukunft des Museums äussern …

Schuster: Ich wünsche mir, dass unsere Öffentlichkeitsarbeit Früchte trägt und das Museum bei der Bevölkerung noch besser verankert wird.

Villiger: Ich wünsche mir ein Museum für alle, das auf eine gute Art populär und zugänglich ist und das nachhaltig arbeitet.

Gasser: Populär soll es sein, aber nicht populistisch-anbiedernd. Ich möchte mit unserem Angebot möglichst alle Bevölkerungsgruppen ansprechen, vom Kind bis zum Wissenschaftler.

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