Volleyball 09.03.2018

Ein Abstieg hätte weitreichende Folgen

Für die jungen Freiburger Volleyballerinnen steht die sportliche Zukunft auf dem Spiel.
Die NLB-Volleyballerinnen des VBC Freiburg stecken in argen Abstiegsnöten. Eine Relegation hätte nicht nur für den Verein negative Folgen, sondern auch für die Volleyball-Akademie und den NLA-Partnerclub Düdingen.

Den Freiburger Volleyballerinnen läuft es in der NLB gar nicht rund. Nicht nur haben sie die angestrebten Playoffs verpasst, inzwischen sind sie in der Abstiegsrunde gar ans Tabellenende gefallen. Am Dienstag hat der Verein auf die sportliche Misere reagiert. Trainer Philip Gaba­thuler wurde durch Romeu Filho ersetzt, und mit Tamara Kmezic hat man eine kroatische Aussenangreiferin engagiert. «Wir wollen auf keinen Fall absteigen und unternehmen alles, was in unserer Macht steht, um die Relegation zu verhindern», sagte Vereinspräsident Adrian Schneider.

Noch ist der Abstieg der Freiburger Volleyballerinnen nicht Tatsache. Drei Meisterschaftsrunden blieben ihnen noch, um sich zu retten. Doch was, wenn es nicht gelingt? Ein Scheitern hätte nicht nur für den VBC  Freiburg gravierende Folgen, sondern auch negative Konsequenzen für die Volleyball-Akademie Freiburg und den NLA-Verein Düdingen.

In Freiburg künftig weder NLB noch 1. Liga

«Im Falle eines Abstiegs würden wir das Team zurückziehen und nächste Saison keine 1.-Liga-Mannschaft stellen», sagt Adrian Schneider. «Es gibt genug Freiburger 1.-Liga-Teams, da wollen wir nicht noch zusätzlich konkurrieren.»

Ohne NLB- und ohne 1.-Liga-Team würde Freiburg in den Niederungen des regionalen Frauenvolleyballs versinken. Die zweite Mannschaft ist aktuell nur in der 3. Liga vertreten. Für den traditionsreichen VBC Freiburg eine Kata­strophe mit womöglich fatalen Auswirkungen: Der Club könnte seinen ambitionierten Spielerinnen keine attraktiven Perspektiven mehr bieten. Die Talente würden Freiburg den Rücken kehren und zu einem Verein wechseln, wo sie in höheren Ligen spielen könnten.

«Müssten einen anderen Partnerclub suchen»

Ein Abstieg des VBC Freiburg würde sich auch auf den NLA-Verein TS Volley Düdingen auswirken. Die beiden Vereine haben in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet und dank Doppellizenzen Spielerinnen zwischen der 1. Liga, der NLB und der NLA ausgetauscht. So spielt die Düdingerin Mona Rottaris momentan in Freiburg in der NLB, wo sie Erfahrungen sammeln kann, um dereinst den Sprung zu den Power Cats in die höchste Schweizer Liga zu schaffen. Auch die jetzigen NLA-Spielerinnen Flavia Knutti und Francine Marx haben den VBC Freiburg als Sprungbrett genutzt und ihre Sporen in der Hauptstadt abverdient.

Dank der Zusammenarbeit können einige NLB-Spielerinnen bei Düdingen mittrainieren und so etwas NLA-Luft schnuppern. Zudem können jene Volleyballerinnen, die nach einer Verletzung noch nicht ihr gewohntes Niveau erreicht haben oder sich sonst in einem Leistungstief befinden, beim Partnerverein eine Liga tiefer Spielpraxis sammeln und ihre Form wieder aufbauen. «Wir bieten den Spielerinnen die Möglichkeit, in einem bestimmten Rahmen Erfahrungen zu sammeln und sich zu entwickeln», sagt Düdingens Präsident Christian Marbach. Es sei eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. «Wir würden bedauern, wenn Freiburg nächste Saison nicht mehr in der NLB wäre. In diesem Fall müssten wir nach einem an­deren Partnerclub Ausschau ­halten.»

Eine Option wäre Köniz, das sich Ende Saison freiwillig aus der höchsten Liga zurückzieht. «Ja, das wäre eine Möglichkeit», sagt Marbach. Er habe mit dem Präsidenten von Köniz diesbezüglich einmal ein unverbindliches Gespräch geführt. «Mit welchem Verein wir nächstes Jahr zusammenarbeiten, hängt von vielen Faktoren wie Liga, Trainer, Spielerinnen, Trainingszeiten und so weiter ab. Vielleicht bleibt auch alles, wie es ist, wenn Freiburg den Ligaerhalt schafft.»

Das Aus für die Volleyball-Akademie?

Auf einen Klassenerhalt des VBC Freiburg hofft auch Florian Steingruber von der Volleyball-Akademie Freiburg. Die VAF – ein privat geführtes Ausbildungszentrum – bietet den Nachwuchstalenten als Ergänzung zu den Trainingseinheiten im Verein wöchentlich vier bis fünf Spezialtrainings an. Damit schliesst die Akademie eine Lücke in der Freiburger Nachwuchsförderung für Volleyballerinnen ab sechzehn. Swiss Volley Region Freiburg fördert den kantonalen Nachwuchs in seiner Talent­school bis Ende der obligatorischen Schulzeit.

Als Partner der Akademie fungiert der VBC Freiburg. Er sichert der Akademie Plätze in seinem NLB-Team zu, damit die Spielerinnen des Ausbildungszentrums auf hohem Niveau spielen können. Freiburg stellt seine Halle zur Verfügung und unterstützt die Akademie finanziell. «Wir engagieren uns mit 60 000  Franken am Projekt», sagte Freiburgs Präsident Adrian Schneider, als das ganze Projekt im Jahr 2015 lanciert wurde. «Das ist der Betrag, den wir normalerweise in unsere 1. Mannschaft einfliessen lassen. Ich investiere das Geld lieber in den Schweizer Nachwuchs als in ausländische Spielerinnen.»

Sollte Freiburg aus der NLB absteigen, würden der Akademie die Unterstützungsbeiträge des Stadtvereins wegfallen. «Daran will ich gar nicht denken. Das wäre eine Katastrophe für uns», sagt Florian Steingruber, der mit seinem Ausbildungszentrum bereits heute mit finanziellen Problemen kämpft. «Von Swiss Volley Region Freiburg werden wir nur mit lächerlichen 3500  Franken unterstützt. Ich hoffe, dass es irgendwie weitergeht. Die Akademie ist ein wichtiges Sprungbrett für die jungen Spielerinnen. Wenn es fehlen würde, wäre das ein herber Verlust für den Freiburger Volleyball. Die guten Spielerinnen würden alle weggehen und in anderen Kantonen spielen.»

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Beim VBC Freiburg, beim TS Volley Düdingen und bei der Volleyball-Akademie drückt man den Freiburger NLB-Spielerinnen die Daumen, dass sie den Turnaround noch schaffen. Am Sonntag spielen die Saanestädterinnen beim punktgleichen Giubiasco (17.30  Uhr), dann folgen noch die Partien gegen das ebenfalls punktgleiche Glaronia und das drittplatzierte Steinhausen. Die zwei Letztplatzierten der acht Teams in der Relegationsrunde müssen direkt absteigen, die Mannschaften auf den Rängen fünf und sechs kämpfen in der Barrage mit zwei 1.-Liga-Vertretern um den Verbleib in der NLB. «In den restlichen Partien müssen wir mindestens sechs Punkte holen», fordert Präsident Adrian Schneider. «Damit wären wir zumindest in der Barrage. Und da sollten wir gegen die 1.-Liga-Teams mit unserer Klasse und Erfahrung den Ligaerhalt schaffen.»

«Daran will ich gar nicht denken. Das wäre eine Katastrophe für uns.»

Florian Steingruber

Trainer Volleyball-Akademie FR

«Im Falle eines Abstiegs würden wir das Team zurückziehen und keine 1.-Liga- Mannschaft stellen.»

Adrian Schneider

Präsident VBC Freiburg