Volleyball 17.10.2020

Wieder mittendrin statt nur dabei

Kann wieder voll angreifen: Elena Steinemann.
Wegen einer Blessur fiel Elena Steinemann fast die ganze letzte Saison aus. Jetzt kann die Aussenangreiferin vom TS Volley Düdingen wieder selber Bälle schlagen statt nur ihre Teamkolleginnen anzufeuern.

So hatte sich Elena Steinemann ihr erstes Jahr beim TS Volley Düdingen gewiss nicht vorgestellt. In der fünften Partie der Saison 2019/20 zog sich die 25-jährige Aussenangreiferin eine komplexe Verletzung am Sprunggelenk zu. «Am Anfang wurde die Verletzung unterschätzt und ich hatte das Gefühl, dass ich nach zwei Wochen wieder auf dem Platz stehen kann. Dann aber hat es sich immer wieder in die Länge gezogen», blickt die Frauenfelderin zurück. Als sie schliesslich im Playoff-Halbfinal wieder einsteigen wollte, wurde die Meisterschaft wegen der Coronavirus-Pandemie abgebrochen. «Das war schon sehr unglücklich.» Mit den stetigen Rückschlägen umzugehen, sei schon sehr schwierig gewesen, sagt Steinemann. «Aber schlussendlich blieb mir nichts anderes übrig, als weiterzuarbeiten. Ich konnte in der Reha sehr viel Krafttraining machen. Ich hatte immer etwas zu tun. Langweilig wurde es mir jedenfalls nicht.»

Jetzt ist Steinemann einfach nur froh, wieder beschwerdefrei zu sein und mitspielen zu können – auch wenn sie während ihrer Verletzung versucht hat, trotzdem ihren Teil zum Teamerfolg beizutragen. «Ich sass jeweils auf der Bank neben dem Trainerassistenten und habe das Spiel beobachtet. Als Spielerin habe ich eine andere Sicht und konnte dadurch Inputs geben.» So habe sie sich dennoch ins Teamleben involviert gefühlt. «Ich konnte mich trotz der Verletzungspause einbringen, sei es auch nur mit einem ermutigenden Wort.»

Keine Anlaufzeit nötig

Auf die Frage, ob sie aufgrund ihrer langen Absenz auf dem Spielfeld ihre Rolle im Team erst noch finden müsse, sagt Steinemann: «Das empfinde ich nicht so. Ich konnte ja letzte Saison die ganze Vorbereitung mitmachen. Die Vorbereitungszeit ist eine wichtige Phase. Aber natürlich ist es nicht so, als hätte ich eine ganze Saison hinter mir. Und dennoch habe ich das Gefühl, dort weiterzumachen, wo ich mit der Verletzung aufgehört habe.»

Hilfreich dabei ist, dass es im Kader der Düdingerinnen über den Sommer kaum Wechsel gegeben hat. «Es kamen nur drei neue Spielerinnen, das ist aus meiner Erfahrung sehr wenig», erklärt Steinemann. «Nicole Eiholzer kannte ich schon als Beachvolleyball-Partnerin und die Ausländerinnen Trine Kjelstrup und Rachel Giustino sind bereits sehr gut integriert.» Dass es in einem Klub einen so grossen Kern an Schweizer Spielerinnen gibt, sei ziemlich ungewöhnlich. «Ich habe jedenfalls noch nie in einem Team gespielt, in dem sich so viele Schweizerinnen schon so lange kennen. Wir alle kommen auch neben dem Platz sehr gut miteinander aus.»

Dennoch brauche es noch etwas Zeit, bis die Chemie auch im Wettkampf stimme. «Mit jedem Spiel lernen wir uns besser kennen.» Dabei denkt Steinemann insbesondere an die beiden neuen Ausländerinnen, die sich charakterlich von den zwei eher zurückhaltenden Bulgarinnen der letzten Saison unterscheiden. «Jede Person hat einen anderen Charakter. Trine und Rachel sind sehr offen und kommunikationsfreudig, das merkt man schon.» Speziell Giustino sei wie alle Amerikanerinnen eine Teamplayerin, die ihre Mitspielerinnen wahnsinnig pushe. «Das ist eine Mentalität, die ‹fägt›, wie ich finde. Und Trine bringt viel Erfahrung mit.»

Ambitioniert und ehrgeizig

Das Team der Saison 2020/21 des TS Volley Düdingen ist mit einem klaren Heimsieg gegen Genf und einer Tiebreak-Niederlage in Neuenburg in die Meisterschaft gestartet. «Mit der Teamleistung im ersten Spiel bin ich sehr zufrieden. Es war die erste Partie seit langer Zeit, ein neues Team und das erste Spiel vor Heimpublikum», hält Steinemann fest. «Nach der Niederlage in Neuenburg war Frust vorhanden. Aber rückblickend muss ich sagen, dass wir viele Dinge, an welchen wir in der Woche zuvor gearbeitet hatten, gut umsetzen konnten.» Diese Fortschritte gelte es mitzunehmen, auch wenn der unnötigerweise verlorene erste Satz in Neuenburg und die Tatsache, dass im Tiebreak ein Vorsprung aus den Händen gegeben wurde, nicht schöngeredet werden könne, so Steinemann.

Der Ehrgeiz bei den Düdingerinnen und Steinemann ist gross und die Ziele hoch angesetzt. «Klar, wir wollen um die Medaillen mitspielen. Und letztlich geht es immer um den Titelgewinn.» Man müsse aber realistisch bleiben und schauen, wie die Saison läuft, erklärt Steinemann. «Zudem kennen wir noch nicht alle Gegner. Unsere Chancen objektiv einzuschätzen, ist deshalb momentan noch schwierig. Aber mein Gefühl sagt mir, dass für uns sehr viel möglich ist – auch der Titel.»

Heimspiel gegen Val-de-Travers

Klar ist, dass ein Team mit solchen Ansprüchen wie der TS Volley Düdingen ein Heimspiel wie das von heute gegen Val-de-Travers gewinnen muss (17.30 Uhr, Turnhalle Leimacker). «Wir dürfen den Gegner aber sicherlich nicht unterschätzen. Auch Val-de-Travers hat etwas auf dem Kasten. Es liegt an uns, unser Spiel durchzuziehen.»

«Ich konntemich trotz der Verletzungspause einbringen, sei es auch nur mit einem ermutigenden Wort.»

Elena Steinemann

Spielerin TS Volley Düdingen