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Voltaire, Dumas und die Murtenlinde

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Von der Murtenlinde bis zur Kirche St. Theres und vom spätgotischen Bürgerhaus bis zum Musikpavillon auf dem Georges-Python-Platz reicht die thematische Bandbreite der siebten Serie der Architekturblätter zur Stadt Freiburg. Die inhaltliche Vielfalt ist kein Zufall: Das kantonale Amt für Kulturgüter will mit der 2001 lancierten Publikationsreihe ein möglichst breites Publikum ansprechen.

«Wir wollen die Informationen, die wir im Laufe unserer Arbeit zusammentragen, allen Interessierten zur Verfügung stellen», sagte der stellvertretende Amtsleiter Aloys Lauper am Montag vor den Medien. Die Merkblätter sollten so dazu beitragen, das Bewusstsein für die historische Bedeutung von Gebäuden zu wecken: «Bauwerke sind ein Teil der Politik-, der Gesellschafts- und der Kulturgeschichte.»

Geschichte und Legende

Wie die bisherigen Ausgaben besteht auch die siebte Serie aus acht Beiträgen. Diese umfassen zwischen vier und zwölf Seiten mit Texten, Illustrationen, Quellen- und Literaturangaben. Der umfangreichste Beitrag widmet sich für einmal nicht einem Gebäude, sondern dem bekanntesten Baum des Kantons: der Murtenlinde. Der Historiker Ivan Andrey befasst sich einerseits mit den historischen Fakten rund um die Linde und andererseits mit der Legendenbildung im Zusammenhang mit der Murtenschlacht.

Heute existiere die Murtenlinde doppelt, so Andrey: als Skulptur am ursprünglichen Standort und als Baum auf dem Rathausplatz, unmittelbar daneben. Die Geschichte ist den meisten bekannt: 1985 fuhr ein Lastwagen die bereits geschwächte Linde um. An ihrem Standort auf der Alpenstrasse steht seit 1989 die Skulptur «Der Murtenläufer» von Emile Angéloz und Bruno Baeriswyl. Unmittelbar daneben, auf dem Rathausplatz, wurde ein Abkömmling der Linde gepflanzt, der schon seit 1974 am Botanischen Institut der Universität Freiburg herangezogen worden war.

Darüber hinaus zeigt Andrey in seinem Beitrag viele Hintergründe und bisher unbekannte Details auf. So beschreibt er, wie die Linde 1470 exakt an der Grenze zwischen drei Quartieren gepflanzt wurde und dort bis zum Ende des Ancien Régime einen sogenannten «Rechtsort» markierte: Im Rathaus tagten die Gerichte, unmittelbar daneben hatte die Stadtwache ihren Sitz, und gegenüber befanden sich das «Trüllhüsli», in dem Kleinkriminelle durch Rotation bestraft wurden, und der «Stock», in dem Verurteilte der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Weiter erklärt Andrey die Ursprünge der Legende um den Murtenläufer, der 1476 mit einem Lindenzweig in der Hand die Kunde vom Sieg in der Schlacht bei Murten nach Freiburg gebracht haben soll. Da die Linde schon einige Jahre vor der Schlacht gepflanzt wurde, kann die Legende nicht den Tatsachen entsprechen. Ihre Ursprünge gehen wahrscheinlich auf keinen Geringeren als Voltaire zurück, der 1755 erstmals einen Vergleich zwischen der Murtenschlacht und der Schlacht bei Marathon zog. Später trugen Persönlichkeiten wie der Enzyklopädist Denis Diderot und der Schriftsteller Alexandre Dumas zur Verbreitung der Legende bei, aus der 1933 der Murtenlauf entstehen sollte.

Durch die Jahrhunderte

Zwei weitere Blätter der neuen Serie reichen ins Mittelalter zurück: eines über das Haus an der Alten Brunnengasse 31, dessen Ursprünge im 13. Jahrhundert liegen und in dem im 18. Jahrhundert die Malerfamilie Hacoult Wohnsitz nahm, und eines über das Haus an der Samaritergasse 16, gebaut im frühen 15. Jahrhundert von der Familie Reyff-Studer. In den übrigen Beiträgen geht es um das Cardinal-Eishaus in der Neustadt aus den 1890er-Jahren, das 1905 von der Schweizerischen Volksbank errichtete Gebäude an der Bankgasse, die Demarta-Villa an der Daillettes-Strasse aus dem Jahr 1912, die Entstehungsgeschichte des Musikpavillons auf dem Python-Platz (1886–1932) und die Kirche St. Theres (1965–66).

Zahlen und Fakten

Zurück zum Jahresrhythmus

Die erste Serie der Architekturblätter zur Stadt Freiburg ist 2001 herausgekommen. Ursprünglich sollte danach jedes Jahr eine weitere achtteilige Serie erscheinen. Zuletzt ist das Amt für Kulturgüter damit aber in Verzug geraten: Die sechste Serie ist zwar auf 2006 datiert, aber erst 2008 erschienen. Seither gab es eine Pause: Einerseits sei das Amt mit anderen Publikationen beschäftigt gewesen, andererseits habe es personelle Wechsel gegeben, erklärte Aloys Lauper am Montag. Mit der soeben vorgestellten siebten Serie wolle man aber zum Jahresrhythmus zurückkehren und 2014 die nächste Serie vorstellen. Ein Thema soll dann die ehemalige Brauerei Cardinal sein. Die Architekturblätter entstehen in Zusammenarbeit mit dem Amt für Archäologie, der Kantons- und Universitätsbibliothek, dem Staats- und dem Stadtarchiv.cs

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