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Vom Brotregal in den Schweinetrog

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Es war ein imposanter Haufen, der sich am Mittwoch kurz vor dem Mittag auf dem Lagerplatz der Trocknungs­genossenschaft Tafers befand. Wie viele andere Passanten ist auch eine FN-Leserin auf den auffallenden Brotberg an der dicht befahrenen Strasse zwischen Tafers und Mariahilf aufmerksam geworden. Der Anblick hat die Frau aus dem Sense­bezirk, die lieber anonym bleiben will, entsetzt. «Da lagen Tausende von Broten, Weggli, Tessinerbroten, Züpfen, alles mögliche», erzählte sie. Der ­Anblick der achtlos weggeworfenen Lebensmittel habe sie betroffen gemacht. In Zeiten, in denen auch in der Region Menschen an der Armutsgrenze lebten, könne sie so etwas gar nicht nachvollziehen. «Das Brot sah noch gut aus, man hätte es noch essen können.»

Brot soll getrocknet werden

Die Frau hat angehalten und gefragt, was da los sei. Ihr wurde gesagt, dass ein Lastwagen der Coop die Ware angeliefert habe, es handle sich um übrig gebliebenes Brot der letzten zwei Tage aus Coop-Läden in der Westschweiz. Dass dieses auf den Platz vor der Trocknungsgenossenschaft gebracht wurde, kommt nicht von un­gefähr, wie Recherchen der FN ergeben haben. Der Auftrag kam von einem Landwirt aus der Region, der die Genossenschaft beauftragt hatte, die 30  Kubikmeter Brot zu verarbeiten, wie Raphael Schafer, Geschäftsführer der Trocknungsgenossenschaft, auf Anfrage erklärte. Normalerweise verfüttere der Landwirt das Brot, das er von Coop Westschweiz erhalte, direkt an seine Schweine. «Er wollte nun mal ausprobieren, ob es eine ­Möglichkeit gibt, das Brot zuerst zu trocknen. Auf diese Weise wäre er flexibler in der Fütterung, da das Futter länger haltbar wäre.»

Besser Tierfutter als Abfall

Sonst verarbeitet die Genossenschaft vor allem Gras, Mais, und Getreide mithilfe eines thermischen Verfahrens zu Futterpellets. Wie Raphael Schafer ausführte, sei er bereit gewesen, versuchsweise auch das Brot zu trocknen, da die Maschinen, die das Material zu Würfeln zerkleinern, vorhanden seien. Natürlich sei es tragisch, dass so viel Brot übrig geblieben sei. «Aber immerhin landet es nicht im Abfall, sondern findet noch Verwendung als Tierfutter.»

Möglichst wenig Abfall

Coop konnte auf Anfrage nicht bestätigen, dass das Brot, das in Tafers getrocknet wird, wirklich aus Coop-Filialen in der Westschweiz stammt. Die Medienstelle gab aber gleichwohl Auskunft darüber, was Coop unternimmt, damit am Ende des Tages möglichst wenig Reste anfallen. «In unseren Verkaufsstellen wird das Brot den ganzen Tag über frisch ausgebacken. So können unsere Mitarbeitenden sehr genau planen, wie viel Brot verkauft wird, damit bis Ladenschluss möglichst wenig übrig bleibt», schreibt Mediensprecherin ­Andrea Bergmann.

Das Brot, das nicht mehr verkauft werden könne, werde als Tierfutter an die Landwirtschaft abgegeben. Um welche Mengen es sich dabei handelt, wollte Coop nicht sagen. Doch sei die Vermeidung von Food-Waste dem Unternehmen ein grosses Anliegen. «Dank unseren zahlreichen Anstrengungen müssen wir nur zwischen 0,1 und 0,2 Prozent der Lebensmittel wegwerfen, meist aufgrund von gesetzlichen Vorgaben.» Waren, die Coop nicht verkaufen könne, würden an Bedürftige gespendet oder zu Futtermittel oder Biogas verwertet.

An Hilfsorganisationen

Coop gehört wie Migros zu den wichtigsten Partnern von Organisationen wie die Schweizer Tafel. Diese verteilt täglich rund 16 Tonnen überschüssige, aber einwandfreie Lebens­mittel in zwölf Regionen der Schweiz an soziale Institu­tionen und Abgabestellen zugunsten armutsbetroffener Menschen. Schweizweit profitieren rund 500 Organisationen, im Kanton Freiburg sind dies etwa die Notschlafstelle La Tuile, SOS Werdende Mütter und Banc public.

Hubert Dietrich von der Schweizer Tafel erklärte, dass Brot eines von vielen Lebensmitteln ist, das die Organisation in den Läden der Lieferpartner abholt und in der Regel am gleichen Tag weiter­verteilt. «Wir bekommen meistens mehr Brot angeboten als der Bedarf bei den Abnehmern ist.» Deshalb nehme die Schweizer Tafel nur so viel an, dass sie sicher sein könne, dass kein Abfall anfalle.

«Sehr viel mehr Lebensmittel als heute können wir derzeit fast nicht verteilen», sagte er weiter. Nachfrage und Angebot seien nicht immer im Gleich­gewicht. Lange hätten zum Beispiel Asylunterkünfte zu den Belieferten gehört, die sehr dankbare Abnehmer von Lebensmitteln aller Art seien. Durch die Abnahme von Asylgesuchen sei diese Abgabe stark zurückgegangen.

Verschiedene Definitionen

Apropos Abfall: Nicht überall wird Food-Waste gleich definiert. Einige Studien zählen nur Lebensmittel, die im Abfall landen, dazu. Für andere gehören auch Lebensmittel dazu, die Biogasanlagen zugeführt oder zur Tierfütterung verwendet werden. Dazu hat Claudio Beretta, Gründer des Vereins Food-Waste eine klare Meinung (siehe Text unten). Er hat an einer Studie des Bundesamts für Umwelt mitgewirkt, welche die Umweltwirkung von vermeidbarem Food-Waste ins Zentrum rückt.

«Sehr viel mehr Lebensmittel als heute können wir derzeit fast nicht verteilen.»

Hubert Dietrich

Schweizer Tafel

«Der Anblick von so viel achtlos weggeworfenem Brot hat mich betroffen gemacht.»

FN-Leserin

 

Claudio Beretta: «Wir müssen lernen, das Produkt Brot wieder mehr zu schätzen»

 

Claudio Beretta, wenn übrig gebliebenes Brot aus Supermärkten an Tiere verfüttert wird, ist das Food-Waste oder nicht?

Grundsätzlich schon. Unter Food-Waste versteht man alle Lebensmittel, die zwischen Feld und Teller verloren gehen – also nicht für den Zweck der menschlichen Ernährung verwendet werden. In der Schweiz sind dies rund 2,8 Millionen Tonnen Nahrungsmittel oder 140 000 Lastwagenladungen pro Jahr.

 

Immerhin wird das Brot an Schweine verfüttert?

Das ist zwar tatsächlich weniger schlimm, als wenn es im Abfall landen würde, weil das Brot so noch einen Nutzen hat. Trotzdem werden Ressourcen verschwendet. Nicht überall auf der Welt wird Food-Waste gleich eng definiert. In Studien aus der Schweiz und vielen anderen Ländern zählen wir auch diese Lebensmittel dazu, denn aus 100 Kalorien Futtermittel kann nur ein Bruchteil davon an Fleisch produziert werden.

 

Können Sie sagen, wie viel Brot auf diese Weise endet?

Mengenmässig am meisten Abfall gibt es durch Gemüse, Früchte und Molkereiprodukte. Beim Brot fallen auch sehr grosse Mengen an, vor allem wenn man das Brotgetreide mitberücksichtigt, das bereits in der Müllerei aussortiert wird. Das ist ein Spitzenreiter in der Verarbeitungsindustrie mit etwa 200 000 Tonnen pro Jahr. Es wird aus Qualitätsgründen aussortiert oder wegen Überproduktion, aber auch wegen der Vorlieben der Konsumenten. Wir Schweizer essen vorwiegend Brot, das mit Weissmehl produziert wird. Um dieses zu bekommen, muss ein Fünftel des Korns abgetrennt werden. Wenn wir mehr Vollkornbrot essen würden, könnten Tausende Tonnen Getreide eingespart werden, weil dabei auch der äussere und gesündere Teil des Korns verwertet wird.

 

Wie gross ist die Verantwortung des Detailhandels, dass weniger Brotreste anfallen?

Aus dem Detailhandel fallen pro Jahr etwa 13 000 Tonnen übrig gebliebene Backwaren an. Das meiste wird verfüttert oder Biogasanlagen zugeführt. Ein Teil landet aber auch in der Kehrichtverbrennung. Das Problem ist, dass nach der Maul- und Klauenseuche vor einigen Jahren die gesetzlichen Bestimmungen, welche Nahrungsmittel noch an Tiere verfüttert werden dürfen, stark verschärft wurden. Es dürfen nur noch trockene Brote verfüttert werden, beispielsweise aber keine Sandwiches. Für einige Läden oder Bäckereien lohnt es sich also nicht, für die anfallenden Reste separate Transporte zu organisieren. Wie allerdings britische Wissenschafter aufzeigen, würde ein kurzes Erhitzen der Lebensmittelabfälle auf 80 Grad ausreichen, um die gefährlichen Keime abzutöten. So werden beispielsweise in Japan Speisereste nach wie vor an Schweine verfüttert. Dank der korrekten Behandlung der Abfälle gab es dort keine Seuchen.

 

Dann liegt es vor allem am Konsumenten?

Zum Teil schon, denn die Menge an verschwendeten Lebensmitteln, die zu Hause oder in Restaurants weggeworfen werden, ist deutlich höher als jene, die in den Läden anfällt.

Aber …?

Der Detailhandel hat einen Einfluss auf das Handeln des Konsumenten. Zum Beispiel indem er ihn mit Aktionen dazu bringt, mehr zu kaufen als er braucht. Es gäbe zudem beim Brot und bei den Backwaren einen relativ einfachen Weg, den Reste-Berg in den Bäckereien und Supermärkten abzutragen: Indem man diese am Folgetag zu einem reduzierten Preis verkauft. Discounter tun dies zum Teil; Coop und Migros tun es aus Prinzip nicht. Das ist absurd, weil auf diese Weise viel verschwendet wird. Und es gibt ein falsches Signal an den Konsumenten: Wenn der Laden die Ware achtlos wegwirft, dann muss ich als Konsument auch nicht ein schlechtes Gewissen haben, altes Brot wegzuwerfen.

 

Altes Brot ist nicht schlechtes Brot?

Nein, es gibt Untersuchungen, dass Konsumenten einen Grossteil des Brotes erst am zweiten, dritten oder gar vierten Tag nach dem Einkauf essen. Warum sollten sie es also nicht auch am zweiten Tag kaufen können?

Es braucht aber auch ein Umdenken beim Brotessen?

Ja, wenn man bedenkt, dass es sich bei vielen Broten im Supermarkt um Tiefkühlware handelt, die bei Bedarf rasch aufgebacken wird. Sie sind eine Stunde lang knusprig und frisch, dann werden sie aber rasch hart und trocken. Ein gutes Sauerteigbrot, das halt länger braucht in der Produktion, hält sich dagegen ohne Problem ein bis zwei Wochen und bleibt bis am Schluss schmackhaft. Wir müssten wohl das Produkt wieder mehr schätzen lernen, vor allem die Erzeugnisse, die von kleinen Bäckereien in Handarbeit hergestellt werden. Dann wären wir vielleicht auch bereit, für diese Qualität einen höheren Preis zu bezahlen.

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