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Vom gezähmten Widerspenstigen

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Die Proben der Theatergruppe Theaterlüüt Seebezirk sind in vollem Gange: Am Donnerstag ist die Premiere ihres neuen Dialektstücks «Die hölzerni Jungfrau». Die Bühne ist bereits komplett im Saal der Geschützten Werkstätte SSEB in Muntelier aufgebaut: eine heimelige Bauernstube. Mitglieder der Theatergruppe sind gerade dabei, letzte Requisiten anzubringen, etwa ein Bild mit einer bäuerlichen Szene.

Neu mit gestufter Tribüne

«Es ist unser erster Bauernschwank», sagt Präsident Peter Liniger. Die vorherigen Produktionen seien alle «moderner» gewesen. «Wir spielen jedoch stets Komödien, Lustspiele oder Schwänke.» Die Auswahl des Stückes haben die Theaterlüüt gemeinsam getroffen. «Bei uns gibt es kein Stückwahlkomitee.»

Seit zwei Monaten üben die Mitglieder nun das Stück, seit Februar auf der Bühne in der Geschützten Werkstätte. «Wir freuen uns, dass wir hier sein können. Wir haben ein gutes Verhältnis, sie rollen für uns förmlich den roten Teppich aus», sagt Liniger. Die Theatergruppe trat anfangs im Gasthof Bären in Münchenwiler auf, später im Sternen in Cordast: Beide Restaurants wurden umgebaut oder geschlossen. «Wir waren im luftleeren Raum.» Seit 2012 nutzt der Verein nun den Saal der Werkstätte für die Proben und Aufführungen. Dieses Jahr wartet die Theatergruppe mit einer Neuerung auf. «Es wird eine gestufte Zuschauertribüne geben, welche gute Sicht garantiert», freut sich der Präsident.

Ohrfeigen für Sohn Kurt

Die Probe hat inzwischen begonnen: Auf der Bühne diskutiert gerade der Gemeindepräsident (Bruno Spring) mit zwei Nachbarn darüber, dass Sohn Kurt (Nicolas Linder) endlich heiraten sollte. Obwohl Kurt der Nachbarstocher Anni (Janine Bula) in einer Szene kurz darauf einen Apfel reicht, ist es trotzdem die listige «Eva», die beginnt, den ahnungslosen «Adam» um den Finger zu wickeln. Aus dem engen Soufflierkasten heraus hilft Regisseurin Dori Schenk den Schauspielern mit dem Text oder gibt Regieanweisungen bezüglich der Gestik.

Hinter der Bühne sitzt das Ensemble gemütlich beisammen. «Anni» und «Kurt» warten, das Textbuch in der Hand, mittlerweile auf ihren nächsten Einsatz. Nicolas Linder aus Schiffenen steht das erste Mal mit den Theaterlüüt auf der Bühne, er spielt die männliche Hauptrolle. Der 23-Jährige hat schon Schauspielerfahrung: Aufmerksame Zuschauer kennen ihn möglicherweise vom Theater Hintercher. «Es macht Spass, auf der Bühne zu stehen», so der Student. «Mein Vater, der beim Theater Hintercher mitwirkte, hat mich mit dem Theatervirus angesteckt.»

Der Text sitzt bei beiden Schauspielern schon gut. «Gegen Schluss wird es allerdings immer schwieriger», sagt Janine Bula, die die Anni spielt. Um sich den Text zu merken, würde sie auf Stichworte achten, so die 22-jährige Mitarbeiterin von Murten Tourismus. Für sie ist es die zweite Produktion mit den Theaterlüüt. Ihre Rolle ist eine besondere Herausforderung: «Anni» muss viele Ohrfeigen verteilen, wie Bula schmunzelnd verrät. «Und ich muss sie einstecken», so Nicolas Linder lachend. Die Koordination sei gar nicht so einfach. Die grösste Herausforderung sei jedoch eine gewisse Freizügigkeit im Stück, meint Janine Bula vielsagend. Fast alle Schauspielerinnen, jung und alt, müssen sich nämlich in einer Szene fast bis auf die (gepunktete) Unterwäsche ausziehen. Die beiden Darsteller verabschieden sich, werfen noch kurz einen Blick ins Textbuch und betreten wieder die Bühne.

Auch hinter den Kulissen wird fleissig gearbeitet. Vize-Präsident und Bühnenbildner Alex Lüdi probiert Lichteinstellungen aus und übt den Ablauf. Seit vier Jahren baut er die Bühnen für die Theaterlüüt. Auch hat der 28-jährige Polymechaniker schon selber mitgespielt.

In der Maske

Nicole Maillard, Fränzy Kramer und Myriam Graf sind für die Maske zuständig. Auch für sie ist der Abend ein Testlauf. Manche Schauspieler müssen auf «alt» geschminkt werden–gar nicht so einfach. Die Maskenbildnerinnen haben dafür den Darstellern mit einem grauen Stift Falten ins Gesicht gezeichnet.

Pause. Regisseurin Dori Schenk steht mit den Ensemble-Mitgliedern auf der Bühne. Es ist ihre sechste Produktion als Regisseurin bei den Theaterlüüt.

Schenk hat unter anderem auch dabei geholfen, Requisiten aufzutreiben: Bis in den Aargau hat sie die aufwendige Suche geführt. «Die Nähmaschine habe ich in einem Strohhaus in Muhen entdeckt», sagt sie über das Gerät aus Urgrossmutters Zeiten. «Die meisten Nähmaschinen sind von der Firma Singer. Wichtig war, dass es eine von Pfaff ist–wegen einem Wortspiel.» Eine Figur frage nämlich, ob die Nähmaschine «vom Pfaff», könnte heissen: «vom Pfarrer» sei. «Nein, selber gekauft», so die Antwort.

Theaterlüüt Seebezirk

Bauerntochter und «hölzerne Jungfrau»

Die Dialektbearbeitung des Stücks «Die hölzerni Jungfrau» ist die zehnte Produktion der Theaterlüüt Seebezirk. Der bäuerliche Schwank des Tirolers Ridi Walfried dreht sich um Kurt, den Sohn des Gemeindepräsidenten, der partout nichts von Frauen wissen will. Die listige Bauerntochter Anni wickelt ihn um den Finger. Ihr Plan dreht sich um den Berner Trachtenumzug, an dem ein Brautpaar teilnehmen muss. Und die «hölzerne Jungfrau», die Schaufensterpuppe der Trachtenschneiderin, verdreht den Männern im Dorf gehörig den Kopf. Die Einnahmen der Premiere des Stücks vom Donnerstag gehen an die Geschützte Werkstätte SSEB. Der Verein Theaterlüüt Seebezirk wurde 2006 gegründet, erster Präsident war Bruno Spring. Der Verein hat aktuell 28 Mitglieder.ea

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