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Vom Labor in die Berge

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wer Wanderleiter Jean-Marie Pasquier engagiert, erhält eine dreiseitige Einladung: Ein Foto ziert das Titelblatt, ergänzt mit einem Gedicht und einer Kurzpräsentation. Die zweite Seite enthält alle wichtigen Informationen zur Wanderung: Treffpunkt, Dauer, Schwierigkeitsgrad, etc. Auf der dritten Seite ist aufgelistet, was es mitzunehmen gilt; von Sackmesser über Trinkflasche und Picknick zu Rettungsdecke–insgesamt 21 Dinge.

Pasquier bereitet seine Wanderungen akribisch vor, so wie er es in der Ausbildung zum Wanderleiter gelernt hat (siehe Kasten). Diese hat er im Frühling beendet, nachdem er Anfang Jahr in Pension ging: Jean-Marie Pasquier war seit 2007 Freiburger Kantonschemiker, insgesamt arbeitete er 34 Jahre lang beim Kantonslabor. «Die Wanderleiterausbildung habe ich angefangen, um nach dem Berufsleben eine Herausforderung zu haben», sagt er.

Zu seiner Pension wollte Pasquier den FN letzten Herbst kein Bilanzinterview geben; er habe nie die Mediatisierung seiner Tätigkeit gesucht, schrieb er damals und schickte ein Bergfoto mit, versehen mit dem Hinweis, dass sich möglicherweise ein Treffen bei einer anderen Gelegenheit ergebe. Im Frühling folgte dann die Einladung, ihn auf eine Wanderung zu begleiten, damit er von seiner «beruflichen Neuorientierung» berichten könne.

Alles über Flora und Fauna

Jean-Marie Pasquier führt die FN-Redaktorin vom Schwarzsee über die Berra zur Valsainte. Er kennt verschiedene Routen, rät beim Startpunkt in Schwarzsee Bad aber vom Aufstieg über den Fuchses Schwyberg ab; es sei zu schlammig nach dem Regen. So geht es über die Balisa in Richtung Berra. Unterwegs berichtet Pasquier von den Modulen seiner Wanderleiterausbildung, hält jedoch immer wieder inne, um geologische Besonderheiten zu erklären und auf spezielle Pflanzen oder Phänomene hinzuweisen. So zeigt er die sogenannte Ananasgalle: Blattläuse bilden diese braungelben Ananas-ähnlichen Auswüchse an der Spitze von Fichten, sie dienen als Behausung von Blattlauslarven.

Alpine Natur und Kultur, Meteorologie, Orientierung oder Medizin waren Bereiche, in welche sich Jean-Marie Pasquier für die Wanderleiterausbildung einarbeiten musste, da sie Prüfungsstoff sind. «Ich habe mir viele Bücher gekauft. Und ich versuche, mir auf jeder Wanderung etwas Neues zu merken.»

Ein Ausbildungsmodul war auch «Führen und Kommunizieren». Als Kantonschemiker stand Jean-Marie Pasquier mehrmals in der Kritik; seine Art der Kommunikation mit Wirten, Käsern, Fischern, Landwirten oder Gemeindebehörden wurde nicht überall geschätzt. «Das Wohl der Konsumenten stand immer über allem. Und es gibt Gesetze, die einfach alle einhalten müssen», sagt er heute dazu. Seine Rolle sei oft jener eines Polizisten ähnlich gekommen, was die Arbeit erschwert habe. «Aber ich sage nicht, dass ich keine Fehler gemacht habe. Man kann immer alles besser machen.»

Ob die Kommunikation mit seinen Wanderkundinnen und -kunden einfacher sei? «Natürlich, denn es ist ein ganz anderer Kontakt», antwortet Pasquier. «Die Leute kommen in ihrer Freizeit vorbei, und die Berge sind meine Leidenschaft.» Den schönsten Lohn für seine neue Tätigkeit sieht er in der Zufriedenheit der Wanderer: «Wenn ich jemanden so begleiten kann, dass er den Gipfel erreicht, obwohl er bereits am Anfang Mühe hatte, bin ich zufrieden», sagt er.

Als Beispiel nennt er eine Wanderung, die er während der Ausbildung mit einer Gruppe der Universität Freiburg mitgeleitet hat. Eine Studentin habe geklagt, ihr fehle die Energie und sie müsse umkehren. Er habe sich ihr angenommen, sei in langsamem, aber regelmässigem Schritt vor ihr hergegangen, so dass sie ihren Rhythmus finden und es nach oben schaffen konnte. Nun habe sie eine weitere Wanderung bei ihm gebucht. «Manchmal braucht es Geduld, aber als Wanderleiter muss man sich um die Schwächsten kümmern. Sie bestimmen das Tempo.» Es sei wichtig, dies diskret zu tun und sie nicht blosszustellen.

Poesie und Handwerk

Für die Wanderung von Schwarzsee zur Valsainte hat sich Pasquier etwas Besonderes einfallen lassen: Er hat die professionelle Freiburger Querflötenspielerin Carole Collaud eingeladen, die er vom Schweizer Alpenclub (SAC) kennt. In Waldlichtungen oder bei Aussichtspunkten spielt sie ein Stück und sorgt für «poetische Momente», wie Pasquier es nennt.

Solche poetischen Wanderungen will er künftig anbieten: Pasquier arbeitet auf privater Basis und erstellt zurzeit eine Homepage, um die Wanderungen zu vermarkten. Für die Preise richtet er sich nach den Vorgaben des Schweizer Bergführerverbandes, so dass eine Wanderung pro Person 50 Franken kosten wird. Die Grösse der Gruppe ist abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Wanderung. Und Pasquier hat viele weitere Ideen: So plant er für thematische Wanderungen mit einem Schindelmacher zusammenzuarbeiten. Aus seiner Zeit als Kantonschemiker kennt er zudem viele Alpkäsereien. «Unsere Kontrollen haben diese nicht immer geliebt», sagt Pasquier. Er schätze den Freiburger Alpkäse jedoch sehr. «Ich möchte die lokalen Produzenten durch meine Wanderungen unterstützen.»

Ausbildung: Medizin, Natur, Betriebsführung

D ie Ausbildung zum Wanderleiter des Schweizer Bergführerverbandes (SBV) kann über mehrere Jahre absolviert werden. Um sie beginnen zu können, müssen die Teilnehmer einen zweitägigen Eintrittstest bestehen. Die Ausbildung besteht dann aus Modulen zu den Themen Medizin, Natur und Kultur, Kommunikation, Betriebsführung, Sommer und Winter. Diese Module dauern jeweils zwei bis 14 Tage. Bei jedem Modul müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mindestens die Note vier erreichen. Hinzu kommen ein Sommer- und ein Winterpraktikum zu je acht Tagen. Mindestens die Hälfte der Praktikumstage müssen die Teilnehmer in direkter Begleitung von SBV anerkannten Wanderleitern oder Bergführern absolvieren. Den Abschluss der Ausbildung bilden eine schriftliche Projektarbeit sowie eine schriftliche und praktische Schlussprüfung. Ausgebildeten Wanderleitern ist es erlaubt, Gruppen auf Sommerwanderungen mit Schwierigkeitsgrad T3 (Rot-weiss-Markierungen) und Winterwanderungen bis zur Waldgrenze zu führen.

Der ehemalige Freiburger Kantonschemiker Jean-Marie Pasquier hat die Wanderleiterausbildung im November 2014 begonnen und diesen Juni abgeschlossen. Der 63-Jährige kam vor gut 20 Jahren zum Bergsport und ist auch SAC-Tourenleiter. mir

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