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Vom Sandstein bis zum Sichtbeton

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Nicole Jegerlehner

«Ich sehe Euch gar nicht, Ihr habt ja keine Velos dabei!» Die weisshaarige Dame auf ihrem Velo fand die Gruppe des Freiburger Vereins Pro Velo doch noch – auch wenn sie, dies eine Premiere, ohne Fahrräder unterwegs war: Zu Fuss zeigte der Ethnologe Jean-Pierre Anderegg den rund zwanzig Interessierten, aus welchen Steinen die Stadt Freiburg gebaut ist. «Als Nicht-Geologe ist das ja fast eine Anmassung», meinte Anderegg zu Beginn – um dann auf dem zweieinhalbstündigen Rundgang zu beweisen, dass er sich auch mit Steinen bestens auskennt.

Die alte Hauptpost am Barometerplatz wurde 1900 von Theodor Gohl gebaut. Der Schweizer Architekt wirkte in Bern in der Direktion der Eidgenössischen Bauten und entwarf beispielsweise die Eidgenössische Münzstätte im Berner Kirchenfeldquartier sowie mehrere Postbauten in der ganzen Schweiz. Die Freiburger Post wurde denn auch ein repräsentatives Gebäude mit Kalk aus St-Triphon am Sockel und Kalkstein aus dem oberen Greyerzergebiet an der Fassade des Erdgeschosses. Die Fassade des ersten und zweiten Obergeschosses, die sehr dekorativ gestaltet sind, wurde mit Kalkstein aus Paris erbaut.

Steuerbehörde mit Vulkangestein

Einen viel längeren Weg haben die Steine hinter sich, welche das Gebäude der kantonalen Finanzverwaltung an der Joseph-Piller-Strasse zieren: Die rötlichen Platten stammen aus Brasilien. Im Innern liegen schwarze, vulkanische Bodenplatten aus Simbabwe. «Verrückt ist, dass diese Steine trotz des langen Transportwegs nicht teurer sind als Steine aus der Schweiz», so Anderegg.

Eine ganz andere Architektur prägt das Gambach-Quartier. Ab 1900 entstand hier ein einheitliches Villenquartier. Die reiche Oberschicht liess sich ausserhalb der Stadtmauern im Grünen nieder. Léon Hertling hat in der Gambachallee die Häuser mit den Strassennummern 30 und 26 entworfen. Der Architekt setzte bei den Gartenmauern auf einheimischen Flyschsandstein, einen relativ harten Quarzsandstein, der unter anderem im Plasselbschlund abgebaut worden ist. «Für den Sockel einer standesgemässen Villa brauchte es aber etwas Besseres», sagt Anderegg: «Berner Oberländer Quarz vom Blausee-Mitholz.» Dass Steine aus anderen Landesteilen nach Freiburg transportiert werden konnten, wurde erst mit dem Ausbau der Eisenbahn möglich.

Der Steinbruch

Die meisten Häuser der Freiburger Altstadt und auch die Kathedrale St. Niklaus waren vor dem Aufkommen der Eisenbahn gebaut worden. Sie wurden mit Steinen aus der Nähe gebaut – aus nächster Nähe sogar: Hinter den Häusern an der Steinbruchgasse (Rue de Carrière) im Beauregardquartier ist der alte Steinbruch immer noch zu sehen. Ab der Stadtgründung wurde er genutzt; die Lizenz lief bis 1965. Von Hand schlugen hier die Steinhauer Brocken aus dem Gestein. «Günstig war, dass die Stadt unterhalb des Steinbruchs lag; bergab waren die Steine einfacher zu transportieren», sagt Anderegg.

Am Bahnhof weist Anderegg auf die Gebäude der Freiburger Kantonalbank und von Freiburg Tourismus hin: Ursprünglich waren es zwei Kopfbauten mit identischen Rundbauten. Der Schweizer Stararchitekt Mario Botta nahm dieses Element wieder auf – im Gegensatz zur Kunststeinfassade des Tourismusgebäudes setzte er bei der Bank aber auf Bündner Gneis aus Andeer und Splügen.

Das Geschäftsviertel

Die Perollesstrasse war bis zum Zweiten Weltkrieg das wichtigste Geschäftsviertel Freiburgs. Bei den Hausnummern 26 bis 30 zeigt sich, «dass nach 1900 alles möglich wird», wie Anderegg sagt: Die Verputzfarbe der Nummer 26 wechselt sich mit der Backsteinfassade der Nummer 28 und den fantasievollen Sandsteineinrahmungen der Nummer 30 ab.

Beendet hat Anderegg seinen Stadtrundgang bei der Pfarrkirche Christ-König – deren Architektur nicht zufällig an die Universität Miséricorde erinnert: Beide wurden von den gleichen Architekten erbaut. «Mit dem Vorplatz und den beiden flankierenden Bauten ist die Kirche eine kleine Gesamtplanung, wie sie in Freiburg selten zu finden ist», sagt Anderegg: «Solche urbanistische Ideen muss man heute in Freiburg suchen.»

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