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Vom Traktor aufs Velo umgestiegen

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Mit dem Fahrrad kommt er zum Fototermin auf der Weide. Er stellt sich ins Feld neben die Kühe, diese bleiben stehen und beobachten neugierig die Szene.Mit den Kühen hatte Walter Schmied aus Niedermuhren bis vor einem halben Jahr tagtäglich zu tun. Nun sieht er sie nur noch von Weitem, wenn er mit dem Velo oder mit dem Auto an ihnen vorbeifährt. Ende 2011 ist der 66-Jährige pensioniert worden.

 Im Kanton Freiburg sind im letzten Jahr im gesamtschweizerischen Vergleich besonders viele Bauernbetriebe verschwunden. Der Rückgang ist insbesondere auf Landwirte, die pensioniert worden sind und ihren Betrieb in der Folge aufgegeben haben, zurückzuführen (siehe Kasten und Interview). Walter Schmieds Betrieb ist in den Statistiken bereits früher verschwunden, 1995 hat sich der Landwirt mit vier Berufskollegen aus dem Dorf zu einer Betriebsgemeinschaft zusammengeschlossen.

Lange sein eigener Chef

Vor dem Zusammenschluss bewirtschaftete Schmied mit seiner Frau fast 20 Jahre den eigenen Betrieb, auf dem er Herr und Meister war. Bereits früh war klar, dass keines seiner drei Kinder den Hof übernehmen wird. Nicht zuletzt darum entschloss sich der Landwirt, bei der Betriebsgemeinschaft mitzumachen. Mit dem Zusammenschluss büsste Schmied zwar an Selbstständigkeit ein, jedoch hatten die fünf Bauern gemeinsam mehr Möglichkeiten. Sie bauten einen Laufstall mit 66 Plätzen für Milchkühe. Zudem betreibt die Betriebsgemeinschaft eine Pouletmasthalle und bewirtschaftet 83 Hektaren Kulturland. Dadurch haben die Bauern Zeit gewonnen. «Vorher war ich 365 Tage auf Achse. In der Betriebsgemeinschaft hatte ich meine freien Tage.»

Seit seiner Pensionierung im Dezember hat Schmied jeden Tag frei. Darauf konnte er sich lange vorbereiten. Bei der Gründung der Betriebsgemeinschaft vereinbarten die Bauern, dass der Vertrag mit Schmieds Pensionierung Ende 2011 ausläuft. Mit den Kollegen sei er in einem «tipptoppen Verhältnis» auseinandergegangen, erzählt er. Dank der professionellen Hilfe des Landwirtschaftlichen Instituts in Grangeneuve habe alles sauber geregelt werden können. 14 Hektaren Land hat Schmied in die Betriebsgemeinschaft eingebracht. Diese verpachtete er ihr nun weiter.

Ein Kribbeln in den Fingern

Während bei vielen Bauernfamilien die junge Generation die ältere ablöst und die Eltern noch immer täglich auf dem Betrieb mithelfen, ist seine Mithilfe bei der Betriebsgemeinschaft nur noch selten gefragt. Es sei halt keine Vater-Sohn-Beziehung, sondern ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis. Schmied, der über 50 Jahre lang täglich draussen auf dem Betrieb war, musste sich zuerst daran gewöhnen. «Im Frühling, als alles zu wachsen begann, hat es mich schon in den Fingern gekribbelt.»

Über Jahrzehnte stand Schmied um fünf Uhr auf, um die Kühe zu melken. Jetzt einfach so ausschlafen kann er nicht. Wenn frühmorgens der erste Camion neben dem Haus durchfährt, erwacht er spätestens. Er könne jedoch gut eine Stunde im Bett liegen bleiben und studieren. Zu denken gibt ihm etwa der Milchpreis, der zurzeit auf einem Rekordtief liegt. Oder die vielen Kontrollen, die die Bauern über sich ergehen lassen müssen. Pro Jahr sei bei ihnen zehn bis fünfzehn Mal ein Kontrolleur auf den Betrieb gekommen. «Es wäre viel effizienter, wenn eine Person eine grosse Kontrolle durchführen würde, die dann nur einen Tag lang dauert.» Trotz der vielen Schwierigkeiten, die auf die Landwirte zukommen, blickt Schmied positiv in die Zukunft. «Mir macht es Freude zu sehen, wie viele Junge das Bauernlehrjahr abschliessen.» Auch würden viele in den Beruf einsteigen, die nicht auf dem Bauernhof aufgewachsen sind.

Wöchentliche Velotour

Seit Walter Schmied nicht mehr auf dem Traktorensitz oder auf dem Melkstuhl sitzt, steigt er immer häufiger auf den Velosattel. Zusammen mit seiner Frau macht er eine Velotour pro Woche. «Das haben wir fest eingeplant, denn eine Ausrede gäbe es immer.» Auch sonst habe er viel los, erzählt Schmied. Die wöchentlichen Proben mit dem Männerchor und der Trachtengruppe bereiten ihm viel Freude. Das Kochen hingegen, wie es viele pensionierte Männer entdecken, liege ihm nicht so, sagt er und lacht. Seine Mithilfe in der Küche beschränkt sich auf das «Häppere» rüsten.

Zahlen und Fakten

116 Bauern weniger im Kanton Freiburg

Neben Bern, dem Wallis und St. Gallen gehört Freiburg zu den Kantonen, in denen im letzten Jahr besonders viele Bauernbetriebe verschwunden sind. In den vier Kantonen konnten «deutliche Abnahmen» verzeichnet werden, wie das Bundesamt für Statistik in seiner kürzlich publizierten Betriebsstrukturerhebung 2011 festhält. 2010 waren im Kanton 3215 Betriebe registriert, im letzten Jahr waren es mit 3099 Betrieben 116 (vier Prozent) weniger. Die rückläufige Tendenz ist auch über einen längeren Zeitraum feststellbar, in den letzten zehn Jahren sind 20 Prozent der Betriebe verschwunden: Im Jahr 2000 waren im Kanton noch 3800 Bauernbetriebe registriert. Der Betriebsrückgang ist laut Lea Egli vom kantonalen Landwirtschaftsamt vor allem auf Pensionierungen zurückzuführen. Laut der landwirtschaftlichen Betriebsstrukturerhebung existieren in der ganzen Schweiz rund 58000 Bauernbetriebe. Im Jahr 2000 waren es noch 70500. 10 Prozent aller Schweizer Betriebe sind Bio-Betriebe.hs

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