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Von Castellas Euphorie und Piller Carrards Tränen

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«Champagne pour la table deux!» – Die Urnen sind erst seit einer halben Stunde zu, und schon sind die FDP-Mitglieder, die sich an ihrem Stamm im Restaurant Du Gothard in Freiburg versammelt haben, siegessicher. «Schon 6000 Stimmen Vorsprung, genau 6000», ruft der Mann aus, der den Champagner bestellt hat, nach einem erneuten Blick auf sein Handy. Neben Euphorie schwingt in seiner Stimme auch etwas Erstaunen mit: Dass der FDP-Kandidat Didier Castella seine Kontrahentin der SP, Valérie Piller Carrard, im zweiten Wahlgang der Freiburger Staatsratswahlen schlagen würde, das hatten viele prognostiziert. Dass er aber so klar gewinnen würde, hatten offenbar selbst seine Parteifreunde nicht vermutet.

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Die Serviceangestellte bringt den Champagner, der Mann lässt den Korken knallen, und schon prosten sich die Anwesenden im Restaurant, in dem es penetrant nach Fondue riecht, ein erstes Mal zu.

Enttäuschte Piller Carrard

Nur wenig später anerkennt Valérie Piller Carrard ihre Niederlage. Gemeinsam mit dem Parteipräsidenten Benoît Piller betritt sie das Freiburger Rathaus. Umringt von Journalisten bedankt sie sich bei ihrer Wählerschaft, bedauert den Rechtsrutsch im Kanton und verteidigt immer und immer wieder ihre Position. Sie habe eine sehr gute Kampagne geführt und nein, Fehler habe sie keine gemacht, beantwortet sie die entsprechende Frage mehrmals – mit der Zeit wirkt sie dabei ziemlich genervt. Sie bedaure jedoch, dass die Grünen sie im zweiten Wahlgang nicht unterstützt hätten.

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Ganz anders sieht das Bruno Marmier, Präsident der Freiburger Grünen. Jedem, der es hören will, berichtet er im Rathaus von der «falschen Strategie» der SP, die nun zur Niederlage und dem Verlust des dritten linken Sitzes in der Regierung geführt habe. Mit der Grünen Kandidatin wäre das Resultat ganz anders ausgefallen, ist er überzeugt. «Die FDP wird sich heute bei der SP bedanken», sagt er, und in seinen Augen blitzt unverhohlen Wut auf.

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Auch bei Piller Carrard scheint emotional eher Wut als Enttäuschung vorzuherrschen. Als sie sich beim Gang ins Restaurant Arcades, dem Stamm der SP, über die Augen wischt, sagt sie denn auch unwirsch zu den Journalisten: «Ich weine nicht, das ist der Wind.» Doch nur wenige Minuten später, als sie im Arcades mit einem verhaltenen Applaus ihrer Parteifreunde, unter denen sich auch Ständerat Christian Levrat befindet, empfangen wird und Staatsrätin Anne-Claude Demierre sie in den Arm nimmt, da kommen echte Tränen der Enttäuschung hoch. Sie verschwindet kurz, um den Kameras zu entfliehen. Im Gegensatz zur FDP stehen bei der SP Cola und Wasser auf den Tischen, nur wenige gönnen sich ein Bier.

Euphorischer Castella

Tränen der Freude gibt es um 14.30 Uhr, als Didier Castella das Gothard betritt. Mit Applaus, Pfiffen und einem «On a gagné»-Sprechgesang erwarten ihn Parteipräsident Sébastien Dorthe, Staatsrat Maurice Ropraz, FDP-Grossrätinnen und -räte sowie viele weitere FDP-Freunde. Castella strahlt und dankt, schüttelt Hände, lässt sich umarmen und klopft in seiner Euphorie auch den Journalisten auf die Schulter.

Kräftiger Applaus brandet Castella entgegen, als er das Rathaus betritt. Dort treffen er und Piller Carrard an diesem Nachmittag erstmals aufeinander. Mit Küsschen auf die Wangen gratuliert sie ihm kurz. Und dann zeigt sich, wer Sieger und wer Verlierer ist: Währenddem das Interesse an Piller Carrard abflaut und sie sich mit ihrem Parteipräsidenten in eine Ecke zurückziehen kann, wird Castella von Politikern und Journalisten gleichermassen belagert.

Ebenfalls steht für Castella bereits der erste offizielle Termin an: Mit seinen künftigen Regierungskollegen trifft er sich über den Arkaden zum Foto. «Bienvenue au club», begrüsst ihn Georges Godel (CVP) und klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter. Auch Anne-Claude Demierre und Jean-François Steiert geben sich kollegial: «Auf gute Zusammenarbeit», sagt Steiert. Castella, der sich für das Foto links von Steiert hinstellt, gibt lachend zurück: «Wenn du dich künftig immer rechts von mir positionierst, sollte das kein Problem sein.»

Festlicher Antritt

Nach dem Foto nutzt Staatskanzlerin Danielle Gagnaux die Gelegenheit für erste Anweisungen: «Am 23. Mai beginnst du offiziell zu arbeiten», sagt sie Castella – dieser nimmt sein Handy hervor und notiert den Termin pflichtbewusst.

Doch zuerst soll auch für Castella, der noch kaum dazu gekommen ist, auf seinen Sieg anzustossen, der Champagner fliessen: «Ab 19 Uhr feiere ich in Bulle», sagt er, bevor er zum nächsten Fernsehinterview eilt.

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