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Von der New Yorker Bronx in die ganze Welt: Der Hip-Hop wird 50

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Ein junger DJ legte auf einer Party in der New Yorker Bronx nur die Instrumentalteile der Songs auf, ein Freund rappte dazu – und der Hip-Hop war geboren. Jetzt wird der Stil, der die Musikgeschichte verändert hat, 50 Jahre alt. Hip-Hop bekommt sogar ein eigenes Museum.

Auf den ersten Blick ist das rote Backsteingebäude mit 18 Stockwerken, etwa 100 Wohnungen und vergitterten Fenstern eines von vielen solcher Wohnblocks, die über ganz New York verteilt stehen. Vor dem Gebäude liegen eine Schnellstrasse, Bahngleise und der Harlem River, zwei Brücken darüber versperren den Blick auf die Skyline von Manhattan. Aber «1520 Sedgwick Avenue», so die gross über dem Eingang prangende Adresse, ist kein Wohnblock wie alle anderen. Hier, am südwestlichen Rand der Bronx, soll am Freitag (11. August) vor 50 Jahren der Hip-Hop erfunden worden sein.

Von Jay-Z oder Beyoncé zu Kanye West

Von der Bronx aus eroberte der Hip-Hop die Welt, veränderte die Geschichte der Musik, der Clubs und auch der Mode. Heute gehört er – mit allen daraus hervorgegangenen Variationen – zu den am weitesten verbreiteten Musikstilen der Unterhaltungsindustrie und hat unzählige Chart-Hits und Stars mit eigenen Imperien hervorgebracht, wie etwa Jay-Z, Beyoncé, Kanye West, Eminem oder P. Diddy. Auch Musiker wie Grandmaster Flash, Public Enemy, Kurtis Blow, die Sugarhill Gang und später der Wu-Tang Clan, Tupac Shakur, Notorious B.I.G. und Wyclef Jean wurden als Grössen des Genres weltbekannt. Der 50. Geburtstag des Hip-Hop wird in New York und weltweit unter anderem mit Veranstaltungen, Konzerten, Ausstellungen und Auktionen gefeiert.

Auf linierten Karteikarten hatte Cindy Campbell im August 1973 in kugeliger Mädchenschrift Freunde und Bekannte eingeladen, wie ein von der «New York Times» veröffentlichtes Foto des Flyers zeigt. Ein «Back to School Jam» sollte es werden, von 21.00 bis 04.00 Uhr im Gemeinschaftsraum von 1520 Sedgwick Avenue – heute offiziell ein denkmalgeschützter Ort der Stadt. Der Eintritt betrug für Frauen 25 Cent und für «Fellas», also Jungs, 50. Star des Abends: Cindys grosser Bruder Clive, der eine grosse Plattensammlung besass und sich als «DJ Kool Herc» im Viertel einen Namen gemacht hatte.

Aus der Party wurde eine «Revolution», wie das «New York Magazine» schreibt, «für Hip-Hop-Fans ist die Geschichte dieser Party heilig”: Der damals 18-jährige DJ Kool Herc spielte nicht die kompletten Songs auf seinen Platten, sondern nur die Instrumentalteile zwischen dem Gesang, zu denen die Partygäste am besten tanzen konnten. Ein Freund schnappte sich ein Mikrofon und begann dazu zu rappen, auch wenn es diese Bezeichnung dafür damals noch gar nicht gab – der Hip-Hop war geboren. Partygänger konnten gar nicht genug davon bekommen, erinnert sich der heute 68-jährige DJ Kool Herc. «Es gab kein Zurück mehr.»

Ein halbes Jahrhundert später schafft es der Hip-Hop nun sogar ins Museum: Etwa vier Kilometer südlich von 1520 Sedgwick Avenue entsteht gerade das rund 80 Millionen Dollar teure «Universal Hip-Hop Museum» (UHHM), dessen Eröffnung für 2024 geplant ist. Von einem «weiteren Meilenstein für den Hip-Hop», schwärmt Direktor Rocky Bucano schon jetzt, der auch der Bronx insgesamt mehr Besucher und Auftrieb verschaffen soll. «Touristen aus der ganzen Welt werden hier hinkommen», sagt Bucano. «Der Hip-Hop ist inzwischen ein globales Phänomen, er ist transzendent, er ist transformativ und er wächst und wächst immer weiter.»

Hoe-Avenue-Friedenstreffen

Dass der Hip-Hop überhaupt entstehen konnte, sei auch durch ein heute weitgehend vergessenes Ereignis möglich gemacht worden – das Hoe-Avenue-Friedenstreffen 1971, sagt der im deutschen Münster geborene und in New York lebende Autor Julian Voloj. Damals sei die Bronx von der Kriminalität rivalisierender Gangs lahmgelegt worden. Ein ehemaliges Band-Mitglied, Cornell «Black Benjie» Benjamin, wollte vermitteln und kam dabei im Alter von nur 25 Jahren ums Leben. Als Reaktion darauf kam es zum Friedenstreffen, das die Kriminalität zumindest zeitweise beruhigen und im Viertel wieder Freiraum für andere Dinge schaffen konnte.

Autor Voloj, der kürzlich erst von der Stadt New York für seine Verdienste ausgezeichnet wurde, kennt viele der Beteiligten persönlich, hat aus der Geschichte eine Graphic Novel gemacht und war auch dabei, als der Strassenabschnitt im Zentrum der Bronx, wo Benjamin 1971 ums Leben kam, im Juni bei einem grossen Fest in «Cornell “Black Benjie” Benjamin Way» umbenannt wurde.

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