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Von Freundschaft, Liebe, Schmerz und Schuld

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Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer Clique von fünf Freunden, deren Mitglieder alle eine Farbe im Namen tragen. Nur Tsukuru fällt aus dem Rahmen und empfindet sich – auch im übertragenen Sinne – als farblos, denn anders als seine Freunde hat er keine besonderen Eigenheiten oder Vorlieben, ausgenommen vielleicht ein vages Interesse für Bahnhöfe.

Plötzlich ist alles anders

Als er nach der Oberschule die Heimatstadt Nagoya verlässt, um in Tokio zu studieren, tut dies der Freundschaft keinen Abbruch. Zumindest nicht bis zu jenem Sommertag, an dem Tsukuru voller Vorfreude auf die Ferien nach Nagoya zurückkehrt – und herausfindet, dass seine Freunde ihn plötzlich und unerklärlicherweise schneiden. Schliesslich erhält er einen Anruf. Tsukuru solle sich in Zukunft von ihnen fernhalten, lautet die Botschaft, er wisse schon, warum. Viele Jahre später offenbart sich der inzwischen 36-jährige Tsukuru seiner neuen Freundin Sara, die ihn ermutigt, sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen.

Die Suche nach dem Ich

Es ist die Geschichte eines Verstossenen. Sie handelt von Geborgenheit und Grausamkeit, Vertrauen und Verrat. Sowohl sprachlich-stilistisch als auch inhaltlich erinnert dieses Buch von Murakami an die Werke des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho, ein Hauch von esoterischem Gedankengut weht durch den ganzen Roman, garniert von allerlei Lebensweisheiten. Die Anlehnung an die Psychoanalyse und die Traumdeutung wirft beim Leser einige Fragen auf und wirkt ab und zu doch etwas skurril. Faszinierend mitzuverfolgen ist, welch fatale Entwicklung ein Mensch nehmen kann, wenn er aus seinem Herzen eine Mördergrube macht.

«Pilgerjahre» entpuppt sich als Roman über die Bedeutung der Werte im Leben eines Menschen, der sich auf der Suche nach dem wahren Ich befindet. Dem Autor gelingt es ausgezeichnet, eine Art Sittengemälde der japanischen, sogenannt «besseren» und gebildeten Gesellschaftsschichten – Akademiker, Neureiche, beruflich Erfolgreiche – zu zeichnen. Behutsam, eigentlich so fast nebenbei, wird der Leser mit der japanischen Denk- und Lebensweise vertraut.

Der Protagonist und seine Freunde und Freundinnen sind klar charakterisiert und sehr präzis gezeichnet, so dass einem die sonst eher fremden Japaner schon fast vertraut vorkommen. Man lernt einiges über die japanische Mentalität. Die Personen analysieren sich in den zahlreichen Dialogen so, wie es das Klischee über Japaner will: jederzeit sachlich, kühl und immer höflich!

Die Handlung spielt in unserer Zeit, der Autor scheut sich nicht, berühmte Markennamen in aller Offenheit zu nennen: Facebook, Lexus, Marlboro, TAG Heuer, um nur die bekanntesten zu erwähnen. Ob da ein Sponsoring vorliegt?

Fesselnd bis zum Schluss

Murakami schafft es, den Leser von Beginn weg zu fesseln, die Handlung ist spannend erzählt, man kann es kaum erwarten, den Grund dafür zu erfahren, warum der Protagonist von den Freunden so brutal und bedingungslos ausgestossen wurde.

Der Roman liest sich flüssig und bedient sich einer stilistisch zweckmässigen, eher nüchternen Sprache, durchs Band weg fühlt man sich gut unterhalten.

Haruki Murakami:«Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki», Roman, Köln, DuMont, 2014.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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