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Von Glück, von Arbeit und von Genügsamkeit

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Der vergangene 1. Mai stand wie jedes Jahr im Zeichen der Arbeit, und Arbeit ist auch anthropologisch gesehen ein Wesensfaktor des Menschen. Viele definieren sich und ihr Leben in weiten Teilen durch ihre Arbeit. Natürlich gibt es Gegenentwürfe und andere Lebensmodelle. Dennoch ist mindestens seit der Einführung des 8-Stunden-Tages, der 9to5-Arbeit, für einige, vielleicht gar für viele Leute ein Dilemma auch heute noch sichtbar: Erfüllt mich die Arbeit, die ich mache? Macht sie mich glücklich? Wenn nein, warum soll ich dann arbeiten? Alleine, um das Überleben zu sichern, oder ist nicht auch das Erleben wichtig? Ist das überhaupt ein Problem, muss Arbeit überhaupt glücklich machen?

Ein gelungenes Leben?

Idealerweise, so würden wohl viele sagen, ist es natürlich anzustreben, Freude, Glück und Arbeit zu verbinden. Aber möglich ist es, würden wohl wiederum viele sagen, für die wenigstens. Darum sucht man sein Glück auch in der Freizeit oder in der Familie, versucht, sich dort zu verwirklichen, falls es durch Arbeit nicht gelingt. Aber wonach sucht der Mensch denn überhaupt, wenn er nach Glück strebt?

Diese Frage ist so alt, wie der denkende und reflektierende Mensch selber und hat im Laufe der Zeit verschiedenste Veränderungen durchgemacht. Natürlich wurde bereits in der Antike über das Wesen des Glücks nachgedacht. Dabei dachten aber die Menschen jener Zeit nicht über ein Zufallsglück wie einen Lotteriegewinn oder um ein Besitzerglück wie ein eigenes Haus nach, sondern die Frage des Glücks war immer die Frage nach dem «guten Leben». Also: Wie kann das Leben gelingen, wie kann es als erfüllt wahrgenommen werden?

Antike Glücksvorstellungen

Ein ganz wesentlicher Gedanke stammt – wie so oft – von Aristoteles: «Glück ist Selbstgenügsamkeit», schrieb er. Glück ist also eher eine Einstellung als ein Besitz oder einsinnliches Vergnügen. Massvoll müsse man leben, so Aristoteles, auf seinen Körper achten und Tugenden wie Gerechtigkeit oder Tapferkeit leben. Auch Epikur, dem oft nachgesagt wird, er vertrete eine Lebenseinstellung, die nach dem Prinzip «Je mehr Lusterleben, desto besser» funktioniere, steht diesen aristotelischen Gedanken nahe. Zwar stimmt es, dass Epikur den Genuss befürwortete, allerdings eben in Massen. So kann masseloses Geniessen zu Gier und Abhängigkeit führen, was dann nicht mehr vereinbar ist mit Epikurs Vorstellung von Lust, denn diese beinhaltet wesentlich die Abwesenheit von Schmerz. Besser sei ein bescheidenes Leben. Der bewusste Genuss eines einfachen Brotes wäre z. B. der Völlerei in vielen Fällen vorzuziehen. Für Epikur steht zudem die «Seelenruhe» weit vor der Befriedigung körperlicher Begierden.

Christentum und Glück

Das nach der Antike aufkommende Christentum stand der antiken Glückskonzeption kritisch gegenüber. Für Kirchenvater Augustinus etwa kann sich Glück eigentlich erst nach dem Tod einstellen, nämlich in der dann vollkommenen Liebe zu Gott. Das Leben, und damit auch die Arbeit, stellt sozusagen die Bewährungsprobe für das Jenseits dar. Dennoch ist sich auch eine solche Glückskonzeption mit der antiken Ansicht einig: Glück lässt sich nicht durch die Anhäufung von irdischen Dingen erreichen, Besitz und Geld sind insofern immer nur eine Blase, die zu platzen droht.

Glücksskeptizismus

Es gab aber in der Geschichte des Glücksbegriffs auch immer wieder Skeptiker, so etwa Arthur Schopenhauer, für den Glück in der Abwesenheit von Unglück bestand. Er schrieb: «Kommt zu einem schmerzlosen Zustand noch die Abwesenheit der Langweile, so ist das irdische Glück im Wesentlichen erreicht.» Der Mensch kann nach Schopenhauer also im besten Falle sein Leid verkleinern und klein halten. In eine ähnliche Kerbe schlägt Friedrich Nietzsche, wenn er behauptet, dass Glück dermassen vergänglich ist, dass es immer nur einen Augenblick währen kann. Besser sei es, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Aber Nietzsche hat nicht zur Vermeidung von Schmerzen geraten. Im Gegenteil, er war der Ansicht, dass Glück und Unglück, Lust und Schmerz, so stark zusammenhängen, dass man das eine nur haben kann, wenn man das andere ebenfalls in Kauf nimmt.

Vom Ratgeber zur Forschung

Heutzutage ist ein Glücksbe­griff, der sich an objektiven Massstäben wie etwa der antiken Genügsamkeit misst, nicht mehr erkennbar. Jeder Einzelne entscheidet für sich, was für ihn Glück bedeutet. So wird dann beispielsweise die Arbeit zum Prüfstein des eigenen Glücks. Entspricht diese der vorgefassten Vorstellung, dann findet man vielleicht sein Glück in einer Arbeit, öfters wird einer dann aber von der Realität eingeholt. Kein Wunder also, dass Glücksratgeber en masse auf dem Markt zu finden sind, die alle einen etwas anderen Zugang zum glücklichen Leben propagieren. Vom Training, sich selber lieben zu lernen bis zu zweckorientierten To-do-Listen ist alles vorhanden. Ausserdem ist auch die sogenannte empirische Glücksforschung (siehe Kasten) eine moderne Ausprägung der Suche nach Glück. Hier wird versucht Faktoren und Bedingungen zu finden, unter denen Menschen sich als glücklich bezeichnen.

Unverfügbarkeit des Glücks

Glück ist aber, laut dem Philosophen Dieter Thomä, unverfügbar, wenn man es erzwingen will. Wer dauernd dem Glück nachjagt, der treibt das Glück wie einen Hasen vor sich her, so Thomä. Glück kann man also nicht erschaffen, man kann es nur bekommen. Wilhelm Schmidt, ein anderer zeitgenössischer Denker, betont ebenfalls, dass Glück nur im Verbund mit Unglück auftauchen kann. Ein gelungenes Leben muss demnach auch immer das Leiden akzeptieren und als Lernchance begreifen. Glück kann nicht dauerhaft sein, sondern fordert laut Schmidt eine ständige Auseinandersetzung und Weiterentwicklung mit den eigenen Lebensumständen. Erst so sind Glücksmomente möglich. Diese kann man dann auch viel bewusster geniessen. Insofern ist also auch in der eigenen Arbeit gar kein dauerhafter Glückszustand anzustreben, sinnvoller wäre es wohl auch hier, die Ups und Downs anzunehmen, über sie nachzudenken und sich selber daran weiterzuentwickeln. Wenn dann noch eine Prise Genügsamkeit dazu kommt, ist es vielleicht mit dem glücklichen Leben gar nicht mehr so weit her.

Glücksforschung

Kann man das Glück messen?

Ergebnisse der empirischen Glücksforschung findet man in etlichen Zeitschriften und Zeitungen. So gibt es z. B. den Befund, dass zufriedene Menschen länger ­leben. Diese Erkenntnis hat man bei gefangenen Orang-Utans beobachtet. Je besser ­gelaunt die Tiere waren, umso höher war ihre Lebens­erwartung.

Martin Seligman, ein Professor für Psychologie, hat dies anhand einer Studie über die Langlebigkeit von 180 Nonnen zu erklären versucht. Grundannahme dabei ist, dass Nonnen in beinahe allen Faktoren über dasselbe Leben verfügen: gleiches Essen, gleiche soziale Umgebung, gleiche medizinische Versorgung usw. Dennoch gab es laut Seligman Unterschiede hinsichtlich der Gesundheit und Lebenserwartung. So erreichten 90 Prozent der Nonnen, die als fröhlich und glücklich eingestuft wurden, das 85. Altersjahr, während es in der Gruppe der am wenigsten fröhlichen Nonnen nur 34 Prozent waren. Natürlich sind solche Studien mit Vorsicht zu geniessen: Wie kann man die Nonnen beispielsweise unzweifelhaft in fröhlich und unfröhlich einteilen? Nach welchen Kriterien kann man Glück überhaupt messen? Und zeigen die Studien wirklich das, was sie versuchen zu zeigen? Sind also die Nonnen gesund, weil sie glücklich sind, oder sind sie nicht eher umgekehrt glücklich, weil sie gesund sind?

Die Schwierigkeit aller empirischen Wissenschaften liegt in der Deutung der Daten, die man gesammelt hat. Oft werden Ereignisse, die zwar miteinander korrelieren, also gleichzeitig auftreten, als kausal aufgefasst, also so verstanden, dass das eine das andere zwingend verursacht hat. Die Frage wäre also, ob das Glücklichsein der Nonnen und ihre Langlebigkeit zwei Ereignisse sind, die einfach nur zufällig korrelieren oder ob es tatsächlich eine kausale Verknüpfung zwischen den beiden gibt. Es wäre natürlich wissenschaftlich unzulässig, eine zufällige Korrelation als kausale Verknüpfung auszugeben.

Das folgende, erfundene Beispiel illustriert das: Wenn man in einer Untersuchung feststellen würde, dass eine relevant hohe Zahl der untersuchten Personen sowohl sehr erfolgreich als auch braunhaarig ist, dann ist diese Feststellung eine Korrelation. Wenn man daraus dann aber direkt ableitet, dass die Haarfarbe der Menschen zum Erfolg führt, dann ist das eine unzulässige Zuschreibung von Kausalität. Damit ist nicht gesagt, dass es nicht so sein kann, es bräuchte aber weitere Untersuchungen, denn möglicherweise sind Faktoren im Spiel, die in einer solchen Studie gar nicht untersucht wurden.

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