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Von Pottwalen und hohen Tieren

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Es ist keine Biografie, kein Sachbuch, kein Roman. Was dann? «Ein lockerer Rückblick auf mir wichtige Themen», sagt Joseph Deiss zu seinem Buch, das im November auf Französisch erschienen ist. «Quand un cachalot vient de tribord …»: Der Titel dürfte auch manch Französischsprachigen Rätsel aufgeben. «Wenn ein Pottwal von Steuerbord kommt, so hat er Vortritt. Und kommt er von Backbord, ebenfalls», sagte Olivier de Kersauson einmal. Das Bonmot des französischen Seglers und Schriftstellers über den Pottwal – le cachalot – dient Joseph Deiss als Leitmotiv, wie er im Vorwort schreibt: Wichtig sei es, Unabwendbares als das zu erkennen und zu akzeptieren.

Er habe einen unkonventionellen Essay schreiben und dabei Amüsantes und Seriöses vermischen wollen, sagt der frühere Bundesrat. «Ich wollte meine wichtigsten Anliegen präzise und ausführlich darlegen und durchblicken lassen, dass es auch im politischen Alltag Humor, Freude und Glück gibt.» Und so schreibt er über sich als calvinistischen Katholiken, über die Vereinten Nationen, über Liberalismus und Protektionismus, über Menschenrechte – aber auch ausführlich über seine Wahl in den Bundesrat 1999 und über seine Wahl zum Präsidenten der UNO-Generalversammlung elf Jahre später. Und er schaut auf gediegene Essen mit Vertretern anderer Staaten zurück – samt Speisekarte.

Kein Wort steht da aber beispielsweise über seinen Rücktritt. «Partir, c’est mourir un peu», sagt Joseph Deiss den FN. «Dem wollte ich entfliehen.» Für ihn sei es damals als Bundesrat wichtig gewesen, selber über das Datum seines Rücktritts zu entscheiden. «Ich wollte gehen, bevor mich jemand fragt, wann ich endlich aufhöre.» Und so kam sein Rücktritt im Sommer 2006, nach sieben Jahren in der Landesregierung, für die meisten überraschend. Für ihn habe sich der Rücktritt als sehr glücklicher Entscheid herausgestellt: «Ich wurde für das Amt des Präsidenten der UNO-Generalversammlung angefragt.»

Auch sonst lässt Deiss in seinem Buch schwierige Themen aus seiner politischen Karriere aus. «Ich habe meine Auswahl so getroffen, dass mir wichtige Themen sowie glückliche Geschichten drin sind», sagt ­Deiss. «Ich möchte nicht den Eindruck eines frustrierten und rechthaberischen Ex-Bundesrats erwecken.»

Die EU

Eines seiner grossen Themen ist die Europäische Union: Joseph Deiss ist ein vehementer Beitrittsbefürworter. «Das habe ich schon während meiner Zeit als Bundesratskandidat klar so deklariert.» Und auch heute noch möchte er, dass die Schweiz der EU beitritt. «Das wäre das Beste für die Schweiz – sie würde so ihre Souveränität zurückgewinnen.» Denn nur nach einem Beitritt könne die Schweiz die EU-Politik mitgestalten und mitentscheiden. «Heute sind wir nicht dabei, wenn für uns wichtige Themen diskutiert werden.» Die Schweiz gehöre seit jeher zu Europa. «Am Tisch in Brüssel hätten wir Macht.»

Die Europäische Union sei heute wichtiger denn je. «Die USA gehen mit ihren Freunden schlimmer um als mit Nordkorea, dann sind da China und Russland mit Grossmachtsansprüchen, zudem wird Afrika aufsteigen.» Darum müssten die europäischen Staaten zusammenhalten. «Verschwenden sie ihre Zeit und Energie mit Interna, wird es für Europa schwierig.»

Wichtig ist Deiss auch der Freihandel. Damit liegt er nicht im Trend der Weltpolitik, in der die USA auf Abschottung setzen. «Kurzfristig haben die ­Leute den Eindruck, dass der Protektionismus die eigene Wirtschaft stärkt», sagt Deiss. «Mittel- und langfristig aber schwächt er gerade die Leute, denen es heute schon nicht gut geht, denn der allgemeine Wohlstand geht zurück.» Er hofft, dass die Vernunft siegen wird, «damit es am Schluss nicht eine Katastrophe braucht, bis die Bürger wieder umdenken».

Die CVP

Joseph Deiss schreibt auch über seine Partei, die Christlichdemokratische Volkspartei. «Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir einzigartige Werte einbringen, die unser Land in seiner Tiefe wahrnehmen und fördern. Aber das wird heute als negativ gewertet.» So seien Kompromisse früher als positiv angesehen worden, heute würden sie als überholt wahrgenommen. Die CVP ihrerseits habe zu wenig Mut, ihre eigene Linie durchzuziehen – aus Angst, Wählerstimmen zu verlieren. «Die Partei passt sich dem rechtsextremen Lager an.» Dabei sollte sich die CVP nicht ins Links-rechts-Schema einpassen: «In die Mitte und nach vorne ist eine andere Himmelsrichtung.» Ginge es nach Joseph Deiss, würde die CVP eine eigenständige Politik betreiben, die auf ihren eigenen Werten aufbaut. «So würden wir aufzeigen, dass wir eine Alternative sind.» Denn: «Wir haben Antworten auf die wichtigen Fragen.»

Die Sprache

Der Deutschfreiburger hat sein Buch auf Französisch geschrieben. Warum? «Das ist der Fluch der Zweisprachigkeit: Man muss immer rechtfertigen, in welcher Sprache man sich äussert.» Er erinnert an seine erste Kandidatur für den Nationalrat: «Die Welschen sahen mich als Deutschschweizer, die Deutschsprachigen betrachteten mich als Romand – ich fiel durch.» Bei der zweiten Kandidatur hätten ihn beide Sprachlager als Vertreter anerkannt, «und ich erzielte ein super Resultat». Deiss erinnert daran, dass er an der Universität auf Französisch gelehrt hat und seine wissenschaftlichen Bücher in dieser Sprache verfasst hat. «Dass ich nun auch dieses Buch auf Französisch geschrieben habe, ist eher Zufall: Ich habe mit einem Text über den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika begonnen – da war es natürlich, auf Französisch zu schreiben.»

Das Rentnerleben

Das Schreiben gehört nun zum Alltag von Deiss. «Es hilft, die Leere nach dem sehr intensiven Berufs- und Politikerleben zu füllen.» Schreibt er nicht, ist er zu Fuss unterwegs: «Zuerst wollte ich mich nur etwas bewegen. Dann begann ich unterwegs doch zu überlegen.» Und so liegt es nahe, dass er beides verbindet. Das nächste Buch ist darum bereits im Druck: Joseph Deiss schreibt darin über seine Wanderungen auf der Via Francigena, dem Pilgerweg von Canterbury nach Rom. Wieder auf Französisch.

«Quand un cachalot vient de tribord … Récits d’une Suisse moderne, pacifique et heureuse.» Joseph Deiss. Editions de l’Aire, Vevey, 2018. 33 Franken.

Zur Person

Professor, Bundesrat, UNO-Präsident

Der 73-jährige Freiburger Joseph Deiss war an der Universität Freiburg Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik. 1996 bis 1998 war er Dekan der dortigen Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Seine politische Karriere begann das CVP-Mitglied 1981 als Abgeordneter im Grossen Rat des Kantons Freiburg, den er 1991 präsidierte. Von 1982 bis 1996 war er zudem Gemeindepräsident von Bärfischen. 1991 wurde Deiss in den Nationalrat gewählt; von 1995 bis 1996 war er Vizepräsident der aussenpolitischen Kommission. Von 1993 bis 1996 amtete Joseph Deiss zudem als Preisüberwacher der Schweiz. Anschliessend war er bis 1998 Präsident der parlamentarischen Kommission für die Totalrevision der Bundesverfassung. Bei den Ersatzwahlen vom 11. März 1999 wurde er als Nachfolger von Flavio Cotti in den Bundesrat gewählt. Von 1999 bis 2002 stand er dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten vor, 2003 wechselte er ins Volkswirtschaftsdepartement. 2004 war er Bundespräsident. Joseph Deiss trat auf Ende Juli 2006 zurück. Sein grösster Erfolg als Aussenminister war der Beitritt der Schweiz zur UNO. Im Juni 2010 wurde Joseph Deiss zum Präsidenten der UNO-Generalversammlung gewählt. Er ist verheiratet und hat drei Kinder und sieben Enkelkinder. Er lebte bis Mai 2011 in Bärfischen, seither in Freiburg.

njb

 

 

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