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Vorhölle Public Viewing

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ich bin fussballbegeistert, werde mir bei dieser WM mit Sicherheit mehr als die Hälfte aller Spiele anschauen. Es gibt jedoch einen Begriff, da dringt ein tiefes Schaudern durch meinen Körper, wenn ich ihn bloss höre: Public Viewing. Nicht, weil Public Viewing im Englischen eigentlich Leichenschau bedeutet. Sondern weil das Rudelgucken so viel Fussballbegeisterung vortäuscht, in Wirklichkeit dem Spiel aber so wenig Liebe entgegenbringt. Ich mag jetzt alt und miesepetrig klingen (dabei bin ich jung und miesepetrig), aber Public Viewing ist für jeden wahren Fussballfan eine echte Plage. Mein idealer Rahmen für ein Spiel? Da gibt es nur zwei Dinge: Den Fernseher und mich. Am liebsten wir beide in einem Keller, wo die Sonne nicht auf den Bildschirm scheint und es nichts und niemandem gibt, was mich davon ablenkt, mir diesen wunderbaren Sport ruhig und konzentriert zu Gemüte zu führen.

 

 Beim Public Viewing hingegen geht es darum, jedes Spiel zu einem Event hochzustilisieren und so auch diejenigen für die WM zu begeistern, die mit Fussball wenig am Hut haben. Hauptsache Remmidemmi, ob Feldschiessen, Fasnacht oder halt Fussball-WM, ist eigentlich egal. Das ist gut und recht. Ich wünschte, ich könnte mitfeiern, ich wünschte, Fussball wäre für mich nicht so eine ernste Sache. Es würde mir viel Ärger ersparen. Aber ich kann nicht. Drei Typen–der laute Saufproll nicht einmal eingerechnet–verderben mir beim Rudelgucken Mal für Mal die Laune:

 

 • Der Wir-Sager. Erste Person plural geht gar nicht. Vielleicht bin ich nicht nur ein Miesepeter, sondern auch ein missgünstiger Mensch, aber wenn ich von einem bierbäuchigen Mittfünfziger Sätze höre wie «Heute Abend werden wir gewinnen», wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein Tor des gegnerischen Teams. Der Wir-Sager ist übrigens ein flüchtiger Zeitgenosse, nach Niederlagen trifft man ihn so gut wie nie an. Oder haben Sie schon einmal jemanden sagen hören: «Wir sind halt einfach überbezahlt und verwöhnt»?!

• Der Selbstdarsteller. Afro-Perücke in brasilianischen Farben, Plastikbrillen mit Schweizer Kreuz, überdimensionierte Hüte in Schwarz-Rot-Gold, Halsketten mit Portugal-Fähnchen–die Geschäfte sind voll mit WM-Utensilien, auf die die Welt nicht gewartet hat. Public Viewings verwandeln sich deshalb gerne einmal in einen Laufsteg des schlechten Geschmacks. Die Faustregel: Je mehr Fan-Utensilien jemand bei sich hat, desto mehr interessiert er sich für sich selbst–und desto weniger für Fussball.

 

 • Der Experte. Er hat irgendwo etwas gelesen oder vielleicht auch nur an der Bar aufgeschnappt. Aber er möchte sein Allerweltswissen nun mit anderen teilen. Also spricht er über Taktik oder über den Trainer, der sowieso die Falschen aufgestellt hat, und er will selbstverständlich wissen, was die Anderen dazu meinen. Das alles am liebsten laut und natürlich während des Spiels.

 

 Deshalb, liebe wahre Fussballfans: Tut euch das nicht an. Lasst euch meinetwegen als Spassbremsen bezeichnen, aber geniesst die Spiele in aller Ruhe zu Hause. Mit der angemessenen Ernsthaftigkeit. Für Party und Halligalli hat man anschliessend wieder vier Jahre Zeit. Nun steht erst einmal einen Monat Fussball an.

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