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Vorschriften blenden die Realität aus

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Vorschriften blenden die Realität aus

Sibylle Bareiss und Bruno Richner müssen ihren Betrieb auf der Burg aufgeben

1999 haben Sibylle Bareiss und Bruno Richner auf der Burg oberhalb von Murten ein Anwesen gekauft, um dort Pferde- und Erlebnistrekkings anzubieten. Ihr Angebot und ihre Philosophie entsprechen einem grossen Bedürfnis, die rechtliche Lage macht ihnen aber einen Strich durch die Rechnung.

Von CORINNE AEBERHARD

«Was wir machen, das ist unsere Berufung», sagt Bruno Richner. Er und seine Lebenspartnerin Sibylle Bareiss können nicht verstehen, dass sie das, was sie aufgebaut haben, wieder aufgeben sollen. «Unwissenheit schützt nicht», meint sie und spricht damit die verfahrene Situation an, in der sich die beiden befinden.

Vor vier Jahren haben die beiden ein altes Bauernhaus sowie eine Hektare Land gekauft. Das Anwesen befindet sich auf der Burg oberhalb von Murten. Die Absicht der Sozialpädagogin und des Bergführers war, dort Pferde- und Erlebnistrekkings anzubieten. Richner betrieb diese Tätigkeit bereits fast zehn Jahre lang in Guggisberg. Da er am dortigen Standort nur Untermieter war, suchte er etwas Eigenes. Das Anwesen auf der Burg entsprach den Vorstellungen der beiden, ist es doch für ihre Projekte ideal gelegen; einerseits liegt es etwas abseits, andererseits ist es aber gut erreichbar.

Erfolg ohne Werbung

Schnell hatten sie gute Beziehungen zu den Nachbarn geknüpft. Endlich komme wieder Leben in die Umgebung, freute sich ein älteres Ehepaar. Und mit einem Bauer entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit. «Ich helfe ihm beim Heuen und beim Stroh einholen, dafür kann ich beides etwas günstiger beziehen», erklärt Richner.

Erfreulich entwickelte sich auch ihr Betrieb. Ohne Werbung zu machen hatten sie rasch 30 Kinder, die regelmässig Reitunterricht bei ihnen nahmen.

Den Schwerpunkt bilden aber länger dauernde Aktivitäten wie mehrtägige Erlebnistrekkings in den verschiedensten Formen. Dabei soll den Teilnehmenden «der Respekt und der achtsame Umgang mit der Natur vermittelt und vor allem auch Wissen weitergegeben werden», sagt Richner. «Pferde und Reiten sind nur ein Teil des Ganzen», präzisiert er.

Dass diese Art von «Outdoor-Schule», wie Richner den Betrieb umschreibt, ankommt und einem grossen Bedürfnis entspricht, beweist die grosse Nachfrage. «Über 100 Schulklassen aus der ganzen Schweiz haben unsere Kurse bis anhin besucht. Viel haben wir auch mit Behinderten gearbeitet», sagt Richner. «Wir sind nicht einfach ein weiterer Reitbetrieb», stellt er klar.

Pferde nur als Hobby

Alles schien für die beiden gut anzulaufen. Dann kam der Sturm Lothar und beschädigte das Vordach beim Stall. Bruno Richner baute es selber wieder auf. Von Behördenseite wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um einen Ausbau handle und nicht um eine Renovation und er demnach ein Baugesuch einzureichen hätte.

Bei einer Besichtigung kam dann noch zum Vorschein, dass der frühere Besitzer Bauten wie das alte Vordach und den Mistplatz ohne Baubewilligung erstellt hatte, worüber sich der Behördenvertreter geärgert habe, erzählt Richner. Das Versäumnis des Vorgängers habe man dann ausbaden müssen.

Weiter wurden die beiden aufgefordert, für den alten Schweinestall, den sie in einen Pferdestall umgebaut hatten, ein Umnutzungsgesuch einzureichen. Dieses wurde von kantonaler Seite so nicht genehmigt. Anstatt Pferde darin zu halten wird der Raum jetzt für andere Aktivitäten, wie beispielsweise Bastelarbeiten, benützt.

«Wir dürfen zwar Pferde halten», erklärt Bareiss, «aber höchstens drei und nur für den hobbymässigen Gebrauch, nicht aber, um gewerbemässig Kurse zu geben.» Begründet wurde der Entscheid damit, dass der Betrieb in der Landwirtschaftszone liegt.

Landwirtschaftszone schränkt ein

«Es ist sehr streng definiert, was man mit einem Bauernhaus machen kann», erklärt der Murtner Bauverwalter Peter Friedli. Er bestätigt, dass man ab dem vierten Pferd von einem gewerbemässigen Betrieb spreche und nicht mehr von einem Hobby. Pferdsport werde aber nicht als landwirtschaftliche Tätigkeit angesehen. Und aus- und umbauen könne man in der Landwirtschaftszone eigentlich nur, wenn man einen Landwirtschaftsbetrieb führe. Dabei verweist er auf verschiedene Bundesgerichtsentscheide.

So mussten die beiden ihren Pferdebestand reduzieren und ihre Tätigkeit aufgeben. Ein harter Schlag. Gerade zu diesem Zeitpunkt habe man damit gerechnet, vom Unternehmen leben zu können. Beide kündigten kurz zuvor ihre Teilzeitstellen.

Aber so schnell wollten sie nicht aufgeben. Tatkräftig wurden sie dabei von zahlreichen Eltern unterstützt, deren Kinder Reitkurse besuchten. Diese gründeten den «Interessenkreis Dakotahof» und lancierten eine Petition.

Während die Eltern ihre Unterschriften gaben und sich in schriftlichen Erklärungen für den Betrieb stark machten, lieferten die Kinder vor allem Zeichnungen. All das füllte schliesslich einen ganzen Ordner, der den Murtner Stadtbehörden übergeben wurde. «In einem mageren Schreiben wurde uns mitgeteilt, dass das Problem auf Kantonsebene gelöst werden müsse.»

Beide waren aber überzeugt, dass es eine Lösung geben müsse. «Der Ball wurde aber hin und her geschoben», sagt Bareiss. Sie kontaktierten einen Raumplaner, um sich zu informieren. Wenn wieder ein Schreiben von Behördenseite eintraf, dann hätten sie ihn gefragt, ober er ihnen den Inhalt «übersetzen» könne.

Es sei schwierig, sich in den Gesetzesregelungen zurecht zu finden, und noch schwieriger, die richtige Ansprechperson zu finden, die weiterhelfen könne, erklärt Bareiss. Und Richner doppelt nach, dass man heutzutage sowohl Raumplaner wie Jurist sein müsse, wenn man eine Liegenschaft kaufen und ein Geschäft betreiben wolle.

Hoffnung kam nochmals auf, als sie von der Bauverwaltung Murten im vergangenen Winter eine Anfrage erhielten, ob sie nach wie vor an einer Einzonierung ihrer Parzellen interessiert seien. Man prüfe, wo es mögliche Standorte für Pferdebetriebe geben könnte.

Keine Einzellösung möglich

Diese Hoffnung aber wieder zunichte gemacht hat schliesslich ein weiteres Schreiben vom Murtner Gemeinderat, das kürzlich eintraf. Darin steht, dass momentan eine Einzellösung rechtlich nicht möglich sei. Darauf reagieren beide mit Unverständnis. «Wir stören niemanden und sind integriert», sagt Bareiss. Zudem seien die beiden anderen Nachbarbetriebe (Restaurant und Getränkehändler) in derselben Situation wie sie. Da die beiden aber schon lange dort geschäften, gelte für sie das Gewohnheitsrecht.

Die Gemeinde Murten stellt in Aussicht, dass im Rahmen einer Ortsplanungsrevision, die in gut zwei Jahren angegangen werden soll, eine Einzonung in eine «minimale ländliche Dorfzone mit entsprechenden Rahmenbedingungen ähnlich einer Kleinsiedlung ausserhalb der Bauzone ins Auge gefasst werde».

Hoffnung also, dass sie ihren Dakotahof dereinst doch noch betreiben können? Ja, gibt Friedli sich optimistisch. Sobald die neuen Zonenpläne öffentlich aufgelegt seien und keine Einsprachen eingingen, träten diese mit einer Vorwirkung in Kraft. Zum Zeitrahmen will er aber keine Prognose abgeben.

Sybille Bareiss und Bruno Richner rechnen mit vier bis fünf Jahren. «Und bis dahin warten alle geduldig, damit sie wieder bei uns reiten kommen können», äussern sie sarkastisch. Das Ringen mit den Behörden hat Spuren hinterlassen.

«Wir verstehen zwar die

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