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Wachablösung an der Spitze

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Dieses Jahr war Zeit der Wachablösung an der Spitze des Freiburger Arbeitgeberverbands. Der bisherige Generaldirektor Jean-Jacques Marti trat anlässlich der Generalversammlung im Juni von seinem Amt zurück, das es künftig in dieser Form nicht mehr geben wird. Der 65-Jährige hatte dieses Amt zweieinhalb Jahre inne, war aber zuvor bereits 18 Jahre lang Direktionsmitglied. Seine Nachfolge bei der Verbandsführung übernahm der amtierende Direktor Reto Julmy.

Nach über zwei Jahrzehnten der engagierten Arbeit für die Freiburger Wirtschaft nahm sich Marti danach eine Auszeit, mit einer mehrwöchigen Reise in die USA und einer Motorradfahrt, die ihn quer durch Europa bis nach Athen und wieder zurück führte. Gestern sprachen Marti und Julmy schliesslich in einem Gespräch mit den FN über die Vergangenheit und die Zukunft des Freiburger Arbeitgebertums. Den Kaffee dazu servierte Marti höchstpersönlich. Er habe dies immer so gehandhabt, sagte der scheidende Generaldirektor dazu. Es habe seiner Philosophie entsprochen, dass sich ein Chef in den Dienst aller stellen solle.

Jean-Jacques Marti, wie kam es dazu, dass Sie sich 1996 für ein Engagement beim Freiburger Arbeitgeberverband interessierten?

Jean-Jacques Marti: Ich war nach meinem betriebswirtschaftlichen Diplom an der Universität Neuenburg Gründer und Direktor der Emalux AG in Givisiez, die zur Alcatel-Gruppe gehört. Eines Morgens las ich beim Frühstück ein Stelleninserat, in dem der Freiburger Arbeitgeberverband einen Arbeitgebersekretär suchte. Der Stellenbeschrieb sah so aus, als ob jemand bei meiner Frau angerufen und meinen Lebenslauf verlangt hätte. Daraufhin rief ich den damaligen Verbandspräsidenten Ferdinand Masset an, um mich zu bewerben. Dieser meinte zunächst, ich sei überqualifiziert für diese Aufgabe, da kein Direktionsmitglied gesucht werde. Doch nach einem mehrstündigen Vorstellungsgespräch beim Verwaltungsrat wurde ich engagiert. Mit ausschlaggebend dafür war wohl meine Antwort auf die Frage, wieso der Verband mich anstellen sollte: «Weil Sie einen Arbeitgeber suchen, der sich in den Dienst des Arbeitgebertums stellt.» Allerdings hatte ich zunächst eine «Lehrzeit» von drei Jahren als Arbeitgebersekretär zu absolvieren, bis ich Direktionsmitglied wurde.

Reto Julmy: Auch als Direktor nehme ich in verschiedenen Verbänden die Funktion des Verbandssekretärs wahr. Das ist durchaus sinnvoll. Sonst weiss man gar nicht, wie ein Verband überhaupt funktioniert, und was es dabei für Probleme und Herausforderungen gibt.

Und was motivierte Sie persönlich?

Marti: Dass man ein Stellen­inserat mit so einem passenden Profil sieht, ist sehr selten. Auch war ich immer der Ansicht, dass nach einem guten Jahrzehnt auf einem Posten Zeit für einen Wechsel ist. Damals war es gerade so weit.

Beim Arbeitgeberverband blieben Sie aber länger als zehn Jahre.

Marti: Ja. Das hängt damit zusammen, dass es bei einem solchen Dachverband viel länger geht als bei einem Einzelunternehmen, bis man in alle Strukturen eingearbeitet ist. Der Arbeitgeberverband betreut gegen 70 Berufsverbände unter seinem Dach, und als Generaldirektor galt es, alle diese verschiedenen Metiers zu kennen.

Wie hat sich das Arbeitgebertum in den letzten zwei Jahrzehnten verändert?

Marti: Sehr stark. Gemäss der «alten Schule» war ein Patron der «Big Boss», der alle Entscheidungen ganz alleine trifft. Er führte seine Angestellten etwa so, wie ein General seine Armee führt. In den letzten 20 Jahren haben sich die Ansichten über Management allerdings stark verändert. Auch Ferdinand Masset war so ein Patron alter Schule, der den Arbeitgeberverband so führte wie in den 1950-er oder 60er-Jahren. Mit dem folgenden Präsidenten Gaston Mauron hat sich das ab 1997 dann stark verändert, hin zu einer zeitgemässen Unternehmer-Philosophie.

Und worin besteht diese?

Marti: Die prinzipielle Gleichheit aller wird viel mehr betont. Eine Führungspersönlichkeit muss heutzutage ein «Super-Big-Boss» sein. Er ist kein General mehr, sondern ein Partner und Coach. Heutzutage hat der Patron nicht mehr immer recht – was aber nicht heisst, dass er am Ende nicht doch Entscheide alleine treffen und verantworten muss. Basisdemokratische Strukturen funktionieren nur bei ganz kleinen Firmen. Sobald es komplexer wird, braucht es Entscheidungsträger.

Was ist der Grund für diesen Paradigmenwechsel?

Marti: Er entspricht den Veränderungen der Zivilgesellschaft seit den 90er-Jahren, reicht aber in seinen Ursprüngen viel weiter zurück. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war ein wirtschaftlicher Aufbau nötig. Gleichzeitig diktierten aber die Firmen den Konsumenten, was für Produkte sie konsumieren sollen. Heutzutage ist dies umgekehrt. Etwa seit den 80er-Jahren diktiert der Konsument den Firmen, was er konsumieren will.

Julmy: Die Gesellschaft hat sich seit jenen Zeiten stark verändert. Die Bürger sind besser ausgebildet und besser informiert. Dies verlangte früher oder später einen anderen, partizipativeren Führungsstil. Einfach zu befehlen – das funktioniert heutzutage nicht mehr, und es wäre auch ein Fehler. Es geht darum, das Wissen und das Potenzial der Mitarbeiter zu berücksichtigen.

In den 70er-Jahren war aber Hochkonjunktur, und es war viel einfacher, eine Arbeit zu finden als heute. Gibt das den Chefs nicht mehr Macht, als sie früher hatten?

Marti: Das ist wieder ein ganz anderes Phänomen. Es ist heute auch nicht für alle gleich schwierig, eine Arbeit zu finden. Zu den Risikogruppen gehören die über 50-Jährigen und die ungenügend qualifizierten jungen Menschen. Bei den gut qualifizierten über 50-Jährigen denke ich, dass in den nächsten Jahrzehnten ein Umdenken stattfinden wird und deren Erfahrung wieder stärker geschätzt wird. Das Problem bei den jungen Menschen ist ein Hauptgrund dafür, weshalb die Erhaltung, Stärkung und Förderung unseres dualen Schweizer Ausbildungssystems eine der wichtigsten Prioritäten des Freiburger Arbeitgeberverbands ist.

Wie setzen Sie das um?

Marti: Eine der wichtigsten Aktivitäten ist unsere Berufsmesse. Hier war unser Verband tatsächlich die Lokomotive, welche die Dinge in Gang gebracht hat.

Julmy: Das ist auch wirklich sehr wichtig. Wenn die Schweizer Wirtschaft auf ihrem heutigen Stand bleiben will, muss künftig noch mehr in die Ausbildung investiert werden, und zwar nicht nur in die Hochschule, sondern auch in die duale Berufsbildung. Das Schweizer Modell darf man wohl ohne falsche Bescheidenheit als das beste auf der ganzen Welt bezeichnen. Wichtig ist es aber auch, den Eltern zu vermitteln, dass nicht nur ein Hochschulstudium zu Glück und Wohlstand führt, sondern auch eine Berufslehre – zumal einem das duale System mit seiner Durchlässigkeit in Richtung Fachhochschulen alle Türen offen lässt.

Wieso gibt es künftig keinen Generaldirektor mehr?

Marti: Es war von Anfang an nur als Interimslösung gedacht, um die Lücke, die durch den überraschenden Tod von Gaston Mauron 2015 entstanden ist, zu überbrücken. Mittlerweile ist die Kommunikation zwischen den Direktoren unseres Verbands viel intensiver geworden, so dass die Funktion obsolet wurde.

Sie bleiben dem Verband aber immer noch erhalten.

Marti: Ja, als Delegierter des Verwaltungsrats für nicht operative Aufgaben und Präsident des Bereichs Sozialversicherungen.

Wie stolz sind Sie auf das von Ihnen Erreichte?

Marti: Sehr wichtig war sicher, dass wir den Bereich der medizinischen Berufe zu uns an Bord holen konnten – zumal es sich nicht um traditionelle KMU-Bereiche handelt.

«Eine Führungspersönlichkeit muss heutzutage ein ‹Super-Big-Boss› sein. Er ist kein General mehr, sondern ein Coach.»

Jean-Jacques Marti

Ehemaliger Generaldirektor

«Wenn die Schweizer Wirtschaft auf ihrem heutigen Stand bleiben will, muss noch mehr in die Ausbildung investiert werden.»

Reto Julmy

Direktor Arbeitgeberverband

Zur Geschichte

1947 von Ferdinand Masset gegründet

Der Freiburger Arbeitgeberverband feiert dieses Jahr sein 70-jähriges Bestehen. 1947 wurde er vom späteren FDP-Staatsrat Ferdinand Masset als Union Interprofessionnelle Patronale gegründet. Erster Präsident war Paul Hertig, der damalige Direktor der Druckerei Saint-Paul. Seit ihrer Gründung wurde die Union von Masset geleitet und war vor allem auf der Ebene der Sozialinstitutionen tätig, wurde aber auch im Wirtschaftsbereich ausgebaut. Die Berufsverbände des Gewerbes waren die ersten, die der Union beitraten. 1999 fusionierte diese mit dem kantonalen Gewerbeverband zum Arbeitgeberverband. Seit 1995 befindet sich dieser an ihrem heutigen Standort an der Spitalgasse.

jcg

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