Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Wahrscheinlich gibt es Gott nicht»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Oft werde er gefragt, ob er eigentlich an Gott glaube, sagt M.S. Er sagt es ohne grössere Gefühlsregung: Weder nervt ihn die Frage noch findet er sie besonders angenehm. Er erwartet sie offenbar vielmehr. Die Antwort aus seiner Sicht–der Sicht des Konfessionslosen mit Chemie-Doktortitel: «Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit gibt es keinen Gott, aber wir können uns nie sicher sein.» Das heisst: Weder habe jemand die Existenz Gottes beweisen können noch könne er das Gegenteil beweisen. «Aber ich lebe ganz gut ohne Religion und ein höheres Wesen.»

Der Wissenschaftler hat die kritische Haltung quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Seine Eltern–beide mit reformiertem familiärem Hintergrund–verstanden sich ebenfalls als konfessionslos. Entsprechend wurde der Sohn nicht getauft. «Meine Eltern wollten mir die Möglichkeit geben, mich selbst zu entscheiden. Da bin ich ihnen sehr dankbar», sagt S. Und er habe sich entschieden: Er lehnte eine nachträgliche Taufe ab und blieb ohne Konfession.

Mit dem Tod konfrontiert

Diskriminiert worden sei er nicht, genauso wenig wie seine Eltern, sagt S. Selbst im vermeintlich erzkatholischen Freiburg sei ein Konfessionsloser keineswegs ein Exot. Manchmal aber, so räumt S. ein, sei er in Erklärungsnotstand gekommen. Damals zum Beispiel, als sein Grossvater starb. Da war er gerade erst vier Jahre alt. Da habe er sich gefragt, wo der geliebte Mensch nun sei. «Als Kind macht man sich seine eigenen Gedanken.» Seine Mutter habe ihm den Prozess des Sterbens erklärt, so verständlich es für einen Vierjährigen halt war. Der andere Grossvater starb vor zwei Jahren, so S. «Ich hoffe, dass beide nun an einem besseren Ort sind. Ein Navajo-Sprichwort besagt, dass eine geliebte Person weiterlebt, solange man sich an sie erinnert. Das ist eine schöne Vorstellung.»

 Allerdings: Völlig frei von Religion ist S‘ Leben nicht. So hat er die heiligen Bücher des Judentums, des Christentums und des Islams gelesen und sich ein Bild dieser Religionen gemacht. Er singt in drei Chören mit. «Wir treten zum Beispiel an Messen oder Hochzeiten auf. Wir singen auch kirchliche Musik, und ich finde das völlig in Ordnung.» Der Komponist Johann Sebastian Bach hat es ihm besonders angetan, auch dessen religiöse Musik, zum Beispiel die Passionen. «Das gehört zur Schweizer Tradition. Die Schweiz ist ein christlich geprägtes Land und das respektiere ich. Für mich ist das einfach nur schöne Musik, die ich geniesse.»

 S. Ehefrau stammt aus reformiertem Elternhaus. Mehr noch: Sie ist Pfarrerstochter. «Wir haben kirchlich geheiratet», sagt S., «ich habe kein Problem damit.» Er finde es wichtig, dass es Traditionen gibt und dass sie auch eingehalten werden. «Ich respektiere, dass meine Frau reformiert ist, und sie respektiert, dass ich konfessionslos bin.»

Überhaupt ist Respekt für S. ein zentraler Begriff. Er sei wesentlich für die Ehe und darüber hinaus für das gesellschaftliche Zusammenleben. «Jeder soll seine Religion ausleben, wie er will.» Abermillionen von Menschen glaubten an die jüdische Thora, die christliche Bibel und den muslimischen Koran, so S., zum Teil sogar wortwörtlich. «Ich finde, das sind nicht nur Märchenbücher. Sie haben eine Bedeutung.» Natürlich gebe es auch für den Respekt Grenzen, sagt S. Extremismus und Fundamentalismus sind ihm zuwider. «Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.» Es komme für ihn nicht infrage, dass jemand versucht, ihm seine Religion aufzudrängen.

Taufen oder nicht?

Wenn es dereinst einmal um Kinder und deren allfällige Taufe gehen sollte, besteht bei den Eheleuten S. Diskussionsbedarf. «Ich wäre eher dagegen, sie eher dafür. Wir müssen noch darüber reden, wenn es so weit ist.»

Zur Person

Vom Emmental bis nach Freiburg

Der gebürtige Neuenburger M.S.* hat Emmentaler Wurzeln, wurde 1980 geboren und besuchte die Primarschule in Ittigen, Rödermark (D) und Aups (F). Die Sekundarschule absolvierte er in Payerne und schloss sie in Freiburg ab. Auch das Gymnasium und das Chemiestudium machte S. in Freiburg. Er doktorierte 2010 mit einer Arbeit in organischer und analytischer Chemie. Seine Hobbys sind Fliegen, Motorradfahren und das Singen. Im Militär bekleidet er den Rang eines Fachoffiziers auf Stufe Major und dient als Spezialist für ABC-Abwehr.fca

 

* Name der Redaktion bekannt

 

Mehr zum Thema