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Wappen sind kein Zusammensetzspiel

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Am 8. März können die Einwohner von mehreren Gemeinden im Kanton Freiburg darüber abstimmen, ob sie mit ihren Nachbarsgemeinden fusionieren wollen. Solche Zusammenschlüsse verändern nicht nur die politische Landkarte; oft bringen die Fusionen auch neue Wappen hervor. Den neuen Gemeindeemblemen aus den Kantonen Freiburg, Aargau, Bern und Glarus hat sich der Wappenexperte Hans Rüegg in seinem Buch «Gemeindefusionen und ihre Wappen» gewidmet. Zwei weitere, von der Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen herausgegebene Bände sind in den nächsten beiden Jahren zu den restlichen Kantonen geplant.

Von weit her erkennbar

«Die einfachste Lösung ist es, das Wappen der grössten Gemeinde beizubehalten», sagt Hans Rüegg den FN. Die restlichen Wappen würden mit einer Fusion nicht ungültig, sondern blieben weiter bestehen–halt als Dorf- statt als Gemeindewappen. Entscheide sich eine Gemeinde aber dafür, ein neues Wappen zu kreieren, sei es vielen Gemeinden wichtig, ein Motiv aus ihrem Emblem im neuen Zeichen wiederzufinden. «Solche Zusammensetzspiele ergeben oft denkbar schlechte und überladene Wappen», meint der Experte dazu.

Stattdessen empfiehlt Hans Rüegg, ein komplett neues Emblem zu entwerfen. «Sinnvollerweise ist das Wappen historisch begründet. Dafür braucht es aber gute Geschichtskenntnisse.» Auch wenn das Motiv gefunden ist, gibt es einige heraldische Regeln, über die ein Unwissender stolpern könnte. Manche dieser Regeln seien heute vielleicht schwer verständlich, sagt Rüegg. Sie hätten aber alle ihre Begründung im Ritterwesen – dem Ursprung der Wappen (siehe Kasten). Um Gleichgesinnte und Gegner unterscheiden zu können, versahen die Kreuzritter ab Beginn des 12. Jahrhunderts ihre Kampfschilder mit Symbolen. «Diese mussten auf grössere Distanz klar zu erkennen sein», erklärt Rüegg. Deshalb gilt auch heute noch: Ein Wappen sollte aus möglichst wenig Figuren und höchstens drei Farben bestehen. Perspektivische Darstellungen sind zu vermeiden und bei Figuren müssen die charakteristischen Merkmale, etwa die Mähne bei Löwen, überbetont werden. Bei den Farbkombinationen ist die Unterscheidbarkeit das höchste Gebot. «Eine grüne Tanne auf blauem Grund ist zum Beispiel kaum zu sehen.» Einen stärkeren Kontrast weisen hingegen Kombinationen der Metallfarben Silber oder Gold respektive Weiss oder Gelb mit den anderen erlaubten Farben Rot, Blau, Schwarz oder Grün auf.

Nicht nur Regeln zählen

Obwohl sie noch nicht offiziell sind, hat Hans Rüegg für die FN die neuen Wappen der–sofern die Bevölkerung zustimmt–fusionierten Gemeinden Plaffeien, Mont-Vully und Belfaux beurteilt.

Die beste Note, ein «gut», erzielt das Wappen aus der Fusion Autafond-Belfaux. Anlässlich der Eingemeindung von Cutterwil 1977 legte sich Belfaux das jetzige Wappen mit einem Baum zu. Davor führte Belfaux ein Wappen mit einer schwarzen Hirschkuh auf gelbem Grund sowie einem roten Kreuz. Für das neue Emblem haben die Gemeinden auf dieses Wappen zurückgegriffen und einzig das Kreuz durch die rote Rose von Autafond ersetzt. «Der Platz ist gut ausgefüllt, es gibt keine Regelverstösse. Zudem ist der Rückgriff auf das frühere Gemeindewappen erfreulich», erklärt der Experte.

Nur «befriedigend» findet er hingegen das Wappen, das nach der Fünferfusion von Brünisried, Oberschrot, Plaffeien, Plasselb und Zumholz für die neue Senseoberland-Gemeinde stehen soll. Da der Name Plaffeien unverändert weitergeführt werde, wäre ein neues Wappen nicht notwendig gewesen–«dies umso weniger, als dieses Wappen seit dem 16. Jahrhundert bekannt ist und damit zu den ältesten im Kanton gehört.» Beim neuen Wappen sei grundsätzlich kein Verstoss gegen heraldische Regeln festzustellen. Die Lilie sei gemäss ihrer Form aber vertikal orientiert, das Einfügen in ein horizontales Feld führe daher kaum zu einer guten Lösung. «Massgebend ist es, dass die Motive die Felder möglichst optimal ausfüllen», so Rüegg. Auch mit den beiden blauen Wellenleisten im weissen Balken, welche die Flüsse Ärgera und Sense symbolisieren, ist der Experte nicht ganz zufrieden. So wirkten die Wellen zwischen den beiden geraden Abgrenzungen unharmonisch. Zudem fragt er: «Was soll symbolisiert werden? Werden zwei naturbelassene, mäandrierende Fliessgewässer in einen Kanal gezwängt?» Bei einem Wappen gehe es nicht nur um die Einhaltung der heraldischen Regeln. «Gefragt sind auch Kenntnisse und Erfahrung in der Gestaltungslehre, zudem muss man sich auch recht gut in der Symbolik auskennen.»

«Symbolik unzutreffend»

Gar als «schlecht» beurteilt Hans Rüegg das Wappen der Gemeinde Mont-Vully, die aus der Fusion von Bas- und Haut-Vully entstehen soll. Wie bereits beim «völlig überladenen» Wappen von Bas-Vully, das aus der Fusion dreier Dörfer entstanden ist, würden vorhandene Elemente zu einem neuen Wappen zusammengefügt. Der Mont Vully sei durch die gewölbte Leiste, die den Schild teilt, angedeutet, erklärt Rüegg. Der Begriff «Berg» oder «Hügel» sei aber kaum als solcher wahrnehmbar. «Für diese Begriffe stehen in der Heraldik eindeutigere Symbole zur Verfügung.» Die zwei Rebstöcke mit acht Blättern seien zwar eine neue und originelle Variante, die Anzahl der vereinigten Dörfer und Gemeinden darzustellen. Jedoch umfassten die beiden Gemeinden nicht je vier Dörfer, sondern drei und fünf. «Die gewählte Symbolik ist somit unzutreffend.»

Oberschrot. Plaffeien. Plasselb. Zumholz. Plaffeien (wenn fusioniert). Autafond. Belfaux (seit 1977). Belfaux (wenn fusioniert).Bas-Vully. Haut-Vully. Mont-Vully (wenn fusioniert). Gemeindewappen sind aus den Familienwappen–hier im Schloss von Lucens–entstanden. Bild awi/a

Geschichte: Wappenbilder zur Erkennung

D er Begriff Wappen leitet sich vom Wort Waffen ab. Die ältesten Wappen stammen aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts, also aus der Zeit der Kreuzzüge. Die Rüstungen der damaligen Ritter hatten zwar den Vorteil, dass sie die Kämpfenden vor Speeren, Lanzen und Schwertern schützten. Da sie Körper und Gesicht abdeckten, waren die Ritter aber nicht mehr erkennbar. Um Freund und Feind dennoch unterscheiden zu können, versahen die Ritter ihren Schild mit leicht erkennbaren Symbolen oder Bildern. An den mittelalterlichen Ritterspielen trugen die Ritter zusätzliche Embleme auf dem Helm, den Mänteln oder Pferdedecken.

Mit der Zeit bürgerte sich die Vererbung der Wappen innerhalb der Familie ein. Auch erhoben Könige und Kaiser ihre Familienwappen zu Wappen ihrer Herrschaftsgebiete. Schliesslich legten sich auch städtische Beamte, die nicht dem Adel entstammten, Bürger, Handwerker und Bauern Wappen zu. Im öffentlichen Bereich – zuerst bei den Städten und später auch bei den Gemeinden – wurden die Wappen zum Hoheitszeichen. Besonders viele Gemeindewappen stammen aus dem 20. Jahrhundert. Heute sind die Wappen des Staates, der Kantone und der Gemeinden aber nicht mehr ein Emblem der Obrigkeit und von deren Machtanspruch, sondern vielmehr ein Identifikationszeichen der Einwohner. rb

Quelle: Schweizer Wappen und Fahnen. Gemeindefusionen und ihre Wappen. 1. Teil. Verlag Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen, Zug 2014. Literatur und mehr Informationen zu Wappen bei Gemeindefusionen: www.stiftungswf.ch.

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